München - Brillenträger haben es auf dem Rasen der Allianz Arena derzeit nicht leicht. Erst am Samstag musste das Gestell von Jürgen Klopp nach dem Sieg seiner Dortmunder dran glauben, nach dem DFB-Pokal-Halbfinale war es Schalkes Trainer Felix Magath, der plötzlich "oben ohne" dastand.

Doch wie sein Amtskollege Klopp nahm auch Magath die Attacke von Co-Trainer Bernd Hollerbach und dem vierten Offiziellen Christian Dingert auf seine Brille mit Humor, denn sein FC Schalke 04 war gerade dank eines 1:0-Siegs über den FC Bayern München ins Finale eingezogen.

Raul schießt Tor des Tages

"Da muss ich mir noch überlegen, ob ich Protest einlege", schmunzelte der Trainer der "Königsblauen" später im Interview. Doch Gründe, um auf die Barrikaden zu gehen, hatte Magath an diesem Pokalabend nicht. S04-Star Raul hatte den FC Schalke bereits in der 15. Minute in Führung gebracht, und diesen Vorsprung gaben die "Knappen" dank einer disziplinierten und starken Abwehrleistung nicht mehr aus der Hand.

Im Interview spricht Magath über den Finaleinzug, die Stärken seiner Mannschaft und was sich der Schalke-Coach beim Revierrivalen aus Dortmund abgeschaut hat.

Frage: Herr Magath, wie gut tut denn der Sieg bei Ihrem Ex-Club?

Felix Magath: Der Sieg tut sehr gut, weil ich mit meinem Trainerteam in den vergangenen vier Jahren drei Mal mit dem FC Bayern im Halbfinale des DFB-Pokals zu tun hatte. Und die ersten beiden Male, zuerst mit Wolfsburg und dann mit Schalke, bin ich leider ausgeschieden. Da kann man sich vorstellen, dass ich jetzt überglücklich und froh bin, beim dritten Mal gewonnen und das Pokalfinale erreicht zu haben. Denn das ist ein Riesenereignis, in so einem Finale zu stehen.

Frage: Hat das Spiel der Dortmunder hier in München Einfluss auf Ihre Taktik gehabt?

Magath: Ich bin schon davon ausgegangen, dass die Bayern mit den beiden Kracher-Spielen gegen Inter Mailand und den BVB im Vorfeld nicht so frisch sein würde. Deshalb haben wir auch eine defensivere Aufstellung gewählt und wollten in erster Linie kein Gegentor bekommen. Natürlich haben wir uns auch das Bundesligaspiel angesehen und ein paar Erfahrungen aus dem Spiel nutzen können.

Frage: Kann man sagen, dass Ihre Mannschaft in diesen K.o.-Spielen, in denen es um alles oder nichts geht, besonders stark ist?

Magath: Solche Situationen liegen uns anscheinend mehr als Spiele, in denen wir in der Favoritenrolle sind und eigentlich gewinnen sollten. Bisher haben wir in den Spielen, in denen wir unter Druck standen, immer die besten Leistungen gezeigt.

Frage: Macht der Sieg auch Mut für die Champions-League-Rückspiel gegen Valencia?

Magath: Ja, selbstverständlich. Die Aufgabe gegen Valencia wird nicht einfacher als die Aufgabe gegen die Bayern. Wir haben zwar in Valencia ein gutes Ergebnis herausgeholt, aber der Gegner ist unheimlich stark. Vor allem auswärts. Für uns ist es ganz wichtig zu wissen, dass wir mit dem Pokalfinale schon ein großes Ziel erreicht haben.

Frage: Im Finale geht es nun gegen einen Zweitligisten. Es wird sicherlich von Ihrem Team erwartet, dass es sich gegen Duisburg durchsetzt, oder?

Magath: Das werden viele annehmen, dass es so sein wird. Aber ich war 1987 selbst schon einmal dabei, als sich der HSV gegen die Zweitligamannschaft der Stuttgarter Kickers im Finale 90 Minuten lang ganz, ganz schwer getan hat und nur glücklich kurz vor Ende durch ein Freistoßtor von Manfred Kaltz auf die Siegerstraße gelang. Deshalb weiß ich um die Schwere der Aufgabe. Die Vorzeichen werden sicher umgekehrt sein, zu dem Spiel gegen Bayern, denn wir werden der große Favorit sein, den alle schon als Pokalsieger sehen. Aber so etwas macht ab und zu auch schwere Beine.

Frage: Im Fokus des Spiels stand auch Manuel Neuer...

Magath: Wir sind nicht hergekommen, um über die Zukunft von Manuel Neuer zu reden, sondern wir haben uns auf das Spiel fokussiert. Das Erreichen des Pokal-Finals ist ja erst der erste lohnenswerte Schritt. In der Meisterschaft müssen wir auch zusehen, dass wir eine bessere Rolle spielen als bisher. Und dann haben wir ja auch noch die Champions League. Diese Dinge müssen erst mal abgearbeitet werden.

Aufgezeichnet von Jessica Pulter