München - Kurz vor der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Südafrika lieferten sich Manuel Neuer vom FC Schalke 04 und Bayer Leverkusens Rene Adler ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Torhüterposten in der deutschen Nationalmannschaft. Leichte Vorteile lagen sogar bei Adler.

Gut ein Jahr später ist alles entschieden. Neuer ist drin, Adler ist draußen. Der Leverkusener hatte sich kurz vor der Weltmeisterschaft einen Rippenbruch zugezogen und war gezwungen, das Turnier abzusagen. Nach einem sehr guten Auftritt in Südafrika, einer überragenden Saison und der Bekanntgabe seines Wechsels zum FC Bayern spricht jeder nur noch über Manuel Neuer.

Erster großer Dämpfer

Obwohl die damalige Absage eine Sache des Müssens und nicht des Wollens war, gibt Adler gegenüber der "Zeit Online" zu: "Natürlich würde ich lügen, wenn ich sagen würde, es hat mir nichts ausgemacht." Aber laut Adler "sind das Gedanken, die nichts bringen, die auch nicht leistungsfördernd sind. Ich habe die neue Situation zu akzeptieren. Das habe ich jetzt geschafft."

Für den jungen Torhüter, der am 25. Februar 2007 sein Bundesligadebüt feierte und bereits 2008 erstmals das Tor der deutschen Nationalmannschaft hütete, war es der erste große Dämpfer seiner Karriere: "Das ist nicht immer ganz einfach, das gebe ich zu, gerade für einen, der mal die Nummer 1 war, dessen Karriere bis dahin immer nur steil nach oben ging, und es kaum Widerstände zu überwinden gab. Jetzt gab es einen Rückschlag und ich habe gelernt, damit umzugehen."

Neuer auf der Linie besser

Die abgelaufene Saison lässt aber eher den Schluss zu, dass Neuer durch die gelungene Weltmeisterschaft zu Höchstleistungen gepuscht wurde, während Adler von seiner einstigen Sicherheit und Stabilität ein ganzes Stück entfernt scheint - auch wenn seine Werte in der abgelaufenen Saison sich eigentlich sehen lassen können.

Mit elf Spielen zu Null hat Adler ebenso viele Partien auf dem Konto wie Manuel Neuer. Mit 41 Gegentoren hat der Leverkusener zudem drei Treffer weniger kassiert, auch wenn Neuer zwei Saisonspiele mehr absolvierte. Bei den Paraden war dann aber der Neu-Münchner Neuer klar im Vorteil. 72 Prozent parierte er, bei Adler waren es nur 66 Prozent.

"Kein Typ Kahn und kein Typ Lehmann"

Nach der Weltmeisterschaft hatte der gebürtige Leipziger auch schon eine ganz eigene, faire Art, mit seiner "Niederlage" umzugehen. Adler gab öffentlich zu, dass Neuer die Nummer 1 sei und sich einen Vorsprung erarbeitet habe. Adler selbst macht das nicht an seiner Person, sondern an dem generellen Generationenwechsel fest:

"Es gibt nicht mehr diese Alphatiere im Team. Es hat sich etwas gewandelt im Miteinander. Natürlich ist das auch typbedingt. Ich bin kein Typ Kahn und kein Typ Lehmann, ich bin ein Typ Adler. Ich weiß, wie ich leben und wie ich einen Konkurrenzkampf führen möchte, der gewinnbringend für die Mannschaft ist."

Neue Saison, neues Glück

Das ist aber keinesfalls gleichbedeutend damit, dass sich Adler mit der Situation als Nummer 2 abfindet, denn "jeder, der mich kennt, weiß, wie ehrgeizig ich bin und dass ich auf meiner Position versuche, für das Team alles herauszuholen. Ich habe ganz nüchtern die Situation zu analysieren, die nichts damit zu tun hat, dass ich mich hier kampflos ergebe. Ganz und gar nicht."

Warum sollte er auch? Im schnelllebigen Fußballgeschäft kann sich das Blatt innerhalb einer Saison wenden, das hat die jüngste Vergangenheit gezeigt. Nun gilt für Adler: Neue Saison, neues Glück.

David Schmidt


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