Bremen - Während Borussia Mönchengladbach den Punktgewinn in letzter Minute ausgelassen auf dem Platz feierte, stand die Mannschaft des SV Werder Bremen sichtlich enttäuscht im Kreis zusammen und bestaunten immer noch ungläubig das 1:1 auf der Anzeigetafel.

"Ich habe den Spielern gesagt, dass sie sauer sein dürfen und sich auch ärgern sollen. Denn sicherlich haben wir zwei Punkte verschenkt", erklärte Werder-Trainer Thomas Schaaf seine Ansprache an die Mannschaft.

"Das war einfach dumm"

Lange Zeit sah es für die Bremer nach dem erhofften Befreiungsschlag im Kampf gegen den Abstieg aus. Auch die Fans hatten keinen Gedanken daran verschwendet, dass die schon sicher geglaubten drei Zähler noch aus der Hand gegeben werden. Als Florian Trinks und Torschütze Sandro Wagner bereits in der 58. Minute ausgewechselt wurden, gab es lang anhaltenden Applaus. Zu früh gefreut.

"Wir hätten gegen Gladbach zehn Tore schießen müssen. Wir haben den Druck, der auf uns lastete, aus den Köpfen bekommen. Aber wir haben uns nicht für unsere Mühen belohnt. Das war einfach dumm", sagte Wagner.

Tim Borowski analysierte die Partie ähnlich: "Das ist eine große Enttäuschung. Wir haben das Spiel über weite Strecken dominiert, haben uns hochkarätige Chancen erarbeitet, aber nicht das zweite oder dritte Tor gemacht, das ist sehr bitter."

Wesleys Comeback nicht von Erfolg gekrönt

Dabei waren die "Fohlen" eigentlich der perfekte Gegner, um dem 3:1 in Freiburg einen weiteren Sieg folgen zu lassen. Denn aus den vergangenen 20 Gastspielen an der Weser hatte die Borussia lediglich vier Remis erreicht und dabei nur fünf Tore geschossen.

Dass die Elf vom Niederrhein nun einen weiteren Punkt auf der Habenseite vermerken darf, war letztlich einem individuellen Fehler von Wesley geschuldet. Der Brasilianer, der erstmals seit dem 20. November 2010 wieder am Ball war, verlor leichtfertig einen Ball in der eigenen Hälfte und leistete sich im Anschluss ein unnötiges Foul. Juan Arango zirkelte den Freistoß auf den Kopf von Dante, der den Ball aus fünf Metern über die Linie drückte.

"Wir haben uns selbst in Not gebracht. Da müssen wir klarer, ruhiger, sachlicher zu Werke gehen. Wir hätten in der Situation eigentlich einen Angriff einleiten und vor dem gegnerischen Tor auftauchen müssen", sagte Schaaf.

Allofs sieht positive Entwicklung

Von einem Rückschlag wollte man im Lager der "Grün-Weißen" aber nichts wissen. "Nein, das war kein Schritt zurück. Natürlich sind wir sehr enttäuscht, aber es geht weiter", meinte Youngster Florian Trinks, der erneut als Spielmacher hinter den Spitzen agierte.

Ein Lob für die gezeigte Leistung gab es von höchster Stelle. "Wir spielen wieder ruhiger, lassen den Ball besser laufen und man merkt, dass der Mannschaft der Sieg in Freiburg sehr gut getan hat. Insgesamt haben sich intern viele kleine Dinge zum Positiven verändert", sagte Sportdirektor Klaus Allofs.

Der Trainer wollte sich das Spiel trotz des Gegentors in der letzten Minute dann auch nicht schlechtreden lassen. "Heute können wir uns noch ärgern. Aber morgen müssen wir wieder hart arbeiten und uns auf das Spiel in Nürnberg vorbereiten."

Aus Bremen berichtet Michael Reis