Bremen - Kabinettstückchen, jede Menge Tore und Tränen der Rührung: Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Ailton hat sich mit einem rauschenden Fußball-Fest von der großen Bühne verabschiedet.

Als zum letzten Mal die langgezogenen "Ailton"-Sprechchöre durch das Weserstadion hallten, schossen dem emotionalen "Kugelblitz" die Tränen in die Augen. Der Publikumsliebling und frühere Bundesliga-Torschützenkönig sackte auf die Knie und küsste den Rasen, auf dem er das Bremer Publikum mit seinen zahlreichen Tore so begeistert hatte.

Die Double-Sieger brillieren

Zehn Jahre nach seinem letzten Auftritt für Werder nahm der Brasilianer endgültig Abschied von der großen Bühne. "Dieser Klub und diese Mannschaft bleiben 100 Jahre in meinem Herzen", sagte Ailton gerührt am Ende der Fußball-Party, die über 40.000 Fans und viele Weggefährten mit dem inzwischen 41-Jährigen feierten: "Jetzt muss ich nach Hause zu meiner Familie, aber ich komme wieder. Danke."

Zuvor hatte das Bremer Publikum richtig was geboten bekommen: Tim Wiese testete seinen 115 Kilogramm schweren Muskelbody auf seine Gelenkigkeit, Mario Basler nippte vor einer seiner berüchtigten Ecken am lauwarmen Bier, und Thomas Schaaf dirigierte sein Team wie jahrelang gewohnt im grün-weißen Dress. Beim 8:4 von Werders legendärer Double-Sieger-Mannschaft von 2004 gegen die "Ailton All-Stars" fühlten sich die Fans in Werders erfolgreichste Zeit zurückversetzt.

Ailton traf bei seinem Abschiedsspiel dreimal und erinnerte dabei - zumindest ansatzweise - an die Saison seines Lebens. Was der Kugelblitz aus Südamerika und der hanseatische Traditionsklub in der Spielzeit 2003/2004 auch anstellten, es gelang nahezu alles. Werder holte die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal, Ailton wurde Torschützenkönig und - als erster Ausländer überhaupt - Fußballer des Jahres in Deutschland.

14 Clubs in neun Jahren

Nach jener Spielzeit verließ der exzentrische Brasilianer sein behütetes Umfeld in Bremen. Anschließend schnürte er in neun Jahren für 14 verschiedene Clubs die Schuhe – darunter der FC Schalke 04, der Hamburger SV und der MSV Duisburg. Zuletzt war Ailton beim Landesliga-Klub Hassia Bingen aktiv.

"Ich habe bei vielen Vereinen gespielt, aber in meinem Herz gibt es nur eins: Werder Bremen", sagte Ailton in seinem sympathischen Kauderwelsch. Besonders bedankte er sich bei seinem Kumpel Julio Cesar und seinem Förderer Schaaf. "Ich habe einen Vater in Brasilien und einen zweiten in Deutschland, und das ist Thomas Schaaf", sagte Ailton über seinen ehemaligen Trainer. Dann flossen wieder die Tränen.