Hamburg - Er ist ein richtiger Hamburger Jung: Otto Addo. Der 39-jährige Trainer der Hamburger U19 verpasst den Junioren der Rothosen gerade den nötigen Feinschliff für die Rückrunde. Am Samstag gastiert die Addo-Elf bei CZ Jena. Gleichzeitig treffen in der Imtech Arena der Hamburger SV und Hannover 96 aufeinander (ab 18:00 Uhr im Liveticker). Für beide Vereine hat Addo gespielt, doch nur einem Team wünscht er die drei Punkte.

91 Mal lief Otto Addo für Hannover 96 auf. 1998 feierte er mit den Niedersachsen den Aufstieg in die 2. Bundesliga, doch am Samstag drückt er nicht den 96ern die Daumen sondern "seinem" Verein dem Hamburger SV. "Ich habe leider nie selbst in einem Nordderby mitgewirkt, da ich mit 96 nur in der 2. Bundesliga gespielt habe", erklärt Addo. Der ehemalige ghanaische Nationalspieler hofft am Samstag auf einen Sieg des Bundesliga-Dinos "danach", so Addo, "darf 96 bis zum Ende der Saison wieder alle Spiele gewinnen."

Ein leichter Gang wird es für die Hanseaten allerdings nicht, prophezeit Addo: "Es wird schwierig für den HSV. Man sieht auch in dieser Saison wieder, dass alles passieren kann. 96 ist kein einfacher Gegner, gerade auswärts sie sind unangenehm zu spielen. Die Mannschaft von Joe Zinnbauer muss an die Leistung des Paderborn-Spiels anknüpfen."

Tore geben Glaube an die eigene Stärke zurück

Nur neun Tore hatte der HSV in der Hinrunde geschossen, am Dienstag in Paderborn waren es alleine drei. Besonders dieser Umstand sollte den Rothosen für die kommenden Partien Mut machen, findet auch Addo: "Hinten steht der HSV jetzt wieder stabil und vorne kann die Offensivabteilung immer ein Tor machen. Gerade mit dem letzten Sieg ist der Glaube an die eigenen Qualitäten wieder zurückgekehrt." Live verfolgen kann Addo das Nordderby aber leider nicht. Mit den U19-Junioren des HSV gastiert er am Samstagmorgen zum Rückrunden-Start beim Carl Zeiss Jena. In der Nordstaffel der Bundesliga steht er mit dem HSV-Youngstern derzeit auf Platz sieben.

Addo: BVB zum Siegen verdammt

Neben dem HSV und Hannover 96 hatte Addo seine beste Zeit als aktiver Fußballer bei Borussia Dortmund. Zwischen 1999 und 2005 spielte der gebürtige Hamburger unter anderem an der Seite von Stefan Reuter, Jürgen Kohler und Marcio Amoroso. 2002 feierte er mit dem BVB die Deutsche Meisterschaft, Addos größter Erfolg. Von diesen Ruhmeszeiten sind die Dortmunder derzeit meilenweit entfernt. Der Champions League-Finalist von 2013 steht nach der Heimniederlage gegen Augsburg weiterhin am Tabellenende.

Auch Addo kann sich nicht erklären, wie sein Ex-Verein in so eine Negativspirale gelangen konnte. Jetzt wird es für die Schwarz-Gelben ein schwerer Weg raus aus der Krise, weiß auch er: "Wenn man unten steht, ist man zum Siegen verdammt. Das ist immer ein Vorteil für den Gegner, weil der ein Stück weit entspannter in die Partien gehen kann. Für die meisten Teams ist es auch keine Schande gegen den BVB zu verlieren und trotz der Tabellensituation ist der BVB immer noch der Favorit." Es komme jetzt darauf an, dass der BVB sich mental auf diese prekäre Lage einstellt. "Bei aller Qualität, die das Team hat, ist es dann am Ende doch eine Kopfsache. Die Spieler hoffen, dass der Knoten irgendwann einmal platzt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass diese Situation mental eine Belastung ist, denn auch ich war mal mit dem BVB im Abstiegskampf."

Großes Fußballwochenende für Addo

Nach seiner Zeit beim BVB wechselte Addo 2005 zu Mainz 05, dort trainierte er auch unter dem jetzigen BVB-Coach Jürgen Klopp. Addo ist weiterhin von den Qualitäten des Dortmunder Trainers überzeugt: "Er ist ein Top-Motivator, er versteht es immer etwas aus der Schublade zu holen mit dem sich jeder Spieler identifizieren kann. Rhetorisch hat er eine sehr hohe Qualität. Eigentlich müsste er auch schon deshalb der Richtige in dieser Situation sein. Die aktuelle Lage beim BVB ist schwer erklärbar. Ich wünsche den Dortmundern, dass sie da unten rauskommen."

Am Sonntagabend sitzt der 15-malige ghanaische Nationalspieler gespannt vor dem Fernseher, denn es steht das Finale des Afrika Cups an. Ghana gegen die Elfenbeinküste. Klar, dass er Ghana, seinem Heimatland, die Daumen drückt. "Leider habe ich einige Spiele von Ghana beim Afrika Cup verpasst, weil ich selbst Training hatte, aber das Finale schaue ich mir an. Wenn das Team seine Qualität abruft, ist der Titel drin."

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage