Nach dem ersten Saisondrittel ist Werder Bremen mit einer Platzierung im Bundesliga-Mittelfeld (Rang 10) und dem letzten Platz in der Champions-League-Gruppe B Einiges schuldig geblieben.

Klaus Allofs, Bremens Geschäftsführer Profifußball, sprach zuletzt von "einer sehr schwierigen Phase", die Öffentlichkeit von einer Krise.

Im Interview mit bundesliga.de äußert sich Marco Bode über die Situation bei den Grün-Weißen. "Diese Krise vielleicht größer ist als alle bisherigen", sagt der 39-Jährige, der alle seine 13 Bundesliga-Spielzeiten an der Weser verbrachte.

Dennoch glaubt Werder-Insider Bode vor allem dank der sachlichen Arbeit von Trainer Thomas Schaaf an den Aufschwung seines Ex-Clubs und traut dem Team letztlich ein positives Abschneiden zu.

bundesliga.de: Herr Bode, nach zwölf Spieltagen steht Werder Bremen im Mittelfeld der Tabelle auf Platz 10. Überrascht Sie das bisherige Abschneiden des Clubs?

Marco Bode: Natürlich bin ich auch ein Stück weit überrascht von der Entwicklung, weil Werder es in den letzten Jahren trotz mancher Probleme immer wieder geschafft hat, sehr erfolgreich zu spielen. Unter den in Bremen herrschenden Bedingungen hat sich das Team mit fünf Champions-League-Teilnahmen in Folge in der Spitzer der Bundesliga fest etabliert. Dieses Jahr ist aus Werder-Sicht bisher kein glückliches.

bundesliga.de: Worin sehen Sie die Gründe für den "Holperstart" mit lediglich vier Siegen, fünf Unentschieden und drei Niederlagen?

Bode: Viele haben diesen Einbruch vielleicht schon im vergangenen Jahr erwartet, weil auch da schon viele Verletzungssorgen an der Tagesordnung waren. Und jetzt ist der Fall eingetreten, dass Bremen in eine Krise gerutscht ist. Sicherlich spielen Spätfolgen von Verletzungen eine Rolle, dass einige nicht in Form sind, aber das ist nicht die einzige Ursache. Werder hat ein sehr junges Team, Spieler wie Mesut Özil oder Sebastian Prödl stehen schon sehr in der Verantwortung. In der ersten Phase der Saison hat vor allem Özil das sehr gut umgesetzt, aber bei so einem jungen Spieler zieht das in Verbindung mit den englischen Wochen körperliche Tiefen nach sich.

bundesliga.de: Haben gerade die glücklosen Auftritte in der "Königsklasse" und zuletzt der große Dämpfer durch das 0:3 gegen Panathinaikos Athen einen großen Anteil an der Misere?

Bode: Unabhängig von den Ergebnissen stellt die Champions League für Werder eine Belastung dar. Es ist sicher kein Zufall, dass eine Mannschaft wie Leverkusen, die von der Qualität her nicht höher zu bewerten ist, davon profitiert, zwischendurch Ruhepausen zu haben, die Werder eben nicht hat. Und sicher hatte man die Hoffnung, sich in der Gruppe, die sich letztendlich als nicht so leicht herausstellt, durchzusetzen. Die Misserfolge tragen dann dazu bei, dass das Selbstvertrauen auch in der Liga fehlt und eine gewisse Unsicherheit eintritt. Allerdings hat Werder unabhängig davon in diesem Jahr in der Liga nicht die notwendige Konstanz hinbekommen. Es ist eine Mischung aus positiven und negativen Ausreißern.

bundesliga.de: In Bremen bleibt es trotz dieser Krise noch relativ ruhig. Sie kennen Thomas Schaaf auch aus Ihrer gemeinsamen Karriere sehr gut. Wie tritt er in einer solchen Phase der Mannschaft gegenüber? Muss er etwas verändern?

Bode: Zunächst einmal ist es egal, ob man das das Ganze Krise nennt oder Ergebniskrise oder Tief. Thomas Schaaf wird sachlich in der täglichen Arbeit auf dem Trainingplatz an den Problemen arbeiten. Diese inhaltliche Arbeit ist die richtige Herangehensweise. Er ist jetzt ja quasi im zehnten Jahr Trainer bei Werder, da muss er authentisch und sich treu bleiben. Er hat die Mannschaft immer wieder aus Tiefen herausgeholt, wobei diese Krise vielleicht größer ist als alle bisherigen. An seiner grundsätzlichen Strategie, mit solch schwierigen Phasen umzugehen, wird er nichts ändern. Aktionismus ist fehl am Platze. Außerdem darf er nicht an dem Grundvertrauen in die Mannschaft zweifeln, denn der Kader ist keineswegs schlechter als im vergangenen Jahr. Es besteht also berechtigte Hoffnung, dass man aus der Lage wieder rauskommt.

bundesliga.de: Wann rechnen Sie mit einem Bremer Angriff auf die vorderen Tabellenplätze?

Bode: Es kann auf der einen Seite sehr schnell nach oben gehen, die Tabelle bietet zumindest die Möglichkeiten dazu. Mit zwei oder drei Siegen in Folge kann man schnell eine Trendwende hinbekommen, aber dafür gibt es natürlich keine Garantie. Denn andererseits wird die Belastung für Werder bis Weihnachten mit zwei Champions-League-Spielen so hoch bleiben. Es besteht also auch noch die Gefahr, dass die bisherige Situation noch so anhält.

bundesliga.de: Wo sehen Sie die Grün-Weißen am 34. Spieltag?

Bode: Ich gehe fest davon aus, dass Werder die Situation bis zum Saisonende in den Griff bekommt und sich für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert. Ob es für die erneute Champions-League-Teilnahme reicht, ist im Moment eher optimistisch gedacht, aber ganz ausschließen will ich es noch nicht.

Das Gespräch führte Tim Tonner