Den Weltmeister geärgert, für den Europameister gerüstet: Nach dem 1:1 gegen Titelverteidiger Italien sieht Ottmar Hitzfeld die Schweizer Nationalmannschaft für ihren WM-Auftakt am 16. Juni gegen Spanien gerüstet.

"Wir wissen, dass es eine schwierige Aufgabe wird, aber wir haben unsere Chancen. Auch Spanien hat Schwächen", sagte der Coach vor seiner persönlichen Weltmeisterschafts-Premiere in Südafrika: "Ich bin optimistisch. In einem Spiel ist alles möglich. Würden wir gegen Spanien zu Hin- und Rückspiel antreten, wäre es schwierig, aber in 90 Minuten ist das anders."

Ansteigende Formkurve

Das Remis gegen die "Squadra Azzurra" war für die Eidgenossen ein Achtungserfolg zur richtigen Zeit. Drei Spiele in Folge hatte die "Nati" zuvor verloren. Das peinliche 0:1 am vergangenen Dienstag gegen Costa Rica war der Tiefpunkt, die Fans in der beschaulichen Schweiz schon ein wenig in Aufruhr.

"Bei Bayern ist man nach der dritten Niederlage weg", sagte Hitzfeld lächelnd und betonte, dass die nackten Resultate in der Vorbereitungsphase nicht ausschlaggebend seien.

"Unsere Konzentration galt immer dem Spiel gegen Spanien", sagte einer der erfolgreichsten deutschen Vereinstrainer aller Zeiten und dürfte umso erleichterter sein, dass seine Sorgenkinder gegen Italien ansteigende Form zeigten.

Inler als "stiller Leader"

Zwar patzte Abwehrchef Philippe Senderos vor dem Augleich durch Fabio Quagliarella einmal mehr (14.), doch vor allem der von Hitzfeld als Führungsspieler auserkorene und zuletzt arg in die Kritik geratene Gökhan Inler glänzte als zentrale Schaltstation und Torschütze (10.).

"Er ist zwar ein stiller Leader, aber er kann die Verantwortung an sich reißen und war der beste Spieler auf dem Platz", lobte der Coach den Mittelfeldspieler. Außenverteidiger Stephan Lichtsteiner ergänzte: "Gökhan hat das Tor genial gemacht. Das ist ihm zu gönnen. Er hat in den vergangenen Tagen ja einiges einstecken müssen." Der Treffer des Regisseurs war das erste Schweizer Tor aus dem Spiel heraus seit 438 Minuten.

Behrami muss pausieren

Ein kleiner Wermutstropfen bei der WM-Generalprobe war die Verletzung von Valon Behrami, der sich nach überstandener Knöchelblessur eine Oberschenkelverletzung zuzog und einige Tage mit dem Training aussetzen muss. Bundesliga-Keeper Diego Benaglio (muskuläre Probleme) wurde von Hitzfeld zur Halbzeit allein zur Schonung aus der Partie genommen. Die beiden Leverkusener Eren Derdiyok und Tranquillo Barnetta kamen erst nach der Pause zu Einsatzminuten.

Während das Remis bei den Eidgenossen positiv bewertet wurde, gab es im Lager der Italiener lange Gesichter. Nach der 1:2-Pleite gegen Mexiko am vergangenen Donnerstag muss die "Squadra Azzurra" das Projekt Titelverteidigung nun ohne Erfolgserlebnis im Gepäck angehen. Besonders der Ausfall des verletzten Spielmachers Andrea Pirlo bereitet Sorgen. "Ohne Pirlo droht der Mannschaft bei der WM eine Touristenrolle", schrieb die Gazzetta dello Sport am Sonntag.

Cossu als Pirlo-Einsatz

Pirlo, der an einer Wadenzerrung laboriert und für das erste WM-Spiel der Italiener am 14. Juni gegen Paraguay definitiv nicht zur Verfügung stehen wird, tritt die Reise nach Südafrika allerdings trotz seiner Blessur an. Vorsorglich berief Nationaltrainer Marcello Lippi jedoch Andrea Cossu als 24. Spieler in den WM-Tross. Der 30-Jährige von US Cagliari könnte in den Kader rutschen, falls Pirlo noch vor dem WM-Auftakt für das gesamte Turnier passen muss.

Lippi lässt sich dennoch nicht aus der Ruhe bringen. "Bis zum Spiel gegen Paraguay werden wir in Form sein", versprach der Coach, der gegen die Eidgenossen unter anderem auf Stammkeeper Gianluigi Buffon, Fabio Cannavaro und Daniele de Rossi verzichtete.