München - Robert Lewandowski vergab im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Benfica Lissabon die Chance zum 2:0. Doch der Stürmer des FC Bayern München versuchte rasch, einen Haken hinter die Sache zu machen. Denn bereits am Samstag steht das nächste Bundesliga-Spiel beim VfB Stuttgart an (15.30 Uhr / Liveticker bei bundesliga.de).

"Schon in diesem Moment spielt es keine Rolle mehr. Es ist vorbei", sagte er. Und doch kreisten Lewandowskis Gedanken auch noch lange nach dem 1:0 des FC Bayern München gegen Benfica Lissabon um diese eine Szene in der 89. Minute. Im Kopf spielte der Top-Torjäger des FC Bayern München dabei alle möglichen Szenarien durch. "Wenn ich einen guten Pass gespielt hätte, wäre es ein sicheres Tor gewesen", sagte der 27-Jährige. "Wahrscheinlich hätte ich in der Situation egoistischer sein sollen."

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Was war passiert? Glänzend freigespielt von Arturo Vidal tauchte Lewandowski links im Strafraum plötzlich frei vor Benficas Torhüter Ederson auf. Uneigennützig wollte er den in der Mitte mitgelaufenen Philipp Lahm bedienen, doch Lewandowskis Pass war für den Kapitän unerreichbar. "Ich weiß nicht, ob ich viel Platz gehabt habe. Ich habe nur Philipp gesehen und deswegen wollte ich zu ihm spielen", sagte Lewandowski.

Hinspiel-Heimsieg als gute Grundlage

Ein 2:0 hätte die Chancen aufs Weiterkommen freilich vergrößert, doch auch so hat sich der FC Bayern eine sehr gute Ausgangsposition für die fünfte Halbfinal-Teilnahme in der Champions League in Folge geschaffen. Ein Heimsieg im Hinspiel war in den vergangenen neun K.o.-Spielen im Europapokal jeweils die Basis für das Erreichen der nächsten Runde. Zum bislang letzten Mal scheiterten die Bayern 2002 nach einem Heimsieg an Real Madrid.

Interview mit Thomas Müller: "Gutes Ergebnis, aber nichts entschieden"

Doch die jüngste Bilanz von Benfica Lissabon sollte den Münchnern eine Warnung sein. Denn nach einer Auswärtsniederlage im Hinspiel gelang dem portugiesischen Rekordmeister in den letzten drei Fällen im Europapokal jeweils trotzdem der Einzug in die nächste Runde. "Ihr Spiel hat mich nicht überrascht. Es ist wirklich nicht einfach gegen sie", sagte Bayern-Trainer Pep Guardiola. "Trotzdem hatten wir ein paar richtig gute Chancen und hätten mehr Tore machen müssen."

"Wir müssen zeigen, wer wir sind"

Und so war Vidals Blitztor nach 110 Sekunden nicht nur der schnellste Pflichtspiel-Treffer der Bayern in der laufenden Saison, sondern zugleich auch der einzige des Abends. Der glücklose Thomas Müller haderte daher mit der etwas geringen Torausbeute. "Wir waren vielleicht nicht so kaltschnäuzig, wie wir es in der Vergangenheit schon gewesen sind", sagte Müller. Dem neuen Minimalismus konnte der 26-Jährige nach dem dritten 1:0-Pflichtspielsieg in Serie aber auch etwas Gutes abgewinnen. "Das ist ein positiver Trend. Wenn wir den bis zum Saisonende durchziehen, sieht es gut aus."

Interview mit Arturo Vidal: "Ich kann meine Stärken ausspielen"

Zunächst einmal hätten die Münchner nichts dagegen, wenn dieser Trend zumindest bis zum Rückspiel am kommenden Mittwoch in Lissabon anhalten würde. "Wir sollten versuchen, mindestens ein Tor zu schießen", gab Lewandowski die Marschroute vor. "Aber wir dürfen uns nicht nur darauf konzentrieren, unbedingt schnell ein Tor zu schießen. Wir müssen unser Spiel spielen. Wir sind Bayern München und wir müssen zeigen, wer wir sind." Schließlich sollen nach dem Schlusspfiff die Gedanken nicht wieder um vergebene Chancen kreisen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz