Dortmund - Yann Sommer ist ein ausgezeichneter Torhüter - und ein grundehrlicher Typ. Beides konnte der Schlussmann von Borussia Mönchengladbach bei der 0:1-Niederlage gegen Borussia Dortmund einmal mehr unter Beweis stellen.

Trotz mehrerer Glanzparaden des 25-jährigen Schweizers riss die Erfolgsserie der Fohlenelf beim BVB. Und Yann Sommer machte nach dem Spiel gar keinen Hehl daraus, wie verdient diese Niederlage war. Ein Interview über Gladbacher Defizite in Offensive und Defensive, ein kurioses Eigentor und die Rückkehr auf den Erfolgsweg.

Frage: Yann Sommer, nach 18 Spielen musste Gladbach wieder eine Niederlage hinnehmen. Ärgerlich, dass das ausgerechnet durch ein Eigentor passiert ist?

Yann Sommer: Es war doch klar, dass auch diese Serie irgendwann einmal reißen wird. Dass solche Sachen in einem Spiel mal passieren können, das gibt es einfach. Es war zwar die entscheidende Situation, aber letztlich in diesem Spiel doch nur eine Kleinigkeit. Wir waren in Dortmund über 90 Minuten die schlechtere Mannschaft. Das müssen wir uns so offen eingestehen.

"Wir haben fast keine Zweikämpfe gewonnen"

Frage: Was war denn los beim Eigentor von Christoph Kramer? Sie standen weit vor dem Tor - hat er Sie vielleicht nicht gesehen?

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Sommer: Natürlich hat er mich gesehen. Das war doch auch gar nicht das Problem. Er wollte den Ball zurückspielen, dann ist er ihm versprungen. Ganz einfach. Das gibt es, das ist Fußball. Der Platz war nicht gut, es sind viele Bälle geholpert und nicht alle Bälle waren gut zu kontrollieren. Christoph ist ein überragender Fußballer und auch so einem passiert das mal. Einfach abhaken und nach vorne schauen.

Frage: Sie haben deutlich gesagt, dass Gladbach über 90 Minuten die schlechtere Mannschaft war. Was war das Problem?

Sommer: Wir haben fast keine Zweikämpfe gewonnen und fast keine zweiten Bälle bekommen. Dortmund hat über 90  Minuten sehr gutes Pressing gespielt und die Räume sehr eng gemacht. Wir haben gegen eine sehr, sehr gute Mannschaft gespielt und auch verdient verloren.

"Sie haben uns unsere Stärken genommen"

Frage: Waren Sie überrascht, dass der BVB in solcher Topform aufläuft und dann so schwer zu bespielen ist?

Sommer: Die Dortmunder gehören ganz bestimmt nicht dahin, wo sie zurzeit in der Tabelle stehen. Wir haben auch ihren Auftritt in der Champions League gesehen und wussten, was sie können. Sie haben sehr gut gespielt, während wir eigentlich nie richtig hinten raus kamen. Wir hatten immer wieder zu viele Ballverluste, das war eines der größten Probleme. Und wir haben uns über die gesamte Zeit eigentlich auch keine richtige Torchance erarbeiten können. Ich glaube, am Ende stand gerade einmal ein Torschuss in unserer Statistik.

Frage: Wo waren die Tugenden, die Gladbach in den letzten Wochen gezeigt hat?

Sommer: Die Dortmunder haben uns unsere Stärken genommen, das muss man so sagen. Sie haben das sehr geschickt gemacht, uns gut angelaufen und zumeist weit weg von ihrem Tor gehalten. Da ist uns kein richtiges Mittel eingefallen. Wir haben auch zu viele Fehler gemacht, sodass wir eigentlich zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf das Spiel gefunden haben.

Frage: Wie geht es jetzt weiter für die Borussia?

Sommer: Ich denke nicht, dass uns diese Niederlage von unserem Weg abbringen wird. Warum auch? Das war ein schlechtes Spiel, aber das ist es dann auch. Auch hier gilt: Abhaken und nach vorne schauen! Nach der Länderspielpause wollen wir gegen Frankfurt wieder an das anknüpfen, was uns in den letzten Wochen ausgezeichnet hat und da weitermachen, wo wir vor diesem Spiel waren.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte