Mainz - Es war der große Tag der Emotionen in Mainz am Samstag beim 2:0 (0:0) gegen den 1. FC Köln: Erst wurde der verletzte Elkin Soto in der 19. Minute mit Sprechchören und dem Hissen eines riesigen Trikots mit seiner Nummer 19 euphorisch gefeiert. Dann hieß es Abschied zu nehmen von der Mainzer Fußball-Legende Nikolce Noveski.

FSV-Trainer Martin Schmidt konnte sich am Ende das Lachen nicht verkneifen. Er freute sich nach zuvor zwei Niederlagen in Serie über den Sieg, aber richtig belustigt nahm der Schweizer die Nachricht auf, dass Nikolce Noveski zur Dopingprobe musste. Es war der pointenreiche Abschluss der Nikolce-Noveski-Feierlichkeiten in Mainz.

Großes Gefühlskino

Eigentlich war dieses 2:0 (0:0) des 1. FSV Mainz 05 nach Toren von Ja-Cheol Koo (47.) und dem eingewechselten Jairo Samperio (83.) angesichts der pikanten Abstiegsduelle auf den anderen Plätzen ja so etwas wie die Begegnung um die goldene Dom-Meisterschaft an diesem Bundesliga-Spieltag. Aber der Abschied von Noveski nach elf Jahren und 304 Spielen für Mainz 05 geriet zum großen Gefühlskino.  

Als der "Eisenmann" (Homepage Mainz 05) drei Minuten vor dem Abpfiff ausgewechselt wurde und die Menschen im fast vollen Stadion seinen Namen skandierten, da konnte der harte Verteidiger seine Emotionen nicht mehr zurückhalten: Er weinte. Nach dem Abpfiff blieben mehr als 20.000 Menschen noch lange in der Arena, um der 36 Jahre alten Clublegende zu huldigen. Noveski prägte den Aufstieg des Clubs zur nachhaltigen Marke in der Bundesliga mit wie nur wenige. Angebote anderer Clubs lehnte er trotz höherer Verdienstmöglichkeiten immer wieder ab. "Mir hat es hier jeden Tag Spaß gemacht, zum Training zu kommen", sagte Noveski. Und überwältigt von dem Zuspruch, den er erfuhr, sagte er: "Die Leute haben gemerkt, dass ich immer alles gegeben habe. Und dass das heute so zurückkommt, ist einfach nur schön."

Hoher Stellenwert im Club

Den großen Abschied für die Clublegende erklärte Manager Christian Heidel: "Es war nötig, dass der Spieler das Gefühl dafür bekommen hat, welchen Stellenwert er im Verein hat."

Der wortkarge Mazedonier hatte vor dem Spiel seine Enttäuschung zum Ausdruck gebracht, dass er erst kurzfristig von seinem Abschied von Nullfünf erfahren hatte. Nun aber, nach all den warmen Worten, nach all der Wertschätzung für seine Leistungen, gab er sich versöhnlich. Vielleicht, sagte er, hänge er noch ein Jahr im Profifußball dran, er fühle sich noch fit. Als Leitfigur für die Mainzer U 23-Mannschaft wolle er aber nicht dienen.

Warum die Mainzer mit ihrer langjährigen Leitfigur nicht mehr verlängern wollten, erklärte Trainer Martin Schmidt. Für den bald 37-Jährigen werde es schwer, die Leistung über eine ganze Saison hochzuhalten, sagte der Schweizer: "Und ein Spieler wie Noveski hat es nicht verdient, auf der Tribüne zu sitzen. Er hat es verdient, als großer Spieler zu gehen. Das kann er jetzt." Schon in dieser Saison lief es nicht mehr so, wie Noveski sich das vorgestellt hatte. Oft saß der Routinier und Rekord-Eigentorschütze der Bundesliga (sechs Eigentore, so viele wie HSV-Legende Manfred Kaltz) nur auf der Bank oder auf der Tribüne.

Neuer Ehrenspielführer des FSV

FSV-Manager Heidel kündigte ein Abschiedsspiel für den treuen Abwehrmann im Sommer an. Und: Noveski wird zum Ehrenspielführer des Clubs ernannt. "Du bist ein Sinnbild für unseren bescheidenen Erfolg in den letzten Jahren", rief Heidel dem langjährigen Kapitän übers Stadionmikrofon vor der Fankurve zu: "Egal, was passiert, dir stehen hier alle Türen offen."

Der Geehrte konterte mit einem Witz, er sagte: "Vielleicht nehme ich ja eine Stelle in der Kommunikationsabteilung an." Noveski ist für vieles bekannt, nicht aber für viele Worte. Die Mainzer Fans hatten schon vor dem Spiel auf einem Banner den Charakter des Innenverteidigers beschrieben: "Viele Taten, wenige Worte – Danke für alles."

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter