Augsburg - Sein Name hallte noch lange nach Schlusspfiff durch das Stadion des FC Augsburg. Mit "Manninger, Manninger!"-Sprechchören feierten die Fans ihren Torhüter. Dank seiner starken Paraden gegen Roel Brouwers oder auch Andre Hahn durfte sich Alexander Manninger beim 2:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach zu Recht als Matchwinner feiern fühlen.

Im Interview schwärmt der 37-jährige Österreicher vom Charakter seines Teams, bilanziert das überaus erfolgreiche Jahr des FC Augsburg und verrät, wie Weihnachten im Hause Manninger abläuft.

Frage:Alexander Manninger, zum Abschluss des Jahres hat der FC Augsburg noch mal ein wahres Spektakel veranstaltet. Wie haben Sie die 90 Minuten erlebt?

Alexander Manninger: Die ersten zwei Minuten waren nicht gut. Nach drei Minuten mussten wir anfangen, das Resultat wieder zurecht zu rücken. Als Mannschaft ist uns das gelungen, wofür wir das ganze Jahr standen: Hinfallen, aber wieder aufstehen! Das 0:1 zu Beginn war ein Schlag ins Gesicht. Aber es steckt so viel Charakter und Willen in der Mannschaft und es macht richtig Spaß, ein Teil dieser Mannschaft zu sein.

"Jeder ist für jeden da"

Frage: Sie sind seit 1994 Profi, haben unter anderem für den FC Arsenal, den AC Florenz und Juventus Turin gespielt. Entsprechend viel haben Sie in Ihrer Lauftbahn erlebt. Ist der FC Augsburg die Mannschaft mit dem besten Charakter?

Manninger: Jeder weiß, um was es geht. Es nimmt sich keiner raus und glaubt, er sei etwas Besseres. Das macht im heutigen Fußball schon sehr viel aus. Jeder hängt sich hundertprozentig rein. Einer bessert den Fehler vom Mitspieler aus. So gelingt es, sich nach einem Rückstand nach zwei Minuten aufzubäumen und zu sagen: Okay, wir haben noch 88 Minuten, lasst uns etwas daraus machen! Und das ist uns heute wieder super gelungen.

Frage: Ist der FC Augsburg die Mannschaft des Jahres, weil diese Leistung niemand erwartet hatte?

Manninger: Wir sind eine kleine Mannschaft, unser Kader ist nicht allzu groß. Aber jeder ist für jeden da. Wir hatten in den letzten Wochen mit Ausfällen zu kämpfen, aber es gibt einfach jeder hundert Prozent. Das fängt bei den Verantwortlichen im Büro an und hört bei uns auf dem Feld auf. Es ist schön, wenn man gemeinschaftlich als Stadt und als Verein solche kleinen, aber wichtigen Erfolge feiert.

Frage: Der FC Augsburg überwintert erstmals in seiner Bundesliga-Geschichte auf einem Europapokalplatz. Was geht Ihnen beim Blick auf die Tabelle durch den Kopf?

Manninger: Die Tabelle ist das Eine, aber die Punkte sind das Andere. Jeder einzelne zählt sehr viel für uns. Auf das schauen wir. Ich glaube, das waren die besten 17 Spiele der Vereinsgeschichte. Auf diesem halben Jahr können wir aufbauen. Wir werden jetzt ein paar Tage etwas zur Ruhe kommen. Aber im Januar beginnt die Vorbereitung und Ende Januar warten die nächsten Spiele. Da heißt es wieder, hundert Prozent zu geben. Da wird sicher auch das eine oder andere Spiel, bei dem wir in Rückstand geraten werden, dabei sein. Dann müssen wir uns an solche Spiele wie gegen Gladbach erinnern, um zu wissen, dass es geht.

Frage: Wohin führt der Weg des FC Augsburg?

Manninger: Augsburg ist eine kleine Stadt und ein kleiner Punkt im Fußball. Aber mit solchen Spielen wird dieser Punkt größer. Unser Ziel ist es, Zeichen zu setzen. Wir haben jetzt drei Jahre Bundesliga hinter uns und jetzt ist erst einmal Winterpause. Danach sind noch mal 17 Spiele, dann wird der Strich gezogen, zusammengezählt und dann schauen wir zu was es reicht.

Frage: Wie feiern Sie Weihnachten?

Manninger: Es geht ein bisschen ruhiger zu. Am 24. gibt es Würstlsuppe, ein paar Kekse, dann laufen wir zwei Mal um den Christbaum und dann ist auch schon wieder alles gegessen (lacht).

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz