München - Es war die 89. Minute zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern am 34. Spieltag der Saison 1998/99 als Frankfurts Jan-Aage Fjörtoft eines der wichtigsten Last-Minute-Tore der Bundesliga-Geschichte schoss.

Sein Treffer sorgte nicht nur zum 5:1-Sieg der Hessen, es bedeutete gleichzeitig den Klassenerhalt für sein Team. Ein unglaublicher Schlussspurt der Frankfurter wird belohnt.

Spannender Spieltag für die "Kellerkinder"

Der Abstiegskampf in der aktuellen Bundesliga-Saison wartet nicht erst bis zum 34. Spieltag, er bietet schon jetzt höchste Dramatik. Sieben Mannschaften sind in den Kampf um den Klassenerhalt verwickelt, den Tabellenzwölften Werder Bremen trennen nur sechs Punkte von Schlusslicht Borussia Mönchengladbach. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel waren nach einem 26. Spieltag nie weniger Punkte zwischen dem Zwölften und dem Letzten.

Und am vergangenen Spieltag brachten insbesondere die letzten Spielminuten dramatische Wendungen für die abstiegsbedrohten Teams, denn gleich in vier Partien fielen Last-Minute-Tore, die sich in der Tabelle deutlich bemerkbar machten.

Auf dem Kiez schoss Sven Schipplock seinen VfB Stuttgart in der 88. Minute gegen den FC St. Pauli zum Sieg. Durch diesen späten Treffer kletterten die Schwaben in der Tabelle auf Rang 13 und überließen den Hamburgern den Relegationsplatz.

"Wölfe" wieder ohne Beute

Einen heftigen Rückschlag im Abstiegskampf musste auch der VfL Wolfsburg hinnehmen. Die "Wölfe" spielten zwar gegen den 1. FC Nürnberg bis zu ihrer Führung recht gefällig, standen aber am Ende wieder ohne Beute da. In der zweiten Minute der Nachspielzeit köpfte Per Nilsson die Franken zum Sieg und stürzte den Meister von 2009 auf einen direkten Abstiegsplatz.

Am Betzenberg fiel der entscheidende Treffer sogar noch später: Erwin Hoffer brachte den 1. FC Kaiserslautern in der dritten Minute der Nachspielzeit mit einem Gewaltschuss in Front und sicherte den Pfälzern einen überlebenswichtigen "Dreier".

"Nehmen viel Positives mit"

Werder Bremen kassierte im Abstiegsduell gegen Borussia Mönchengladbach in der Nachspielzeit (90.+ 2) den Ausgleich und fühlte sich dementsprechend nach Abpfiff trotz eines Unentschiedens wie der Verlierer.

Trotz der Enttäuschung konnte Trainer Thomas Schaf der Partie noch etwas Gutes abgewinnen: "Das war sicherlich wieder eine bessere Partie als in den letzten Wochen. Drei Punkte waren heute möglich, aber wir haben immerhin wieder einen Punkt geholt und nehmen viel Positives aus dieser Begegnung mit." Werder Bremen befindet sich damit weiterhin mittendrin im Abstiegskampf.

Was späte Tore angeht, sind die Kicker von der Weser Spezialisten. Normalerweise, anders als gegen Gladbach, profitierten die "Grün-Weißen" in der laufenden Saison aber von Last-Minute-Treffern: In sechs Partien traf Bremen ab der 88. Minute, wenngleich nur drei der Tore den Ausgang der Partien beeinflussten. Am 18. Spieltag erzielte Torsten Frings gegen 1899 Hoffenheim den 2:1-Siegtreffer, am 21. Spieltag glich Claudio Pizarro in Mainz zum 1:1 aus und am 24. Spieltag gelang Sebastian Prödl das 2:2 gegen Bayer Leverkusen.

Frankfurt mit sieben späten Gegentoren

Weniger gute Erfahrungen mit späten Toren machte Eintracht Frankfurt. Die Hessen kassierten sieben Gegentore ab der 88. Minute. Sie hatten aber Glück im Unglück, denn nur zwei der sieben Gegentreffer kosteten Punkte. Der FC Bayern ist der einzige Bundesligist, der in der laufenden Spielzeit noch ohne spätes Gegentor ist.

Insgesamt fielen in dieser Saison 61 der 696 Bundesliga-Tore ab der 88. Minute. Borussia Dortmund und Werder Bremen sind mit je sechs späten Treffern die Spitzenreiter in diesem Ranking. Gefolgt vom 1. FC Kaiserslautern, Hannover 96 und Bayern München, die jeweils fünf Mal ab der 88. Minute oder später erfolgreich waren. Am Ende dieser Statistik rangieren der FC Schalke 04, der VfB Stuttgart und der VfL Wolfsburg mit jeweils nur einem späten Tor.

David Schmidt