Hamburg/Köln - Jetzt sind es nur noch 90 Minuten. Noch sechs Teams müssen am 34. Spieltag um den Verbleib in der Bundesliga zittern. Vier der sechs Mannschaften haben ihr Schicksal dabei selbst in der Hand und können sich aus eigener Kraft aus dem Abstiegssumpf ziehen. Nur der Hamburger SV und der SC Paderborn sind auf Schützenhilfe angewiesen. Aber auch die beiden Letztplatzierten haben noch Chancen auf den Klassenerhalt. Vier der sechs Teams treffen am letzten Spieltag in direkten Duellen aufeinander. Jubelschreie und Abstiegstränen sind also garantiert beim spannendsten Abstiegskampf aller Zeiten. bundesliga.de hat sich die Formkurven der Teams einmal angeschaut und beleuchtet die aktuelle Situation der Clubs.

Hertha BSC

Wer hätte gedacht, dass die Hertha noch einmal mittendrin im Abstiegskampf ist. Nach zwei Siegen am 26. und 27. Spieltag (1:0 in Hamburg/ 2:0 gegen Paderborn) standen die Berliner auf Platz elf. Doch danach ging nicht mehr viel für Hertha BSC. Aktuell weisen die Hauptstädter ihre  längste Negativserie der Saison auf - und das zur Unzeit. In den letzten sechs Partien blieben die Blau-Weißen ohne Sieg (3 Remis, 3 Niederlagen). Im Heimspiel gegen harmlose Frankfurter vergab die Hertha den ersten Matchball.

Trotzdem hat das Team von Trainer Pal Dardai im Abstiegsrennen die beste Ausgangssituation, denn bereits ein Punkt am letzten Spieltag würde den Berliner zum Klassenerhalt reichen. Hoffnung macht vor allem der kommende Gegner, denn am Samstag geht es für die Herthaner nach Sinsheim. Dort wartet mit der TSG Hoffenheim, ein Team für das es um fast nichts mehr geht. Die Kraichgauer haben keine realistische Chance mehr auf die Europa League (Dortmund und Bremen müssten remis spielen, Hoffenheim mit elf Toren Unterschied gegen die Hertha gewinnen). Außerdem geht den Hoffenheimern zum Ende der Saison die Puste aus. In der Tabelle der letzten sechs Spieltage steht die TSG auf dem vorletzten Platz. 

SC Freiburg

In Hamburg verspielte der SC Freiburg noch zwei wichtige Punkte in allerletzte Minute. Gegen den Rekordmeister aus München gelang den Breisgauern dann der erhoffte Dreier kurz vor Schluss. Maßgeblich am Aufschwung der Freiburger beteiligt ist Nils Petersen. Der von Werder Bremen ausgeliehene Stürmer schwingt sich zum Last-Minute-Retter auf. In nur elf Saisoneinsätzen für den SCF traf Petersen satte acht Mal, davon fünfmal als Joker (Ligaspitze). Im Schnitt traf  der Leihstürmer alle 60 Minuten. Eine unglaubliche Quote.

Der Angreifer hat übrigens sehr gute Erinnerungen an den kommenden Gegner Hannover 96, denn gegen die Niedersachsen schnürte er seinen ersten Bundesliga-Doppelpack (zu Bremens 2:0-Heimsieg am 1. Februar 2013). Unter Trainer Christian Streich sind die Breisgauer gegen Hannover sehr erfolgreich. Gegen keinen Verein gewannen die Freiburger häufiger seit dem Streich beim SCF das Zepter schwingt (drei Siege, zwei Remis, nur eine Niederlage).

Weiteres Plus für Freiburg: Auswärts wurde gegen keinen direkten Konkurrenten bisher verloren (Siege in Berlin und Stuttgart, Unentschieden in Hamburg und Paderborn). Die Freiburger haben es in Hannover in der eigenen Hand. Ein Zähler würde aufgrund der besten Tordifferenz der Kellerkinder den Klassenerhalt perfekt machen.

Hannover 96

Sein Wechsel zu Borussia Mönchengladbach steht bereits seit Wochen fest, doch Lars Stindl gibt für Hannover 96 bis zum Schluss sein letztes Hemd. Der Kapitän der 96er erzielte für die Roten bislang zehn Tore. In Augsburg sorgte der 26-Jährige mit einem Doppelpack fast im Alleingang für den ersten Sieg der Niedersachsen im Jahr 2015. 16 Spiele mussten die Anhänger auf einen Sieg warten.

Durch den Erfolg bei den Schwaben, gegen die auch der letzte Heimsieg gelang, hat Hannover 96 das Heft des Handelns wieder selbst in der Hand. Ein Sieg gegen die punktgleichen Freiburger und 96 wäre auf jeden Fall gerettet. Gegen keinen anderen aktuellen Bundesligisten erzielten die Hannoveraner mehr Tore (2,4 pro Spiel).

VfB Stuttgart

Zuerst das Negative: Der VfB Stuttgart hat in der Rückrunde noch kein Auswärtsspiel gewonnen, die letzten vier sogar allesamt verloren. Allerdings treffen die Schwaben mit dem SC Paderborn auf das heimschwächste Team der Liga. Das war es aber auch mit den schlechten Nachrichten, denn die Schwaben sind derzeit in richtiger Torlaune. An den letzten fünf Spieltagen schoss kein Bundesliga-Team mehr Tore als der VfB (neun).

Erstmals unter Huub Stevens konnten die Stuttgarter zwei Spiele in Folge gewinnen. In der Tabelle zogen sie dank des 2:1-Heimerfolges am HSV vorbei und haben ihr Schicksal wieder selbst in der Hand. Ein Auswärtssieg würde definitiv zum Klassenerhalt reichen, eine Niederlage aber auch den direkten Abstieg bedeuten. Mut sollten dem VfB auch die direkten Duelle gegen die Abstiegskandidaten machen. Die Schwaben haben weder gegen Freiburg, Hannover, den HSV noch Paderborn verloren (vier Siege, drei Remis).

Hamburger SV

Eigentlich war der Hamburger SV nach drei ungeschlagenen Spielen (zwei Siege, ein Remis) auf dem Weg, den Klassenerhalt frühzeitig einzufahren. Doch die Niederlage beim VfB und die Siege von 96 und Freiburg bescherten den Hanseaten wieder einen direkten Abstiegsplatz. Zusammen mit dem SC Paderborn waren die Hamburger ganz klar die Verlierer des Spieltags im Tabellenkeller. Die Rothosen haben es nun nicht mehr in der eigenen Hand, sie müssen auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen.

Noch hat die Stadionuhr des Bundesliga-Dinos ihren Betrieb nicht eingestellt - soll sie auch nach dem 34. Spieltag weiterticken, muss im Heimspiel gegen Schalke 04 zwangsläufig ein Sieg her. Nur wenn der HSV gewinnt, hat er überhaupt noch Chancen auf den Klassenerhalt. Kapitän Rafael van der Vaart wird seinem Team nicht mehr helfen können. Der Niederländer handelte sich kurz vor Schluss in Stuttgart seine zehnte Gelbe Karte ein und wird dem HSV fehlen. Van der Vaart verlässt den HSV am Saisonende und muss tatenlos zuschauen.

Trotz der Niederlage beim VfB haben die Hamburger in den letzten vier Partien nur einmal verloren (2 Siege und ein Remis). Hoffnung macht dem HSV vor allem der Gegner. Für den FC Schalke 04 geht es am Samstag um nichts mehr. Nach dem glücklichen Heimsieg gegen den SC Paderborn haben die Königsblauen die Europa League sicher. Zweiter Hoffnungsschimmer ist Gojko Kacar. Der zuvor Ausgemusterte ist unter Trainer Bruno Labbadia derzeit in Topform und schoss in den letzten drei Partien drei Tore. 

SC Paderborn

Nach dem Motto "wir haben keine Chance mehr, als nutzen wir sie" geht der SC Paderborn mit den denkbar schlechtesten Voraussetzungen in den letzten Spieltag. Die Ostwestfalen haben nichts mehr zu verlieren und können nur noch gewinnen. Der SCP ist ausgerechnet nach dem 33. Spieltag zum ersten Mal Tabellenletzter, einen ungünstigeren Zeitpunkt kann es nicht geben. Auch die mit Abstand schlechteste Tordifferenz (-33) aller Abstiegskandidaten erhöht die Chancen auf eine Rettung nicht.

Mut machen sollten den Paderbornern der starke Auftritt beim FC Schalke 04. Der SCP erspielte sich eine Vielzahl guter Chancen, konnte diese jedoch nicht nutzen. Ein weiterer Pluspunkt ist das direkte Duell gegen den VfB Stuttgart. Mit einem Heimerfolg gegen die Schwaben würden man den VfB in der Tabelle überflügeln, wäre dann aber ausgerechnet vom FC Schalke abhängig, der gegen den Hamburger SV nicht verlieren dürfte. Vielleicht revanchieren sich die Königsblauen ja für das Auslassen der vielen Torchancen und dem unglücklichen Eigentor des SCP-Kapitäns Uwe Hünemeier im direkten Duell vom vergangenen Samstag.