München - Im Gegensatz zum Titelrennen ist der Abstiegskampf in der Bundesliga so spannend wie lange nicht mehr. Mit dem SV Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf, dem FC Augsburg, der TSG 1899 Hoffenheim und der SpVgg Greuther Fürth geht es für fünf Teams in den verbleibenden acht Partien um nichts anderes als den Verbleib in der Liga. Besonders brisant ist der Kampf um den Relegationsplatz.

Die schlechteste Ausgangsposition im Abstiegskampf hat ganz klar die SpVgg Greuther Fürth. Mit gerade einmal 15 Punkten auf dem Konto ist das Team von Trainer Frank Kramer Tabellenletzter und hat bereits neun Zähler Rückstand auf den FC Augsburg, der derzeit auf Platz 16 rangiert. Blickt man in die Geschichtsbücher, wird ein Abstieg des "Kleeblatts" kaum noch abzuwenden sein: Der größte Rückstand, der jemals nach dem 26. Spieltag auf einen Nichtabstiegsplatz gut gemacht wurde, waren sieben Punkte. Dennoch will Frank Kramer die Saison so gut es geht zu Ende bringen: "Wir haben die Verpflichtung gegenüber dem Umfeld und den Fans, die beste Mannschaft auf die Platte zu bringen."

Die Franken sind zudem nicht nur insgesamt das schlechteste Team der Liga, sondern auch in der bisherigen Rückrunde. Seit nunmehr sechs Partien ist die Mannschaft ohne Sieg. Am Sonntag muss gegen die Frankfurter Eintracht, die genau wie Fürth seit sechs Spielen nicht mehr gewonnen hat, dringend ein Sieg, ansonsten können die Verantwortlichen wohl getrost für die zweite Liga planen.

Neuland Abstiegskampf



Besonders für den SV Werder Bremen ist der Abstiegskampf ungewohnt. Galt der Club von der Weser vor - und auch noch während der Saison - als Aspirant für die Europacupplätze, steht der SV hingegen aller Erwartungen derzeit mit 30 Punkten lediglich auf dem 14. Rang und hat den Klassenerhalt noch in keinster Weise sicher. Das sieht auch Stürmer Nils Petersen so: "Wir stecken mitten im Abstiegskampf. Der Vorsprung beträgt nur noch sechs Punkte. Echt wenig, gerade wenn man den Abstiegskampf nicht kennt."

Zudem zeigt die Formkurve der Hanseaten in den letzten Wochen steil nach unten. Seit fünf Spielen ist die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf sieglos. Auch kassierte das Team im Jahr 2013 bereits 22 Gegentore - Ligahöchstwert. Am Samstag gilt es nun beim Spiel in Mainz die Trendwende zu schaffen. "Uns traut derzeit kaum einer was zu. Ein unerwarteter Dreier in Mainz wäre wichtig. Wir müssen zeigen, dass wir noch leben", so Petersen.

Das Ziel heißt Platz 16



Ebenfalls ein Novum ist der Abstiegskampf für die TSG 1899 Hoffenheim. Seit dem Bundesligaaufstieg zur Saison 2008/2009 war die Mannschaft in der Endabrechnung nie schlechter als Platz elf und kam mit dem hinteren Tabellendrittel kaum in Berührung. Bei bereits neun Zählern Rückstand auf Platz 15 geht es für die Sinsheimer im Saisonendspurt primär wohl darum, vieleicht doch noch den Relegationsplatz zu erobern.

Seit Marco Kurz Anfang 2013 den Trainerposten bei der TSG übernahm, ist die Mannschaft vor allem Defensiv deutlich stabiler geworden. Erst acht Gegentore ließ das Team seitdem zu und stellt so nach dem FC Bayern München im Jahr 2013 die beste Abwehr der Liga. Dennoch sammelte die TSG in der Rückrunde erst acht Punkte - zu wenig wenn man sich aus dem Tabellenkeller befreien möchte.

Am kommenden Samstag steht nun beim FC Schalke 04 das erste der noch fünf ausstehenden Auswärtsspiele der TSG auf dem Programm. Eine Tatsache, die nicht unbedingt für einen Ligaverbleib der TSG spricht: Mit erst sieben Punkten sind die Hoffenheimer - neben Hannover 96 - das auswärtsschwächste Team der Liga.

Augsburg im Höhenflug



Nach nur neun Punkten in der Hinrunde stand der FC Augsburg für viele Experten bereits als sicherer Absteiger fest. Doch seit dem Jahreswechsel sind die bayerischen Schwaben nicht mehr zu bremsen: Bereits 15 Zähler holte der FCA im Jahr 2013 und belegt so in der Rückrundentabelle den dritten Platz. Durch die Erfolgsserie haben die Fuggerstädter ihren Rückstand auf den 15 Rang auf fünf Punkte verringert - nach dem 22. Spieltag waren es noch elf Zähler.

Nach den erfolgreichen letzten Wochen gilt nun gegen Hannover 96 nachzulegen, um zumindest den so hart erkämpften Relegationsplatz zu verteidigen. Gegen das auswärtsschwächste Team der Liga ist ein Punktegewinn für die Mannschaft von Markus Weinzierl auf jeden Fall drin. Der Trainer ist jedenfalls zuversichtlich: "Ich bin zuversichtlich, dass wir die Klasse halten. Wir kennen uns im Abstiegskampf aus, wissen, worauf es ankommt. Das hat die Mannschaft in den vergangenen Wochen gezeigt."

Im Sinkflug



Lange sah es so aus als hätte Fortuna Düsseldorf in dieser Spielzeit mit dem Abstieg nichts zu tun. Nicht immer war das Spiel der Düsseldorfer schön anzusehen, doch die Mannschaft von Trainer Norbert Meier sammelte stetig Punkte und hatte zu so gut wie jedem Zeitpunkt einen beruhigenden Vorsprung auf die Abstiegsplätze. In den letzten Spielen läuft es für die Rheinländer jedoch nicht mehr wirklich rund und das aufgebaute Polster ist auf nur noch fünf Zähler zusammengeschrumpft.

Am Samstag steht für die Fortuna das Derby gegen Bayer 04 Leverkusen an. Für die Fans mit Sicherheit eine prestigeträchtige Partie, doch für die 95er gilt es vielmehr, in den darauffolgenden beiden Spielen (in Hoffenheim und gegen Bremen) gegen die direkte Konkurrenz zu Punkten. "Das Spiel gegen Hoffenheim ist vielleicht das vorentscheidende gegen den Abstieg", erklärt Leon Balogun.

Mönchengladbach als Vorbild



Spannend bleibt der Abstiegskampf in den letzten acht Spielen mit Sicherheit. Vieleicht gelingt einem Team sogar ein kleines Fußballwunder wie Borussia Mönchengladbach in der Saison 2010/2011. Damals hatten die Borussen nach dem 26. Spieltag nur 23 Punkte auf dem Konto und waren mit fünf Punkten Rückstand auf den FC St. Pauli Tabellenletzter. Am Ende retteten sich die "Fohlen" - einem grandiosen Saisonendspurt sei Dank - noch in die Relegation und hielten die Klasse.

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Sebastian Dirschl