In Rustenburg feierten die Fans "El Nino" Fernando Torres, in Johannesburg vor allem sich selbst: Zum Auftakt des WM-Testlaufes Confederations Cup in Südafrika schoss sich der 25 Jahre alte Europameister mit dem schnellsten Hattrick in der spanischen Fußball-Geschichte auch in die Herzen der einheimischen Anhänger.

"Torres, Torres"-Rufe schallten beim 5:0 (4:0)-Auftaktsieg der Spanier gegen Neuseeland durch das Royal Bafokeng Stadion in Rustenburg, rote Trikots und Transparente mit dem Namen des EM-Helden bestimmten das Bild. Der Angreifer vom FC Liverpool hatte mit seinem "Dreierpack" in nur zwölf Minuten (6., 14., 17.) für das erste Turnier-Highlight gesorgt.

Torres gibt Lob weiter

"Es ist großartig. Ich fühle mich fast wie zuhause", sagte der England-Legionär, der die Iberer bei der EURO 2008 zum 1: 0-Finaltriumph gegen Deutschland geschossen hatte: "Es ist toll, in einer Mannschaft zu stehen, die Fans auf der ganzen Welt gewinnt." Der blonde Frauenschwarm, dem die Südafrikanerinnen jeden Alters zujubelten, hatte selbst am meisten dazu beigetragen, dass die Spanier ein Jahr vor der ersten WM in Afrika begeistert gefeiert wurden.

"Torres holt das Gewehr raus", beschrieb in der Heimat die Sporttageszeitung "Marca" martialisch die Gala des England-Legionärs. Der Held des Abends gab das Lob von allen Seiten aber an seine Kollegen weiter: "Ich schulde es ihnen, sie haben so hart für mich gearbeitet."

Gute Stimmung trotz schwacher Vorstellung

Bis tief in die Nacht waren unterdessen in Johannesburg die Vuvuzelas zu hören. Die Anhänger von WM-Gastgeber Südafrika ließen sich ihre Stimmung auch vom größtenteils trostlosen Gekicke ihrer Mannschaft zum Auftakt des Konföderationen-Pokals gegen Irak (0:0) nicht vermiesen, sorgten mit ihren langen Plastiktröten und dem damit verbundenen ohrenbetäubenden Lärm für einen Vorgeschmack auf die Stimmung bei der Weltmeisterschaft 2010, wenn "Bafana, Bafana" (Die Jungs) in Aktion treten.

"Bafana patzt, aber Südafrika trifft", titelte am Montag die Zeitung "The Star" und traf damit den Nagel auf den Kopf. Während auch die internationalen Gäste im Ellis Park von Johannesburg von der gelungenen Eröffnungsfeier und der tollen Stimmung unter den 48.837 Zuschauern schwärmten, war die spielerische Armut der Hausherren nicht wegzudiskutieren.

"Uns fehlen einfach die ständigen Vergleiche mit Spitzenmannschaften. Für viele in unserer Mannschaft war dies das erste Spiel auf der großen Fußball-Bühne, auch für mich", sagte der 1,98 m große weiße Abwehrrecke Matthew Booth, der bei jedem Ballkontakt mit langgezogenen "Boooth"-Rufen von den Fans gefeiert wird. Der Mann von den Mamelodi Sundowns nahm sich selbst nicht aus, berichtete von einer großen Nervosität vor dem Anpfiff.

Unfreiwillige Rettungsaktion

Bezeichnend war die größte südafrikanische Chance in der 84. Minute, die sich die Gastgeber quasi selbst zunichte machten. Bernard Parker wehrte einen Kopfball seines Teamkollegen Kagisho Dikgacoi mit dem Hinterteil unfreiwillig auf der Torlinie der Iraker ab. "Ich wäre am liebsten auf der Stelle tot umgefallen", sagte Parker.

Die südafrikanischen Medien gingen am Montag mit "Bafana" eher gnädig um, nicht aber Trainer Joel Santana. Der brasilianische Coach musste sich einige kritische Fragen gefallen lassen, nachdem sein Team trotz einer Vielzahl von Torchancen vor allem in der zweiten Halbzeit nichts Zählbares vorzuweisen hatte.

Trainer wehrt sich gegen Kritik

So wurde Santana vorgeworfen, den vor dem Spiel angeschlagenen Ex-Dortmunder Steven Pienaar (in der 85. Minute eingewechselt) zu spät gebracht zu haben: "Vielleicht haben Sie ja die Nachrichten verfolgt. Pienaar hat vier, fünf Tage nicht trainiert. Er war nicht fit für 90 Minuten", entgegnete der Trainer, der auf 17:3-Torschüsse seiner Schützlinge verwies und dem Asien-Meister destruktives Spiel vorwarf: "Der Gegner hat nie Fußball gespielt, er wollte nur zerstören."

Nächster Kontrahent ist am Mittwoch (20:30 Uhr/live im DSF) in Rustenburg Neuseeland. Tabellenführer Spanien trifft in Mangaung/Bloemfontein (16 Uhr/live im DSF) auf den Irak.