Nürnberg - Nach dem taktisch hervorragend herausgespielten Remis in Nürnberg geben die Mainzer Verantwortlichen Einblicke in die weitere Saisonplanung: Europa soll es sein.

Nach der Partie klappten die Verantwortlichen von Mainz 05 das Visier hoch. Man habe vor, sagte Trainer Thomas Tuchel, "die Mannschaft zu bleiben, die als einzige die ganze Saison unter den ersten fünf war. Wir würden jetzt sehr gerne das i-Tüpfelchen auf diese Spielzeit setzen." Und Torhüter Christian Wetklo ergänzte: "Es ist doch klar, dass wir den Tabellenplatz halten wollen. Man sollte sich immer höhere Ziele setzen." Das Spiel gegen Nürnberg sei da eine gewisse Motivationshilfe: "Denen ist gegen unsere Spielweise nicht viel eingefallen."

Geschickte Zurückhaltung

Monatelang zuvor hatten die Mainzer Verantwortlichen bekanntlich nur äußerst defensiv über die eigenen Ambitionen gesprochen, hatten bestritten, dass sie insgeheim wohl schon lange den Startplatz im internationalen Wettbewerb als Ziel ausgegeben hatten. Diese verbale Zurückhaltung war alles andere als unklug. Schließlich hätte der Underdog aus Rheinhessen sonst wohl eine Erwartungshaltung geweckt, die schnell eine ungute Eigendynamik entfaltet hätte. Platz 6 wäre dann plötzlich als Scheitern, vielleicht sogar als Versagen empfunden worden.

Dass sie - egal, wie die kommenden drei Spiele laufen, eine fantastische Serie gespielt haben, betonten die Mainzer Verantwortlichen dann auch nach dem 0:0 in Nürnberg, einem Ergebnis, das den Zwei-Punkte-Abstand auf den ärgsten Konkurrenten erst mal zementiert hat. Mainz 05 ist im Soll. Mehr als das: Die Perspektiven sind hervorragend. Dass es jetzt um nicht mehr und nicht weniger geht als um die Europa League, wurde in den Katakomben des easyCredit-Stadion deshalb auch bereitwillig eingestanden.

"Hochzufrieden mit dem Spiel"

Den Anfang hatte lange vor Tuchels Worten Manager Christian Heidel gemacht, der bester Laune vor die Journalisten trat und bekundete, er sei "hochzufrieden mit dem Spiel und dem Ergebnis. Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben - außer, dass wir Nadelstiche setzen und selbst ein Tor schießen wollten." Ansonsten, so Heidel, sehe er dem Saisonfinale optimistisch entgegen: "Wir wollen nicht bei 49 Punkten aufhören und können jetzt mit einem sehr angenehmen Druck weitermachen."

Das können die Rheinhessen bereits am kommenden Samstag im Derby gegen Eintracht Frankfurt. Danach gibt man auf Schalke seine Visitenkarte ab, ehe am 34. Spieltag St. Pauli im Bruchwegstadion antritt. Für Spannung dürfte also gesorgt sein im Fernduell mit dem 1. FC Nürnberg.

"Nüchtern nach vorne gespielt"

Zumal die Mainzer im zum Schicksalsspiel stilisierten Match in Nürnberg taktisch ausgesprochen clever agiert hatten. Nürnbergs Spieler gaben jedenfalls bereitwillig zu, dass sie den ansonsten oft so forsch agierenden Gegner "nicht so defensiv erwartet" hatten (Jens Hegeler).

Den zu Grunde liegenden System- und Mentalitätswechsel wollte Thomas Tuchel dann auch erläutern: "Wir haben sehr nüchtern statt ungezügelt nach vorne gespielt", stellte Tuchel in der Pessekonferenz zufrieden fest. "Das war eine Entwicklung von einem eher ungestümen Spiel zu mehr Rationalität." Die werden die Mainzer auch in den kommenden Wochen gebrauchen können. Schließlich haben sie sich viel vorgenommen.

Aus Nürnberg berichtet Christoph Ruf