Trotz der ersten Saisonniederlage wollte Rudi Völler nichts von einem Abwärtstrend wissen. "Wir haben nur ein Spiel verloren. Das ist definitiv kein Drama. Es geht nicht nach unten", sagte der Sportdirektor von Bayer Leverkusen nach dem 2:3 (0:2) beim abstiegsgefährdeten 1. FC Nürnberg und dem Ende einer beeindruckenden Serie trotzig.

Dennoch saß der Frust beim Werksclub tief, im Titelrennen nach dem dritten Spiel in Folge ohne Sieg weiter an Boden verloren und die Gunst der Stunde nach dem Patzer von Bayern München beim 1. FC Köln (1:1) nicht genutzt zu haben.

"Der Biss hat gefehlt"

"Das ist sehr ärgerlich. Ich hätte die Serie gerne fortgesetzt", verdeutlichte Trainer Jupp Heynckes, dessen Team nach dem 25. Spieltag sogar noch hinter Schalke 04 auf den 3. Platz abrutschte.

Die Gründe für die erste Pleite nach 288 Tagen waren bei Bayer schnell gefunden, Ausflüchte wurden erst gar nicht gesucht. "Der Biss hat gefehlt. Vor allem die erste Halbzeit haben wir völlig verschlafen", sagte Völler. Auch Heynckes warf seinen Spielern vor, "dass sie Engagement und Leidenschaft vermissen ließen". Abwehrchef Sami Hyypiä sprach gar von einer "Katastrophe" in der ersten Stunde.

Erst nach "zwei doofen Gegentoren", wie Toni Kroos bemängelte, durch Eric-Maxim Choupo-Moting (42./45.+1), und einem Treffer von Mickael Tavares (55.) wachte Bayer auf. Doch eine Wende konnte Leverkusen dem Spiel nicht mehr geben, auch wenn der bis dahin starke "Club" nach Stefan Kießlings 1:3 (66.) und Patrick Helmes' Anschlusstor (73.) noch einmal zittern musste.

Kroos bemängelt fehlende Leichtigkeit

"Das ist ein Rückschlag im Titelrennen, keine Frage. Aber man hat die Leichtigkeit eben nicht in jedem Spiel", sagte Kroos, der wie Stefan Reinartz wegen der fünften Gelben Karte am kommenden Sonntag im Spitzenspiel gegen den Hamburger SV fehlen wird.

In München nahmen die Bayern-Verantwortlichen den Patzer des Rivalen im Titelkampf derweil mit Genugtuung zur Kenntnis. "Ich war erleichtert, als der Schlusspfiff kam. Am Schluss war ja fast jeder Angriff lebensgefährlich. Da war ich dann 'Club'-Fan", sagte Präsident Uli Hoeneß, und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge meinte erfreut: "Die Situation hat sich für uns kurioserweise verbessert."

Dass Bayer im Titelrennen mal wieder das große Nervenflattern bekommen könnte, glaubt Torjäger Kießling indes nicht. Stattdessen gewann er der ersten Bundesliga-Niederlage seit dem 0:3 in Cottbus am 34. Spieltag der vergangenen Saison sogar noch etwas Positives ab: "Vielleicht war es ein guter Dämpfer. Jetzt müssen sich wieder alle zusammenraufen." Auch als Tabellendritter stehe Bayer "noch gut da", befand Kießling: "Unser Ziel ist ein Platz im internationalen Geschäft, alles andere ist Zukunftsmusik."

Nürnberger Freude getrübt

Bei Nürnberg war die Freude dagegen groß, erstmals nach knapp fünf Monaten wieder zuhause gewonnen zu haben. Allerdings gab es beim 'Club' laut Trainer Dieter Hecking einen "dicken Wermutstropfen": Abwehrchef Breno zog sich einen Kreuzband- und Innenmeniskusriss zu und wird nie mehr für den FCN auflaufen, kehrt er doch im Sommer zum FC Bayern zurück.

Im Kellerduell beim Schlusslicht Hertha BSC am Samstag müssten "eben die anderen ran", sagte Hecking: "Wenn es uns gelingt, ähnlich mutig und angriffslustig zu spielen, haben wir gute Chancen."