Für den Besucher des niederländischen Städtchens Alkmaar ist eine Stippvisite auf dem Käsemarkt Pflicht.

Dort rollen oder tragen schon seit 1622 weißgewandete Männer in alter Tradition riesige Käselaibe zusammen, um dieselben unter wildem Gefeilsche zu verkaufen.

Ajax geht bei der PSV unter

Auch am Sonntag kam es dort zu einem Massenauflauf, doch diesmal trugen die Männer Rot - und feierten: Der ortsansässige AZ Alkmaar unter Coach Louis van Gaal hat die Vorherrschaft der großen Drei gebrochen und ist erstmals seit 1981 Fußball-Meister.

Zwar verlor AZ am Samstag beim 1:2 gegen Vitesse Arnheim nach 28 Spielen ohne Niederlage wieder. Doch 24 Stunden später ging Ajax Amsterdam 2:6 bei der PSV Eindhoven unter, und Alkmaar stand mit elf Punkten Vorsprung auf Twente Enschede drei Spieltage vor Saisonende als Titelträger fest.

"Erfolg eines echten Teams"

Erstmals seit 28 Jahren heißt der Meister der Ehrendivision damit nicht Ajax, PSV oder Feyenoord Rotterdam, erst zum zweiten Mal seit 1965 geht die Schale nicht an die großen Drei.

Während die meisten Fans auf dem Kaasmarkt feierten, pilgerten Hunderte zum Stadion. Dort hatten van Gaal und Co. die Amsterdamer Pleite im TV verfolgt, um sich anschließend auf dem Balkon bejubeln zu lassen. "Ich bin stolz auf meine Spieler, das ist der Erfolg eines echten Teams", sagte der 57 Jahre alte Coach, der mit Ajax dreimal Meister war und 1992 den UEFA-Cup sowie 1995 die Champions League gewann.

Van Gaals Pläne

Nach zwei Meisterschaften mit dem FC Barcelona hatte van Gaal zu Beginn des neuen Jahrtausends den Ruf eines Erfolgscoaches, doch dann scheiterte er mit den Niederlanden in der Qualifikation für die WM 2002. Ein weiteres Engagement bei Barca endete vorzeitig und van Gaal galt bald als unvermittelbarer Eigenbrötler. Das änderte sich erst ab 2005, als er zu Alkmaar ging. Schon 2006 wurde er mit AZ Zweiter, 2007 verpasste er den Titel am letzten Spieltag.

Geldgeber Dirk Scheringa, ein ehemaliger Polizist und Bankier, der stets in selbstgestrickten Wollsocken auftritt, will van Gaal "zum Alex Ferguson von Alkmaar" machen. Doch der Trainer hat andere Pläne. "Ich habe die Ambition, Nationaltrainer eines attraktiven Landes zu werden. Und ich kann mir ein Engagement als Tainer bei Clubs wie Real Madrid und Bayern München gut vorstellen", hat er unlängst gesagt. Sein Vertrag mit Ausstiegsklausel läuft bis 2010.

Weg vom 4-3-3

Mit dem Coup mit Alkmaar hat er sein Können und auch seine Wandelfähigkeit unter Beweis gestellt. Nach zwei Pleiten zum Auftakt verabschiedete er sich von der reinen holländischen Fußball-Lehre des 4-3-3, mit zwei defensiven Mittelfeldspielern in einem 4-4-2-System kam die Wende.

Echte Stars neben van Gaal fehlen im AZ-Team. Stützen sind die Auswahlspieler Kew Jaliens in der Abwehr, Demy de Zeeuw und Stijn Schaars im Mittelfeld, sowie Mounir El Hamdaoui (22 Tore) und der Belgier Moussa Dembele (acht) im Angriff. De Zeeuw steht ebenso wie Dembele beim Hamburger SV auf dem Wunschzettel, und auch Werder Bremen soll sich wie einige englische Klubs um Dembele bemühen.

Mäzen Scheringa hat angekündigt, die Mannschaft zusammenhalten zu wollen, van Gaal will er am liebsten bis 2016 an die Heimatstadt von Entertainer Rudi Carell binden. "Wenn wir alle Feierlichkeiten hinter uns haben, werde ich mit Louis darüber sprechen", sagte der Vereinschef.