Hannover 96 wird sich am kommenden Sonntag (11 Uhr) in der heimischen AWD-Arena gemeinsam mit seinen Fans vom verstorbenen Torhüter Robert Enke verabschieden. An der Zeremonie werden auch der Stab um Bundestrainer Joachim Löw sowie die komplette deutsche Nationalmannschaft und Vertreter der DFB-Spitze um Präsident Dr. Theo Zwanziger teilnehmen.

Anschließend kommt es im privaten Kreis in der Nähe von Enkes Wohnort bei Neustadt am Rübenberge zur Beisetzung des Verstorbenen.

Großer Zuspruch erwartet

"Ich hoffe, dass wir mit den Trauerfeierlichkeiten am Sonntag einen Abschluss und ein wenig in den Alltag zurückfinden", sagte 96-Manager Jörg Schmadtke am Donnerstag. Durch die Zeremonie wird ein Geistlicher leiten.

Nachdem bereits am Mittwochabend rund 35..000 Menschen im Gedenken an Enke einen Trauerzug durch die niedersächsische Landeshauptstadt gebildet hatten, rechnet der Verein auch für den Sonntag mit großem Zuspruch für die Veranstaltung im 49.000 Zuschauer fassenden Stadion.

"Fußball ist nicht alles"

Neben dem Trauermarsch hatte am Mittwoch ein Gedenkgottesdienst mit über 1.000 Besuchern in Hannovers Marktkirche stattgefunden. Außer Zwanziger waren hierzu auch Bundestrainer Joachim Löw samt seines Stabes, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und DFB-Kapitän Michael Ballack angereist, um Enkes Witwe Teresa ihr Mitgefühl und Beileid auszusprechen. Absolute Stille herrschte vor allem in dem Moment, als Ballack Enkes Witwe Teresa herzlich in den Arm nahm und tröstete.

Der DFB hatte das für kommenden Samstag angesetzte Testspiel in Köln gegen Chile nach Enkes Selbstmord abgesagt. "Es ist gut, dass der Leistungssport nicht immer in Betrieb bleibt, sondern innehält. Fußball ist nicht alles in unserem Leben", sagte Margot Käßmann, die die Zeremonie als Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers leitete.

"Empathie und Mitleid für Leid, Schwäche und Krankheit"

In der bewegenden Andacht zitierte die Geistliche zudem immer wieder aus der Fußball-Hymne "You'll never walk alone" und versuchte den Hinterbliebenen und Fans Kraft zu geben. Beim Blick in die zum Teil mit Tränen überströmten Gesichter der Trauernden sagte Käßmann: "Robert Enke würde nicht wollen, dass ihm jemand auf diesem Weg folgt. Er hat das Leben geliebt und wünschte sich Wege zum Leben."

Enke hatte sich am Dienstagabend aufgrund von Depressionen, die er jahrelang vor der Öffentlichkeit verbarg, an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge das Leben genommen. "Leid, Schwäche und Krankheit sind Teile unseres Lebens. Dafür darf es keine Pfiffe geben, sondern Empathie und Mitleid", sagte Käßmann: "Wie traurig ist es, nicht über Depressionen sprechen zu können, weil das in unserer Gesellschaft als Schwäche angesehen wird."