Vier Spieltage sind in der Rückrunde der Saison 2008/09 absolviert. Der Abstiegskampf hat längst begonnen und ist in der Bundesliga so spannend wie lange nicht mehr. In den verbleibenden 13 Spielen kann z.B. der Tabellensiebzehnte Karlsruhe noch maximal 39 Punkte einfahren, was auch bedeutet, dass noch keine Mannschaft den Klassenerhalt in der Tasche hat.

Ein guter Zeitpunkt, einen Blick auf die Abstiegsregion der Bundesliga zu werfen. Nach der Wiedereinführung der Relegationsspiele (der 16. der Bundesliga und der Dritte der 2. Bundesliga spielen um die Zugehörigkeit in der Bundesliga) steigen nur noch zwei Mannschaften direkt ab. bundesliga.de nimmt die Tabellenplätze 12 bis 18 genauer unter die Lupe.

Eintracht Frankfurt (23 Punkte / Platz 12):

Die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel kann im Abstiegskampf auf zwei große Pluspunkte bauen. Die Hessen haben die Duelle gegen die Mannschaften aus dem Tabellenkeller fast alle gewonnen, lediglich gegen Bielefeld gab es ein 1:1. Zudem hat die Eintracht mit 27:35 Toren das beste Torverhältnis. In der noch jungen Rückrunde hat sich die Defensivleistung deutlich verbessert. Die Anzahl der Gegentore ging leicht zurück (1.5 gegenüber 1.7 pro Spiel), was unter anderem auch an der neuen Zweikampfstärke liegen könnte: Während die Hessen an den ersten 17 Spieltagen nur 48.9 Prozent ihrer Duelle am Ball gewinnen konnten, sind es 2009 53.2 Prozent. Allerdings erzielte Frankfurt in der Hinrunde durchschnittlich 1.4 Tore pro Spiel, 2009 ist es nur ein Tor pro Spiel. Dies liegt an der schlechteren Chancenverwertung: 10.8 Prozent in 2009 gegenüber 13.9 Prozent in der Hinrunde.

Hannover 96 (21 Punkte / Platz 13):

Das große Problem bei 96 ist das Spiel auf fremdem Platz. Nach den Niederlagen in Cottbus und Mönchengladbach hat man nicht nur zwei wichtige Duelle verloren, sondern nun sechs Auswärtsspiele in Folge und ist weiterhin das schlechteste Auswärtsteam der Bundesliga. Ein Punkt und sechs Toren lautet die Bilanz der "Roten" in der Fremde. Alleine der Heimstärke ist es zu verdanken, dass man seit dem elften Spieltag zwischen Platz 12 und 13 in der Tabelle pendelt. In der Rückwärtsbewegung läuft (fast) alles falsch: 2,3 Gegentore im Schnitt sind noch mehr als in der Vorrunde (1,9). Und das, obwohl man mit Robert Enke einen der besten Keeper der Bundesliga im Tor hat. Das Fach-Magazin "Kicker" führt ihn mit einem Notenschnitt von 2,73 als besten Torwart der Liga. Vor Neuer (Platz 2/2,83), Adler (7./3,06) und allen anderen. Allerdings steht Enke in der "Schießbude" der Liga. 41 Gegentore von Hannover 96 sind genauso Negativ-Rekord wie 27 Auswärts-Gegentore. Jetzt hinkt es auch noch in der Offensive. Während vor der Winterpause die letzten neun Tore jeweils von Stürmern erzielt worden waren, netzten nun lediglich Forssell und Stajner (je einmal) ein. Für die Mannschaft von Dieter Hecking stehen harte Wochen auf dem Spielplan. In den nächsten sieben Spielen kommen mit Leverkusen, Bayern, Hoffenheim, Berlin und Hamburg die Top-Fünf der Liga.

Energie Cottbus (20 Punkte / Platz 14):

In der Winterpause gab Trainer Bojan Prasnikar eine neue Ausrichtung mit auf den Weg - Jungs, mehr Mut im Offensivspiel! Das haben seine Spieler schnell umgesetzt. Von allen Abstiegskandidaten ist Energie in der Rückrundentabelle am besten platziert (Rang 4). Im Vergleich zur Hinrunde holte das Prasnikar-Team sechs Zähler mehr in den ersten vier Spielen. Die Ursache liegt in der Chancenverwertung, die mehr als verdoppelt wurde. Es wurden sogar weniger Schüsse pro Spiel als in der Hinrunde abgegeben. Sogar die Anzahl der Gegentore pro Partie konnte der FCE trotz der offensiveren Ausrichtung von 1.7 auf 1.3 reduzieren. Nachdem die Cottbuser auf dem Relegationsplatz überwinterten, haben sie nun zwei Punkte Vorsprung auf selbigen. Zudem ist der momentane 14. Platz die beste Platzierung der Saison. Cottbus hat in den letzten Jahren schon reichlich Erfahrung im Abstiegskampf gesammelt und verlor in dieser Saison von den Duellen mit den direkten Konkurrenten nur gegen Frankfurt. In Cottbus weiß man also worauf es ankommt, denn wie sagt Trainer Prasnikar: "Wer nicht aufs Tor schießt, kann keinen Treffer erzielen."

Arminia Bielefeld (19 Punkte / Platz 15):

Auch die Ost-Westfalen kennen sich in der unteren Tabellenhälfte bestens aus. Seit dem dritten Spieltag befindet sich die Arminia in dieser Region. 5 Punkte in 4 Rückrundenspielen reichten aus, um den Vorsprung auf den Relegationsplatz (ein Punkt) konstant zu halten. In der Hinrunde hatten die Ostwestfalen zum gleichen Zeitpunkt nur zwei Zähler auf dem Konto. Allerdings konnte die Mannschaft von Trainer Michael Frontzeck aus sieben "Keller-Duellen" nur vier Punkte holen und in der gesamten Saison erst drei Siege verbuchen. "Wenn wir am Ende die Klasse gehalten haben und in dieser Statistik weiter Letzter sind, dann kann ich damit leben", macht der Trainer deutlich, dass es ihm egal ist, gegen wen man die nötigen Zähler einfährt. Da man Bremen, Leverkusen und Köln besiegte, zeigt, dass Bielefeld oft die unerwarteten Punkte holt. So entführte man auch auf Schalke oder in Stuttgart einen Punkt. Eine Stärke, die schon in der letzten Saison zum Klassenerhalt reichte.

VfL Bochum (18 Punkte / Platz 16):

Der VfL holte aus den ersten vier Spielen drei Punkte mehr als in den Hinrundenspielen gegen die gleichen Gegner (7 / 4). Dadurch belegt Bochum in der Rückrundentabelle einen respektablen 6. Platz, nachdem das Koller-Team als 17. in die Winterpause ging. In der Defensive geht das Team deutlich engagierte zur Sache. Bochum gewinnt jetzt deutlich mehr Zweikämpfe. 51,1 Prozent in den ersten vier Spielen 2009 gegenüber schwachen 46,6 Prozent in der Hinrunde. Auch die Anzahl der Gegentore konnte Bochum reduzieren. Durch¬schnitt¬lich 1,8 waren es an den ersten 17 Spieltagen, während es in den vier Spielen nach der Winterpause im Schnitt nur exakt einmal im VfL-Gehäuse einschlug. In der Fremde könnte es für den VfL besser laufen, denn seit zehn Partien ist man auswärts ohne Sieg.

Karlsruher SC (17 Punkte / Platz 17):

Die Becker-Elf überwinterte auf dem 15. Platz und findet sich nun auf Rang 17 mit zwei Punkten Rückstand auf das rettende Ufer wieder. Das Problem liegt beim KSC im Toreschießen, denn nur 18 Mal landete die Kugel beim Gegner im Netz. "Die Torquote reicht nicht, um in der Bundesliga zu bestehen", macht Trainer Ede Becker deutlich. In zehn Partien blieb man ohne eigenen Torerfolg. Freuen kann sich der Coach aber über die eigene Abwehr, denn die Anzahl der Gegentore sank gegenüber der Hinrunde von 1.9 auf 1.3 pro Spiel. Allerdings verliert kein anderes Team öfter als der KSC. Bereits 14 Mal verließ man den Platz als Verlierer.

Borussia Mönchengladbach (16 Punkte / Platz 18):

Seit dem 16. Spieltag hängt die "Rote Laterne" in Mönchengladbach. Mit 41 Gegentoren hat die Borussia mit Hannover die meisten Treffer kassiert. Daher verstärkte man den Kader mit vier Neuzugängen, um die ungeliebte Trophäe so schnell wie möglich abzugeben, denn wenn Gladbach aus der Bundesliga abstieg (zwei Mal), dann als Tabellenletzter. Der neue Keeper Logan Bailly hat bereits bewiesen, dass er eine Verstärkung ist. Die Anzahl der Gegentore ging deutlich zurück - 1.5 gegenüber 2.1 pro Spiel. Keeper Bailly konnte ligaweit anteilig die zweitmeisten Bälle parieren (77.8 Prozent). Auch im restlichen Team ist eine aufsteigende Tendenz zu beobachten. Seit drei Spielen ist die Borussia ungeschlagen und konnte den Abstand auf den rettenden 15. Platz auf nur noch drei Zähler verringern. "Wir sind auf dem richtigen Weg, dass wir in eine Situation kommen, in der alle Fans wieder berechtigt hoffen dürfen", meinte Trainer Hans Meyer nach dem Sieg gegen Hannover erleichtert.