Hamburg - Mit einem Laktattest und einem neuen Trainingszentrum startet der Hamburger SV in die Winter-Vorbereitung 2015. Lediglich drei Spieler steigen verspätet ins Training ein.

Es war noch dunkel, als Trainer Joe Zinnbauer in der Kabine des neuen Trainingszentrums seine erste Ansprache des Jahres 2015 an seine Mannschaft hielt. Um 7.30 Uhr nahm der HSV am Montagmorgen das erste Mal in den neuen Räumlichkeiten am Trainingsgelände zu Füßen der Imtech Arena Platz. 16 Tage nachdem sich die Hamburger mit einem 0:0 beim FC Schalke 04 in die Winterpause verabschiedet hatten, wollte Zinnbauer zu Beginn der Vorbereitung keine Zeit verlieren.

Es gilt, eine Grundlage zu legen, um möglichst schnell ins Tabellenmittelfeld vorzustoßen. Nach der Ansprache fuhr das Team direkt in die Alsterdorfer Leichtathletik-Halle. Dort stand ein Laktattest auf dem Programm. Zinnbauer wollte etwaige konditionelle Defizite seiner Spieler identifizieren, um diese in den kommenden vier Wochen auszumerzen. „Unser nächstes Ziel ist ein Sieg gegen den 1. FC Köln am 31. Januar“, blickte Zinnbauer voraus und kündigte an, seine Spieler auch in den kommenden Tagen um halb acht Uhr morgens versammeln zu wollen – um den Trainingstag mit einem zwanzigminütigen Lauf einzuleiten. Kein Trainingsbaustein soll dem Zufall überlassen werden.

„Ich war immer in Bewegung“

Ein, zwei Tage nur habe Zinnbauer im Kreise seiner Familie abgeschaltet. Zu viel war nach seinen ersten 14 Spielen als Bundesligacoach mit dem Vorstand und seinem Trainer-Team aufzuarbeiten. „Ich war immer in Bewegung“, meinte der 44-Jährige, der sich nebenbei aus medizinischen Gründen noch an der Nase operieren ließ. Nur noch ein kleines Veilchen zeugte am Montag noch von jenem Eingriff, der für Zinnbauer schon lange wieder abgehakt war. Voller Elan verkündete er gegenüber HSV.de die Aufgaben der Vorbereitung: „Wir wollen uns in allen Bereichen verbessern, vor allem natürlich beim Tore machen“, sprach Zinnbauer den geplanten Schwerpunkt der Vorbereitung an. „In den Analysen ist uns aufgefallen, dass wir in der Balleroberung stark sind. Aber nachfolgend im Abschluss muss mehr kommen.“

Zunächst vertraut Zinnbauer da seinen vorhandenen Angreifern Pierre-Michel Lasogga („Er wird Vollgas geben und die Tore schießen, die wir brauchen“) und Artjoms Rudnevs sowie den zurückkehrenden Maximilian Beister, der in den vergangenen Tagen jedoch mit Grippe flach lag und ohnehin noch eine gewisse Zeit braucht: „Wir haben Potenzial und wollen unsere Spieler besser machen.“ Direktor Profifußball Peter Knäbel schlug in die gleiche Kerbe, wiederholte aber gleichzeitig seine vor der Winterpause getätigte Aussage: „Wir tun alles, um unseren vorhandenen Kader zu stärken. Aber dann gucken wir auch, welche wirtschaftlichen Gegebenheiten vorhanden sind, um den Kader zu optimieren, also Spieler zu holen oder abzugeben.“ Bis zum 2. Februar ist das Winter-Transferfenster offen, das Knäbel als „generell sehr diffizil“ bewertet, jedoch auch meint: „Wir brauchen mehr Spieler, die ein 1:0 erzielen können.“

„Die Jungs freuen sich auf die Aufgabe“

In jedem Fall sieht Knäbel einen Vorteil darin, dass Trainer Zinnbauer nun erstmals eine komplette Vorbereitung mit der Mannschaft bestreiten kann. „Es geht zunächst darum, einen guten Alltag zu finden. Und dass alle Spieler mit dem Trainer gemeinsam die Vorbereitung absolvieren, das hat uns in dieser Form gefehlt. Spieler wie Lewis Holtby kamen erst sehr spät dazu.“ Heute Morgen waren alle da, auch der Brasilianer Cléber Reis, was sein Trainer augenzwinkernd kommentierte: „Das fand ich gut. Bei Brasilianern weiß man ja nie.“ Lediglich Valon Behrami, der sich in der Pause am linken Knie einen freien Gelenkkörper operativ entfernen ließ, sowie Heiko Westermann (Reha bis zum Wochenende) und der bereits erwähnte Maxi Beister steigen noch nicht voll ins Training ein, sollen aber möglichst mit nach Dubai reisen. 

Am Sonntag geht es ins Emirat, elf Tage wird Zinnbauer seine Mannschaft bei sommerlichen Temperaturen auf die Rückrunde vorbereiten. Mitreisen werden auch der neue Chef-Physiotherapeut Daniel Uwe Schellhammer (ehemals Greuther Fürth) und Daniel Müssig, der das Athletik-Trainer-Team des HSV verstärkt und primär mit der U23 arbeiten wird. Bis die Maschine am Sonntag abhebt, hat Trainer Zinnbauer neben den Läufen pro Tag zwei Einheiten auf dem Platz angesetzt. „Die Jungs freuen sich auf die Aufgabe“, so Zinnbauer.