Augsburg - Abstiegsängste? Die mögen hier und dort grassieren, vielleicht in Hoffenheim, in Düsseldorf und möglicherweise sogar in Bremen. In Augsburg dagegen stellt sich die Situation ganz anders dar. Die Metropole des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben ist eine (abstiegs)angstfreie Zone - obwohl der FCA auch in dieser Saison Gefahr läuft, seinen Platz in der Beletage des deutschen Fußballs am Ende der Saison räumen zu müssen.

Die Gelassenheit in dieser Angelegenheit trat unlängst deutlich zu Tage, als Clubchef Walther Seinsch die Gemeinde Mertingen nahe Donauwörth aufsuchte, um im dortigen Bierzelt mit Fans zu plauschen. Auf die Frage, was er denn am 18. Mai um 17.23 Uhr - also unmittelbar nach dem Abpfiff der finalen Meisterschaftspartie gegen die SpVgg Greuther Fürth - zu tun gedenke, antwortete er mit demonstrativer Gelassenheit: "Die Hucke vollsaufen." Und das unabhängig von den dann herrschenden Gegebenheiten. Ob Klassenerhalt, Abstieg oder Relegation - dem Alkohol, versicherte der Präsident, werde in jedem Fall gefrönt.

"Augsburg langfristig in der Bundesliga etablieren"



Ganz so locker, wie es in Mertingen zum Ausdruck gekommen sein mag, geht man in der Führungsetage des Vereins mit dem heiklen Thema Abstieg natürlich nicht um. Zudem ist es auch auszuschließen, dass Freudengesänge die Begleitmusik zum Gang in Liga zwei sein werden. Doch was anderswo als sportlicher GAU gilt, hat beim FCA einen erheblich niedrigeren Stellenwert. Anderenfalls wäre im Verlauf der katastrophalen Vorrunde mit lächerlichen neun Punkten aus 17 Spielen die Reißleine gezogen und Cheftrainer Markus Weinzierl entlassen worden.

Der Rutsch vom Ober- ins Unterhaus ist in Augsburg vielmehr einkalkulierte Möglichkeit auf dem Weg zum angepeilten Ziel. Nach dem Aufstieg vor knapp zwei Jahren hatte Seinsch angekündigt, dass sein Bestreben sei, "den FCA mittelfristig in der Bundesliga zu etablieren". Ein zwischenzeitlicher Abstieg werde daran nichts ändern.

Langfristige Verträge für ein langfristiges Ziel



Im Einklang mit diesen Worten stehen Taten, die Stefan Reuter in den letzten Monaten auf dem Personalsektor vollbracht hat. Dem Geschäftsführer Sport ist es nach und nach gelungen, die Verträge mit den Schlüsselspielern Daniel Baier, Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Kapitän Paul Verhaegh (alle bis 2016) und Sascha Mölders (bis 2015) zu verlängern, wobei die Arbeitspapiere unabhängig von der Klassenzugehörigkeit Gültigkeit besitzen.

Dass ausgerechnet Korsettstangen das (nicht geringe) Risiko eingegangen sind, in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga am Ball zu sein, zeigt: Der Plan des Vereins, sich auch im Fall des Abstiegs zu einem festen Bestandteil der Eliteklasse zu entwickeln, muss ein solides Fundament haben.

"Wir sind ein Team"



Bei den Spielern herrscht jedoch die Zuversicht vor, dass der Klassenerhalt geschafft wird. Auch gelegentliche Negativerlebnisse, wie etwa die Heimniederlagen gegen den 1. FC Nürnberg (1:2) und Hannover 96 (0:2) sowie das jüngste 0:1 in Mönchengladbach, taten dem Optimismus keinen Abbruch. "Wir müssen jetzt den Kopf wieder hoch nehmen und nächste Woche zuhause gegen Stuttgart punkten", sagte Jan-Ingwer Callsen-Bracker nach dem erfolglosen Auftritt bei der Borussia, und Andre Hahn fügte nicht weniger kämpferisch hinzu: "Wir sind ein Team und werden auch diesen Rückschlag wegstecken und weiter daran arbeiten, die nötigen Punkte zu holen."

Der Unterstützung durch ihre Fans können sich die Profis dabei sicher sein. Im stets proppenvollen M-Block, den der harte Kern besetzt hält, herrscht ohnehin immer Hochstimmung - unabhängig von den jeweiligen Zwischen- und Endständen. Und auch die wankelmütigen unter den Anhängern haben in der entscheidenden Phase im Überlebenskampf wieder Blut geleckt. Wie schon vor zwei Wochen beim 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt ist die SGL-Arena auch am Samstag gegen den VfB Stuttgart ausverkauft.


Gründe für den Klassenerhalt:

  • Augsburg kann offensiv ohne Angst vor Kontern spielen - nur zwei Teams ließen weniger Konter-Gegentore zu als Augsburg (vier).

  • Als einzige der vier Mannschaften, die noch um den Abstieg spielen, steht Augsburg in der Rückrundentabelle in der oberen Hälfte (9. mit 18 Punkten - in der Hinrunde waren es nur neun Zähler).

  • Bayerische Schützenhilfe? Augsburg muss am vorletzten Spieltag zu den Bayern, für die es um nichts mehr geht. Am letzten Spieltag geht es daheim gegen Fürth, dann vermutlich bereits abgestiegen.


Gründe für den Abstieg:

  • Nur die Schwaben und Greuther Fürth haben im Schnitt weniger als ein Tor pro Spiel erzielt - der FCA traf in 30 Spielen nur 27 Mal.

  • In der 2. Halbzeit der Spiele traf Augsburg nur zehnmal (Ligaminus) - in 20 von 30 Spielen gelang kein Tor nach dem Seitenwechsel.

  • Augsburg nutzte im Schnitt nur jeden 16. Torschuss zum Tor und verwertete nur 37 Prozent aller Großchancen - nur Greuther Fürth hat eine noch schlechtere Chancenverwertung.


Der große Formcheck - so sieht's bei den Konkurrenten aus




Bremen | Düsseldorf | Hoffenheim


Aus Augsburg berichtet Reinhart Kruse