Frankfurt - Mit zehn Treffern führt Alexander Meier von Eintracht Frankfurt die Torjägerliste der Bundesliga an. Dabei spielte er zu Beginn der Saison gar nicht regelmäßig. Im Interview spricht er über diese Phase, seine Tore und Sturmpartner Haris Seferovic.

Frage: Zehn Tore nach dem vierzehnten Spieltag, in der Torschützenliste liegen sie alleine vorn. Denken sie jetzt manchmal an die Torjägerkanone?

Alex Meier: Nein, wirklich nicht. Das ist und war nie ein Thema für mich. Ich bin ziemlich sicher, dass ein Spieler von Bayern München am Ende der Saison vorne steht.

"Ich übe Innenseitschüsse Tag für Tag"

Frage: Warum so bescheiden?

Meier: Weil ich aus Erfahrung weiß, wie schnell es im Fußball bergauf aber auch wieder bergab gehen kann. Im Moment spielen wir gut mit der Eintracht und ich habe einen Lauf. Aber das muss ja nicht ewig so bleiben.

Frage: Sie erzielen die meisten ihrer Treffer mit der Innenseite. Können sie nicht mit dem Spann schießen?

Meier: Doch, doch, das kann ich auch. Aber ich habe schon als Kind immer wieder geübt mit der Innenseite zu schießen, da treffe ich präziser. Ich übe es auch jetzt noch Tag für Tag. Ich denke, das kann ich ganz gut.

Frage: Ihr Sturmpartner Haris Seferovic hat auch schon seinen fünften Treffer erzielt. Warum passt das so gut zusammen?

Meier: Wir verstehen uns gut und lernen uns Woche für Woche besser kennen. Das passt tatsächlich gut zusammen.

Frage: Charakterisieren sie doch mal das Frankfurter Tore-Duo Meier/Seferovic?

Meier: Na ja, ich bin der Normale und er ist der Verrückte (lacht).

Frage: Wie ist das zu verstehen?

Meier: Haris ist ein ganzes Stück jünger (22/ die Red.), schon eine andere Spielergeneration. Das merkt man in der Kabine, aber auch auf den Platz. Ich mache eben die normalen Sachen, vielleicht auch die normalen Tore. Haris macht andere Dinge, schauen sie sich nur seine letzten beiden Tore an. Gegen Dortmund hatte er das Näschen und ist einfach weitergelaufen, als der Kopfball von Ginter zum eigenen Torwart nicht geklappt hat. Und gegen Bremen hat er im Liegen getroffen. Er postet auch wie wild in den sozialen Netzwerken und hat auch mit seiner T-Shirt-Aktion zugunsten von Tugce nach dem Tor gegen Dortmund für viel Aufsehen gesorgt. Da ist er schon anders als ich.

"Durch den Abstieg gab es einen Stimmungswandel"

Frage: Zurück zu ihnen. Die Fans ergänzen ihren Namen immer mit "Fußball-Gott". Hat das für sie eine Bedeutung?

Meier: Ich freue mich darüber, weil es eine ganz besondere Art der Anerkennung ist.

Frage: Sie hatten diese Anerkennung nicht immer in ihren zehn Jahren bei der Eintracht. Am Anfang gab es sogar häufig Pfiffe, obwohl sie auch in ihren ersten Jahren schon Tore geschossen haben. Wie erklären sie sich diesen Stimmungswechsel?

Meier: Das ist kurioserweise mit dem Abstieg gekommen. Ich war 2011 der Meinung, dass wir Spieler es dem Verein eingebrockt haben und mithelfen sollten, es wieder gut zu machen. Deshalb bin ich geblieben, das hat die Fans wohl überzeugt, dass ich ein Eintrachtler durch und durch bin. Seitdem ist es aufwärts gegangen mit der Beziehung zwischen den Fans und mir.

Frage: Im Klub waren sie schon immer unumstritten, haben im Frühjahr ihren Vertrag um drei weitere Jahre verlängert. Beenden sie ihre Karriere bei der Eintracht?

Meier: Das kann gut sein, mir gefällt es einfach gut in Frankfurt, ich fühle mich wohl in dieser Stadt und diesem Verein. Und ich habe nicht vergessen, dass gerade ein Mann wie der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen auch in schweren Tagen immer zu mir gestanden hat.

Frage: Am Anfang der Saison ist es nicht so gut gelaufen, sie haben sogar zu Beginn mal auf der Bank gesessen. Was war da los?

Meier: Der Trainer war der Meinung, ich sei noch nicht so hundertprozentig fit. Ich habe das natürlich anders gesehen, aber es stimmt, dass ich gleich zu Beginn ein paar Knieprobleme hatte. Inzwischen läuft alles gut, ich spiele und der Trainer ist zufrieden mit mir.

Frage: Was ist möglich mit der Eintracht nach dem jüngsten Höhenflug mit drei Siegen in Folge?

Meier: Das ist die schwierigste Frage. Die Bayern kann niemand schlagen, auch Dortmund nicht, wenn die in Form sind. Aber bei allen anderen kann jeder im Grunde gegen jeden gewinnen. Das gilt auch für uns und deshalb ist die aktuelle Situation nur eine Momentaufnahme. Wir haben uns aber als Mannschaft gefunden und sind im Moment sicher sehr schwer zu schlagen. Wir sollten nicht über Tabellenplätze nachdenken, sondern uns einfach immer aufs nächste Spiel konzentrieren.

Aufgezeichnet von Peppi Schmitt