Ganz still und ein bisschen sogar heimlich hat Felix Magath den FC Schalke 04 an die Tabellenspitze der Bundesliga geführt. Und das nach dem 28. Spieltag, sechs Spieltage vor dem Ende der Spielzeit - wer hätte das vor der Saison gedacht?

Die "Knappen" sprechen bei der Titelvergabe ein gehöriges Wörtchen mit. Die Schalker Spieler selbst halten sich "noch" vornehm zurück. Ganz wie es ihnen ihr Trainer Felix Magath vorlebt.

"Nach wie vor ist der FC Bayern der große Favorit"

Trotz der Tabellenführung hält sich der Meistercoach bisher zurück. "Nach wie vor ist der FC Bayern der große Favorit auf den Titel", stapelte Magath im Interview mit dem "DSF" nach dem 28. Spieltag weiter tief. Zuvor hatte seine Mannschaft durch einen souveränen 2:0-Sieg bei Bayer Leverkusen die Spitzenposition von den Bayern übernommen.

"Ich spreche überhaupt nicht vom Titel. Ziel ist das internationale Geschäft. Wir haben noch sechs schwere Spiele vor der Brust", pflichtete Verteidiger Benedikt Höwedes seinem Chef bei.

Schlüsselspiele gegen die Bayern

Abwarten und dann eiskalt zuschlagen: Eine Taktik, mit der der 56-jährige Magath bereits in der Vorsaison gute Erfahrungen gesammelt hat. Am 4. April 2009 war der FC Bayern München zu Gast in der Volkswagen Arena. Die "Wölfe" fegten den deutschen Rekordmeister mit 5:1 vom Platz, kletterten auf Platz 1 und verteidigten diesen bis zum Saisonende - Magaths Meisterstück in Wolfsburg war perfekt.

Fast genau ein Jahr später, am kommenden Samstag, den 3. April 2010, trifft Magath in einem vielleicht wieder vorentscheidenden Duell erneut auf den FC Bayern (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio). Der Tabellenerste empfängt den Zweiten. Mit einem Sieg könnten die "Knappen" ihren Vorsprung auf den FCB auf fünf Punkte ausbauen und somit einen großen Schritt Richtung Meisterschaft machen.

Das sieht sogar Felix Magath so: "Wenn wir Bayern schlagen würden, dann hätten wir schon Chancen auf den Meistertitel. Wenn wir gewinnen, komme ich da kaum drum herum", sagte Magath gegenüber "Sky" schränkte aber gleichzeitig ein: "Aber der FC Bayern hat das leichteste Restprogramm. Man muss damit rechnen, dass sie sehr viele Punkte zum Schluss machen."

Magath auf Weisweilers Spuren

Für die Schalker wäre es die erste Meisterschaft nach 1958 - der "Pott" würde kochen. Für Magath wäre es als Trainer bereits die vierte Deutsche Meisterschaft, damit würde er mit Trainerlegende Hennes Weisweiler gleichziehen.

Bisher gewann Magath drei Mal die Schale: 2005 und 2006 mit den Bayern sowie in der Vorsaison mit Wolfsburg. Sollte Magath mit Schalke erneut Meister werden, wäre er auch der erste Trainer in der Bundesliga-Geschichte, der den Titel mit drei verschiedenen Mannschaften holt. Zudem wäre er der erste Coach, der in zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten mit zwei unterschiedlichen Clubs den Titel gewinnt - und das auch noch mit zwei Außenseitern.

Junges Schalker Team

Magath weiß also, wie es geht! Doch warum scheut er sich derzeit noch so sehr, über die Meisterschaft zu reden?

Ein Argument des Meistermachers ist, dass seine Mannschaft vor allem im Vergleich mit den Bayern noch zu jung für den Titel sei und daher das öffentliche Schwadronieren über die Schale dem einen oder anderen den Kopf verdrehen könnte.

Anhand der Startformationen der aktuellen Spielzeit ergibt sich bei Schalke 04 ein Durchschnittsalter von 24,6 Jahren. Die Bayern waren über die Saison gesehen im Schnitt 27,3 Jahre alt.

Bundesliga-Erfahrung ja, Titelerfahrung nein

Zudem führt Magath die mangelnde Erfahrung seines Teams ins Feld. Gestandene Spieler hat Magath allerdings durchaus in seinen Reihen. Allen voran Marcelo Bordon, der bereits 293 Bundesligaspiele auf dem "Buckel" hat. Oder auch Torjäger Kevin Kuranyi, der es auf 255 Partien in der höchsten deutschen Spielklasse bringt.

Aber: Bisher konnte noch kein aktueller Profi der "Königsblauen" eine Deutsche Meisterschaft feiern. Das sieht bei den Bayern ganz anders aus. Zahlreiche Akteure wissen, wie es sich anfühlt, nach dem 34. Spieltag die Schale in die Höhe zu stemmen.

In Wolfsburg stellte sich die Situation für Magath in der Vorsaison aber ähnlich dar. Und trotzdem holte er mit den Niedersachsen den Titel. Ganz nach dem Motto: Abwarten und dann eiskalt zuschlagen...