Zusammenfassung

- August 2009 erste Schritte in der Bundesliga

- Erfolgreichste Saison seiner bisherigen Laufbahn: 16 Tore markierte der Angreifer in der Saison 2013/14, bereitete dazu sechs Treffer vor.

- Nur in der Europa League wollte es nicht mit einem Tor klappen. Das will Adrian Ramos mit den Dortmundern in der Spielzeit 2016/17 dann in die Champions League nachholen.

Dortmund - Er gilt als schnell, zweikampfstark und passsicher – und er hat das, was man gemeinhin einen ausgeprägten Torriecher nennt. Das hat Adrian Ramos in der Bundesliga erst bei Hertha BSC unter Beweis gestellt und seit 2014 bei Borussia Dortmund bestätigt. Auch in der kolumbianischen Nationalmannschaft hat sich der schlaksige Stürmer seinen Platz erkämpft.

Mit 23 Jahren wagte Adrian Ramos den großen Schritt. Raus aus der Heimat, hinüber von Kolumbien nach Europa. Hertha BSC war auf den hochgewachsenen Torjäger aufmerksam geworden, der seine Schnelligkeit mit einer guten Ballführung und einer enormen Sprungkraft paart. Kurz vor dem Ende des Transferfensters lotste der Berliner Hauptstadtklub den Stürmer im August 2009 in die Bundesliga. Durchaus auch ein Wagnis – aber Adrian Ramos stellte schnell unter Beweis, dass er keine lange Eingewöhnungsphase benötigt und seine Qualitäten auch in Deutschland bestens auf den Rasen bringt.

Berliner Aufstiegsgarant

Mit zehn Toren und fünf Vorlagen feierte der Kolumbianer bei der Hertha einen guten Einstand, konnte den Abstieg aber nicht verhindern. Ramos ging mit in die 2. Liga und wurde in der folgenden Saison zu einem der Aufstiegsgaranten. 15 Treffer und 10 Vorlagen beweisen zudem, dass der Stürmer nicht nur ein echter Goalgetter ist, sondern auch ein Auge für die Mitspieler hat und Bälle auflegen kann.

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Simon Hofmann

Erlernt hat Gustavo Adrian Ramos Vásquez, wie er mit vollständigem Namen heißt, all das bei seinem Heimatverein América de Cali. Am 22. Januar 1986 in Santander de Quilichao geboren, wurde der talentierte Junge hier in der Zwei-Millionen-Metropole im Südwesten Kolumbiens am Ball ausgebildet und feierte für América de Cali 2004 auch sein Debüt als Profi. Seine Karriere verlief aber alles andere als geradlinig, sein Weg zu einem erfolgreichen Fußballer war durchaus steinig. 2005 wurde Adrian Ramos an den FC Trujillanos nach Venezuela verliehen, nur ein halbes Jahr später an den kolumbianischen Hauptstadtklub Independiente Santa Fé. Erst nach seiner Rückkehr zu América de Cali erntete "Adriancho", wie er in seinem Heimatland gerufen wird, den Lohn seiner Arbeit und führte den Klub 2008 zur kolumbianischen Meisterschaft.

Gefeierter Aufstiegs-Star

Vielleicht war es der harte Weg nach oben, der Adrian Ramos auch in Deutschland nicht aufstecken ließ. Dem Wiederaufstieg mit Hertha BSC folgte direkt der zweite Abstieg. Ramos selbst musste häufiger auf den Flügel ausweichen, was ihm weniger liegt als die zentrale Rolle in der Sturmmitte. "Ich kann auch auf den Flügeln spielen, aber ich bevorzuge klar die Neuner-Position", hat er einmal selbst erklärt. Seine Torquote ging im angespannten Abstiegskampf nach unten, mit ihr auch das Selbstvertrauen. Und doch war Ramos nur eine Spielzeit später wieder der gefeierte Star: Mit 11 Toren und 9 Vorlagen schoss er die Berliner und damit sich selbst ein drittes Mal ins Oberhaus.

Was folgte, war die erfolgreichste Saison seiner bisherigen Laufbahn: 16 Tore markierte der Angreifer in der Saison 2013/14, bereitete dazu sechs Treffer vor. An 60 Prozent aller Berliner Tore war er direkt beteiligt. Dabei überzeugte Adrian Ramos einmal mehr als Vollstrecker und Kopfballspezialist, aber auch als technisch gut ausgebildeter Stürmer, der den Ball gut abschirmen und behaupten kann, um ihn dann zum Mitspieler zu bringen. Der Ball ist durchaus der Freund des Kolumbianers, der zwar sehr durchsetzungsfähig ist, dies aber mit Spielkultur und Ballgefühl paart. Auch als "Neuner" klebt Ramos nicht im Strafraum, sondern lässt sich gerne weiter zurückfallen, um dann mehr aus der Tiefe zu kommen.

Die große Bühne

Nicht zuletzt diese Eigenschaften im Zusammenspiel mit seiner guten Trefferquote – in 89 Erstligaspielen für Hertha BSC Berlin erzielte er 32 Tore – waren es, die Borussia Dortmund auf Ramos aufmerksam werden ließen. "Das hat mich sehr stolz gemacht, weil es die Bestätigung meiner Arbeit war", sagte der Stürmer dazu in einem seiner seltenen Interviews. 2014 wechselte er ins Ruhrgebiet, wo ihm auch international eine größere Bühne geboten wird.

Die suchte er auch, um sein Standing in der Nationalmannschaft seines Landes zu verbessern. Sein Debüt im Nationaltrikot hatte Adrian Ramos im Oktober 2008 gefeiert, ein Jahr später gelang ihm in der WM-Qualifikation gegen Paraguay sein erstes Länderspieltor, 2011 war er als Stammspieler bei der Copa América dabei. Das Zweitliga-Jahr bei der Hertha und starke Konkurrenz im kolumbianischen Sturm mit Spielern wie Radamel Falcao oder Jackson Martinez stoppten die Nationalelf-Karriere von Ramos zwischenzeitlich. Den Sprung zur WM 2014 schaffte er dann aber doch noch und schoss beim Turnier in Brasilien zwei Tore gegen Japan. Seither ist er wieder fester Bestandteil des kolumbianischen Teams. Bei der Copa América 2015 machte ihm nur eine Knöchelverletzung einen Strich durch die Rechnung. Insgesamt 30 Mal kam Ramos bislang für Kolumbien zum Einsatz, dabei gelangen ihm vier Tore.

Eine schwierige Zeit

Bei Borussia Dortmund stand das erste Jahr von Adrian Ramos nicht unter dem besten Stern. Zwar startete er im schwarz-gelben Trikot mit 2 Toren und 2 Vorlagen an den ersten 6 Spieltagen, knipste 3 Mal bei seinen ersten 3 Auftritten in der Champions League. Doch die schwierige Saison des BVB forderte auch bei Ramos ihren Tribut, bei Verein und Spieler zeigte der Trend nach unten. In der Rückrunde der Saison 2014/15 musste er mit der Verletzung passen, die ihn auch die Copa América kostete.

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Simon Hofmann

>>> Ramos, der Edel-Joker

Doch auch bei der Borussia zeigte sich, dass der sonst so scheu und sensibel wirkende Ramos über Zähigkeit und einen großen Willen verfügt. Der Kolumbianer ließ sich nicht entmutigen, griff neu an – und er sollte in der Spielzeit 2015/16 eine neue, zusätzliche Qualität unter Beweis stellen, die ihn für seine Mannschaft so wertvoll macht. Zwar kam er an Dortmunds Top-Scorer Pierre-Emerick Aubameyang nicht vorbei, entpuppte sich aber als perfekter Joker und Angreifer mit einer gnadenlosen Effektivität. Als die Saison im April auf die Zielgerade einbog, hatte Adrian Ramos zwar nur 411 Minuten Spielzeit auf dem Konto, zugleich aber schon 6 Treffer und 3 Vorlagen. Alle 69 Minuten ein Tor – der Top-Wert in der Liga.

Beeindruckende Saisonbilanz

Mehr Einsatzzeiten in der Schlussphase der Saison senkten die Quote zwar (103 Minuten pro Tor), doch die Saisonbilanz kann sich am Ende sehen lassen. 27 Mal kam der Stürmer für den BVB in der Meisterschaftssaison zum Einsatz, erzielte dabei 9 Tore und bereitete 5 Treffer vor. Eine gute Passquote von 67 Prozent und eine für einen Stürmer hervorragende Zweikampfquote von 48 Prozent sprechen zudem für die kompletten Fähigkeiten des Angreifers.

Nur in der Europa League wollte es nicht mit einem Tor klappen. Das will Adrian Ramos mit den Dortmundern in der Spielzeit 2016/17 dann in die Champions League nachholen. Dass er sich auf diesem Parkett wiederum bestens zurecht findet, beweist seine Quote aus der vorletzten Saison. Da benötigte der Kolumbianer für seine 3 Tore gerade einmal 103 Minuten.

 

Dietmar Nolte