München - Die Bayern schossen 95 Prozent ihrer Tore innerhalb des Sechzehners. Die Wolfsburger Linksfüße und die Hoffenheimer Abwehrspieler waren am gefährlichsten. Niemand kassierte prozentual mehr Gegentore durch Abwehrspieler als der BVB. Und Stuttgarts Horror der Schlussviertelstunde lässt sich auch durch Zahlen belegen. bundesliga.de hat alle 967 Tore der Saison 2013/14 auf Ort, Körperteil, Position und Zeitpunkt analysiert.

Von wo fielen die Tore? Will man das beantworten, muss man auch die Spielweise der Teams betrachten. Die Bayern kombinieren sich gerne mal in einen Rausch - nicht erst, seit Pep Guardiola das Zepter in München schwingt. Zu Distanzschüssen ließ sich der Meister nur ganz selten herab, satte 95 Prozent der Treffer erzielte der FCB innerhalb des Sechzehners. Ganz anders der HSV, der mit 27 Prozent das prozentual beste Weitschussteam der Liga war.

Bei den Standards hingegen darf sich Hertha-Coach Jos Luhukay in seinen Trainingsmethoden bestätigt fühlen: 38 Prozent der Berliner Treffer resultierten aus einem ruhenden Ball. Dank Sejad Salihovic, Roberto Firmino & Co. sind die Hoffenheimer übrigens mit 14 Prozent ihrer Tore die Strafstoß-Könige der Liga.

Bei den Gegentoren steht logischerweise der HSV (75) ganz oben. Die Bayern sind in dieser Rangliste das Schlusslicht. Prozentual sind sie aber das schlechteste Team, was das Verhindern von Gegentreffern im eigenen Strafraum angeht. Ganze 91 Prozent der Treffer kassierten Manuel Neuer & Co. aus kurzer Distanz. Das gegenteilige Bild zeigte die Leverkusener Elf, die satte 24 Prozent ihrer Treffer aus der Ferne kassierte. Hier waren die Bayern (9 Prozent) hingegen kaum zu bezwingen.

Bei den Standards hat Markus Weinzierl vom FC Augsburg noch viel Arbeit vor sich - 40 Prozent aller FCA-Gegentore fielen auf diese Art. Anders der HSV, der bei ruhenden Bällen meist sicher stand. Das Problem in Hamburg lag also eindeutig bei den herausgespielten Gegentoren.

Schlüsselt man die Tore nach Position der Schützen auf, fallen als erstes die "1" beziehungsweise "2 Prozent" bei den Mainzer Abwehrspielern ins Auge. Kein Team verließ sich so sehr auf seine Offensivkräfte, was das Toreschießen angeht. Hoffenheims Defensivleute dagegen zeigten mit 18 Prozent der erzielten TSG-Tore den größten Vorwärtsdrang.

Dass die Treffer der Abwehrleute aber allgemein einen relativ geringen Gesamtanteil einnehmen, wird bei den Werten von Mittelfeld und Sturm deutlich. Leverkusens Angreifer und Augsburgs Mittelfeldspieler waren bei ihren Teams prozentual am gefährlichsten, die Bayer-Mittelfeldleute und die FCA-Stürmer dementsprechend harmlos.

Nur 38 Gegentore kassierte der BVB - eine starke Bilanz. Doch gleich in 16 Prozent der Fälle jubelte danach ein gegnerischer Abwehrspieler. Ligaweit ist das der höchste Wert. Braunschweig (5 Prozent) hatte mit den Defensivleuten dagegen prozentual gesehen kaum Probleme.

Anders sieht es beim HSV aus: Der hatte mit Mittelfeldspielern (40 Prozent) wenige Schwierigkeiten, mit Stürmern (51 Prozent) aber umso mehr - wie es auch aus der Tabelle "Gegentore - Ort" mit den meisten HSV-Gegentreffern innerhalb des Strafraums hervorgeht.

Innerhalb des Strafraums - dort fühlen sich Hannovers Angreifer sehr wohl, wie man auch an der Tabelle der Art und Weise erkennt, die die Treffer nach Körperteilen aufsplittet. Die 96er um Mame Diouf haben prozentual (26 Prozent) die meisten Kopfballtore erzielt, Freiburg (5 Prozent) die allerwenigsten. Der SCF setzte dagegen fast ausschließlich (77 Prozent) auf Tore durch Rechtsfüße wie Admir Mehmedi (14 Saisontore).

Ivica Olic (14 Tore), Maximilian Arnold (7) und Ricardo Rodriguez (5) hingegen sind die besten Beispiele für torgefährliche Wolfsburger - und alle sind Linksfüße. Bei keinem Team war die Verteilung der Torschützen so linkslastig wie beim VfL.

Ein paar Treffer fielen natürlich auch mit der Brust, dem Hintern oder per Eigentor - in letzterem taten sich vor allem die Schalker, Frankfurter und Bremer hervor.

Ob man sich auf Linksfüße wie Olic oder Rechtsfüße wie Mehmedi einstellen kann? Fakt ist, dass die Bayern und die Freiburger prozentual vor allem von Linksfüßen Tore eingeschenkt bekamen. Braunschweig und Schalke verhinderten die Tore durch Links- beziehungsweise Rechtsfüßer am effektivsten.

Mit hohen Bällen waren die Bayern dagegen kaum zu bezwingen. Nur neun Prozent ihrer Gegentreffer kassierten Jerome Boateng und seine Defensivkollegen durch Kopfstöße - ganz anders als die Schalker, bei denen der Wert bei 23 Prozent liegt.

Und wann trafen die Teams ins Netz? Die besten Starter waren in dieser Hinsicht die Stuttgarter (24 der Tore in der Anfangsviertelstunde), am schlechtesten kam Braunschweigs Offensive in Schwung.

Nach der Pause und in der Schlussviertelstunde hingegen netzte die Eintracht-Offensive durchaus Bundesliga-tauglich ein, 28 und 34 Prozent der BTSV-Treffer fielen zum Start und zum Ende der zweiten Hälfte. Die VfB-Angreifer hatten ihr Pulver da schon längst verschossen.

Tragischerweise befanden allerdings sich auch Stuttgarts Abwehrleute zum Schluss im Tiefschlaf - 32 Prozent aller VfB-Gegentore fielen ab Minute 76. Das letzte Sechstel der Spiele war wahrlich nicht das der Schwaben.

Ganz schwach präsentierte sich auch Schalke - und zwar zu Beginn. In den ersten 30 Minuten kassierte kein Team prozentual so viele Treffer wie S04. Der ein oder andere Rüffel von Coach Jens Keller zeigte aber scheinbar prompt Wirkung, denn bis zum Pausentee hielt keine Defensive (nur 7 Prozent) besser dicht als die der Knappen.

Christoph Gschoßmann

Hinweis: Aufgrund von Rundungen bei den einzelnen Prozentsätzen entsprechen die addierten Gesamtzahlen teilweise nicht 100 Prozent, sondern 99 bzw. 101.