Die große Euphorie beim amtierenden Deutschen Meister VfL Wolfsburg ist verflogen, nach der 0:3-Pleite bei Bayern München schlug Marcel Schäfer Alarm.

"So kann man als Deutscher Meister nicht auftreten. Die erste Hälfte haben wir ohne Gegenwehr abgegeben - das war schon gegen Hamburg so", schimpfte der Verteidiger: "Das müssen wir abstellen, sonst haben wir keine Chance."

Ungewohntes Gefühl von zwei Pleiten in Folge

Dabei schien es nach zwei Siegen zum Auftakt zunächst so, als würden die "Wölfe" nahtlos an die starken Leistungen der Titelsaison anknüpfen können. Doch das 2:4 gegen den Hamburger SV und die Niederlage am Samstag beim Rekordmeister bescherten dem VfL einen ersten Dämpfer.

Zwei Pleiten in Folge hatten die Niedersachsen zuvor schon lange nicht mehr hinnehmen müssen. An den Spieltagen 28 und 29 der Saison 2007/98 setzte es zwei Mal ein 0:1 - in Nürnberg und gegen Bochum.

"Wir hatten ein schweres Startprogramm und haben gegen drei Gegner gespielt, die oben mitmischen. Wir haben davon zwei verloren - da hatten wir uns schon mehr erhofft", sagte VfL-Spielmacher Zvjezdan Misimovic nach der Partie in der Allianz Arena.

Nur drei gute Chancen

Vor vier Monaten hatten Misimovic und Co. daheim den FC Bayern noch mit 5:1 blamiert, jetzt wurde man selbst vorgeführt. Viel zu spät wachten die Gäste nach einer "völlig verschlafenen ersten Hälfte" (Misimovic) auf.

Edin Dzeko scheiterte im zweiten Durchgang am super reagierenden Bayern-Keeper Jörg Butt (60.) und traf nach 68 Minuten den Pfosten, bei einem Kopfball von Grafite rettete Philipp Lahm (74.) zudem auf der Linie - insgesamt war das einfach zu wenig für einen Champion.

Schon gegen den HSV haderte man nach dem Spiel mit dem schläfrigen Beginn und zwei Gegentoren in den ersten sieben Minuten.

Veh: "Das war ängstlich"

Mit der reinen Tatsache, in München zu verlieren, haben die Wolfsburger durchaus ihre Erfahrungen: Der VfL konnte noch nie bei den Bayern gewinnen - 13 Mal sind sie jetzt angetreten und haben zwölf Niederlagen kassiert (1 Remis). Vielmehr ärgerte die Gäste das "Wie" der neuerlichen Pleite.

"Wenn man so beim FC Bayern antritt, hat man da nichts zu suchen", meinte Misimovic selbstkritisch. Auch wenn Bayern-Trainer Louis van Gaal die Gäste brav als "starke Mannschaft" lobte, kommt auf VfL-Coach Armin Veh viel Arbeit zu. Geschafft sah der Nachfolger von Meistertrainer Felix Magath aus - und sehr nachdenklich. "Das war ängstlich und kein Fußball, wie ich ihn mir vorstelle", sagte Veh.

Zaccardo geht von Bord

Man habe auf Konter spielen wollen, sei aber am Ende selbst in die Konter der Bayern gelaufen. "Das war wirklich blöd", so der Coach, der froh ist, dass jetzt erstmal die Länderspiel-Pause folgt und viele Spieler frische Luft zum Nachdenken bekommen.

Nicht mehr zurückkehren wird allerdings der italienische Weltmeister Cristiano Zaccardo, der zum italienischen Serie-A-Aufsteiger FC Parma wechselt. "Das kann ich bestätigen", sagte Veh.

Der deutsche Nationalspieler Schäfer forderte unterdessen eine deutliche Steigerung des vorhandenen Personals: "Das müssen wir knallhart auswerten und die richtigen Schlüsse ziehen."

bundesliga.de blickt in die Datenbank und präsentiert fünf Gründe für die Schwächephase des VfL Wolfsburg:

  • 7 Gegentore in 2 Spielen mussten die "Wölfe" ebenfalls zuletzt in der Spielzeit 2007/08 hinnehmen, als sie am 12. und 13. Spieltag in Bochum (3:5) und zuhause gegen Bayer Leverkusen (1:2) verloren.

  • Schläfrig bis zur Pause: In der laufenden Saison konnte der Meister noch kein Tor in der 1. Halbzeit erzielen.

  • Die Veh-Elf lag in den vergangenen 3 Partien jeweils mit 0:1 in Rückstand - ligaweit am häufigsten und konnte dabei nur in Köln gewinnen (3:1).

  • Schwach in der Luft: Nur 35,7 Prozent der Luftzweikämpfe am Ball konnte der VfL für sich entscheiden - nur der "Club" aus Nürnberg weniger (33,3 Prozent).

  • Grafite ist seit 278 Minuten ohne Tor. In der vergangenen Saison war er nie 3 Spiele am Stück ohne Torerfolg.