Zusammenfassung

  • Nur selten haben Abwehrspieler prozentual und absolut häufiger getroffen als 2017/18

  • Schalkes Naldo ist mit fünf Toren dabei das Maß aller Dinge

  • Bei Gladbach und Mainz ist jeder vierte Torschütze ein Abwehrspieler

Köln – "Das Spiel ist erst vorbei, wenn Naldo trifft" – ein Satz der in Gelsenkirchen zuletzt öfter zu hören war. Schließlich ist der 35-Jährige mit fünf Saisontoren nicht nur der torgefährlichste Abwehrspieler der Bundesliga, er ist beim FC Schalke 04 sogar zweitbester Torjäger. Ein Blick in die Daten verrät aber auch: Die Verteidiger agieren 2017/18 insgesamt sehr gefährlich.

Bei Borussia Mönchengladbach konnte etwa Innenverteidiger Matthias Ginter mit vier Treffern genauso oft jubeln wie sein Sturmkollege Lars Stindl. Auch Ginters Nebenmann Jannik Vestergaard hat schon drei Tore auf dem Konto. Hinzu kommt noch Philipp Max aus Augsburg, der zwar "erst" einmal getroffen hat, aber mit nunmehr zehn Torvorlagen der mit Abstand beste Zuarbeiter der Bundesliga ist.

Spieler wie Koch oder Chandler werden noch nicht einmal eingerechnet

Zahlreiche Verteidiger wie beispielsweise Wendell (Bayer 04 Leverkusen), Marcel Halstenberg (RB Leipzig), Benjamin Hübner (TSG 1899 Hoffenheim), Abdou Diallo (1. FSV Mainz 05), Frederik Sörensen (1. FC Köln), Theodor Gebre Selassie (SV Werder Bremen), Holger Badstuber (VfB Stuttgart) oder Dortmunds Sokratis haben 14 Spieltage vor dem Ende der Saison bereits doppelt getroffen.

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Einer von vielen Verteidigern mit zwei Saisontoren: Dortmunds Sokratis © imago / Revierfoto

Und hierbei sind Spieler wie Robin Koch vom SC Freiburg oder Timothy Chandler von Eintracht Frankfurt, die zwar in der Datenbank als Abwehrspieler geführt werden, ihre Tore aber als Spieler auf einer anderen Position erzielt haben, noch nicht einmal mit eingerechnet.

Bei Gladbach und Mainz ist jeder vierte Torschütze ein Verteidiger

Das Mittel, die lang gewachsenen wie kopfballstarken Innenverteidiger gerade bei ruhenden Bällen nach vorne zu schicken, scheint nicht neu. Aber hat sich die Effektivität der Abwehrspieler vor dem gegnerischen Gehäuse verbessert? Bei Mönchengladbach und Mainz ist die Hintermannschaft aktuell für mehr als ein Viertel der Tore verantwortlich, in Köln sind immerhin noch 20 Prozent der Torschützen Abwehrspieler.

Video: Mentalitätsmonster Papadopoulos

Seit Beginn der umfassenden Datenaufzeichnung im Jahr 1993 gab es tatsächlich nur vier Spielzeiten, in denen die Abwehrspieler zu diesem Zeitpunkt der Saison (20. Spieltag) noch erfolgreicher waren. Derzeit haben die Verteidiger der Bundesliga 62 Tore erzielt, der bisherige Rekord wurde mit 69 Toren 2006/07 aufgestellt. In der aktuellen Runde wurde aber nicht nur der Durchschnitt von 57 Toren deutlich übertroffen, auch waren die Abwehrspieler um exakt 19 Tore erfolgreicher als in der Vorsaison (43 Treffer).

Diekmeier wirkt dem Trend entgegen

Betrachtet man den prozentualen Anteil der Verteidiger-Tore an der Gesamtzahl aller Treffer, so haben die Verteidiger mit 12,42 Prozent sogar den viertgrößten Anteil seit Beginn der Datenerfassung. Auch hier liegt der Bestwert mit 14,14 Prozent im Jahr 2006/07. Womit wir wieder bei Naldo wären, denn in diesem besagten Jahr konnte sich der Brasilianer – damals noch im Dress von Werder Bremen – gleich sechs Mal in die Torschützenliste eintragen und trug entscheidend zu dieser Bestmarke bei.

Gefahr nach Standards: Hoffenheims Benjamin Hübner © gettyimages / Dean Mouhtaropoulos

Immerhin gibt es auch einige Spieler, die dem Trend entgegenwirken. So hat es Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier vom Hamburger SV auch in 200 Bundesliga-Spielen noch nicht geschafft, den Ball im gegnerischen Gehäuse unterzubringen. Ein ligaweiter Rekord. Ein paar Mal war er in dieser Saison aber schon sehr nah dran. Also wenn er es irgendwann mal schaffen sollte, bietet die laufende Spielzeit die besten Voraussetzungen dafür.  

Karol Herrmann

Stand der Daten: 30.01.2018