Zusammenfassung

  • Der Neuzugang schwärmt von seinem neuen Verein

  • Die Schweizer Elvedi und Sommer helfen ihm bei der Integration

  • Er freut sich vor allem auf die Spiele gegen den BVB und die Bayern

Mönchengladbach - Seit einiger Zeit war Denis Zakaria im Fokus der Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach. Die "Fohlen" haben den hochveranlagten Schweizer Nationalspieler, der bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Köln eine starke Leistung zeigte, gleich für fünf Jahre an sich gebunden. In seinem ersten Interview als Borusse spricht der wohltuend unprätentiöse 20-Jährige über seine Entscheidung für die Borussia und die Bundesliga, über Vergleiche mit Weltstars wie Paul Pogba und darüber, was ihn von Ibrahima Traoré unterscheidet.

bundesliga.de: Herr Zakaria, sind Sie ein Streber?

Denis Zakaria: Nein, nein, kein Streber! (lacht) Aber ich weiß, warum Sie das fragen – weil ich einen Tag eher zur Mannschaft gestoßen bin als zunächst verabredet war.

bundesliga.de: Beim Pokalspiel in Essen haben Sie Ihr Pflichtspiel-Debüt im Borussen-Trikot gegeben. Welchen Eindruck haben Sie von der Spielstärke Ihrer neuen Kollegen?

Zakaria: Ich habe gesehen, dass meine Mannschaft große fußballerische Qualität hat. Jeder kann hier richtig gut Fußball spielen. Und dabei darf man nicht vergessen, dass einige Spieler erst in den kommenden Tagen zur Mannschaft stoßen.

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bundesliga.de: Borussia ist Ihre erste Auslandsstation und Sie leben erstmals alleine. Fühlt sich das noch ein wenig fremd an?

Zakaria: Nein. Das ist überhaupt kein Problem. Durch die vielen Schweizer im Team und die Jungs, die französisch sprechen, wie Ibo (Ibrahima Traoré; d. Red.) oder Thorgan (Hazard; d. Red.) fühle ich mich nicht allein. Jeder hilft mir bei den Dingen, die neu für mich sind, so dass ich mich gut aufgehoben fühle.

"Ich habe gesehen, dass meine Mannschaft große fußballerische Qualität hat. Jeder kann hier richtig gut Fußball spielen." Denis Zakaria

bundesliga.de: Sie hätten auch in die Premier League wechseln können, haben sich aber für die Bundesliga und für Borussia Mönchengladbach entschieden. Was hat den Ausschlag gegeben?

Zakaria: Die Bundesliga ist eine Top-Liga und Borussia Mönchengladbach ein Top-Club. Für mich ist das genau der richtige Schritt, um mich weiterentwickeln zu können. Mich hat auch sehr beeindruckt, wie man sich um mich bemüht. Das ist ein gutes Gefühl, das mir sagt, dass man auf mich zählt. Erleichtert hat mir die Entscheidung zudem, dass Landsleute wie Nico Elvedi oder Yann Sommer in den höchsten Tönen von der Borussia geschwärmt haben, wenn wir gemeinsam bei der Nationalmannschaft waren. Meine Aufgabe ist es jetzt, mich durch gute Leistungen im Training zu empfehlen, um so oft wie möglich spielen zu dürfen. Dass das nicht einfach wird, das ist mir bewusst. Denn wie ich eingangs schon gesagt habe, bei Borussia gibt es sehr viele sehr gute Spieler. Und alle wollen spielen.

bundesliga.de: Dient Elvedi, der vor zwei Jahren in Deutschland noch weitgehend unbekannt war, jetzt aber bereits knapp 50 Bundesliga-Spiele absolviert hat, als Orientierungspunkt?

Zakaria: Nico hat sich hier sehr schnell akklimatisiert und hat sich mit seinen guten Leistungen durchgesetzt. Das hat mich sehr beeindruckt. Und mit dieser Entwicklung taugt er als Vorbild für andere junge Schweizer Spieler, die gerne in die Bundesliga möchten – und damit natürlich auch für mich.

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bundesliga.de: Schweizer Fußballer fühlen sich wohl in der Bundesliga, und die Bundesliga fühlt sich wohl mit den Schweizern. Wie kommt die kleine Schweiz zu so vielen Top-Kickern?

Zakaria: Auch im Nachwuchsbereich wird in der Schweiz heute sehr professionell gearbeitet, und es gibt in der Tat viele talentierte, junge Fußballer. Das habe ich selbst zum Beispiel bei meinem ersten Club, Servette Genf, gut beobachten können. Trotzdem glaube ich, dass es an der Schwelle von den Junioren zu den Profis gerade auch darauf ankommt, dass man klar im Kopf ist. Nur dann kann dieser Schritt gelingen.

bundesliga.de: Manche Experten vergleichen Sie schon mit Paul Pogba oder Patrick Viera. Schmeichelt Ihnen das oder ist Ihnen das eher unangenehm, weil sich damit eine große Erwartungshaltung verbindet?

Zakaria: Pogba, Viera – das sind Namen und Fußballer, für die ich zuallererst einmal einen großen Respekt empfinde. Und in gewisser Weise sind sie Vorbild für mich. Wenn ich mir Videos von ihnen anschaue, denke ich, dass ich auch so spielen können möchte. Aber mir ist auch wichtig, dass die Leute spüren, dass ich versuche der bestmögliche Zakaria zu sein, und nicht jemand anders imitiere.

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

bundesliga.de: Beim EM-Gruppenspiel im vergangenen Jahr gegen Frankreich konnten Sie Pogba beobachten. Was ist Ihnen damals durch den Kopf gegangen?

Zakaria: Ich hatte einen Platz, von dem aus ich ihn genau unter die Lupe nehmen konnte, leider war das die Ersatzbank. (lacht) Trotzdem war es sehr beeindruckend einen so exzellenten Spieler wie Pogba in direkter Nähe erleben zu können.

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bundesliga.de: Wie Pogba sind Sie mit 1,91 Meter sehr groß, gelten aber auch als technisch beschlagen – für sehr große Spieler nicht unbedingt die Norm. Haben Sie an Ihrer Technik besonders gearbeitet?

Zakaria: Na ja, ich würde von mir selbst nicht sagen, dass ich wirklich das bin, was man einen Techniker nennt. Ein Traoré bin ich jedenfalls nicht. (lacht) Ich glaube, dass ich eher durch meine Schnelligkeit auf den Beinen, aber auch im Kopf als durch meine Technik den Unterschied ausmachen kann. Und ich hoffe, dass ich gerade mit diesen Fähigkeiten der Mannschaft helfen kann.

"Die Borussia ist für mich der allerbeste Club, um schnell zu lernen." Denis Zakaria

bundesliga.de: In welchem Bereich müssen Sie besonders zulegen?

Zakaria: In jedem Bereich. Ich bin erst 20 Jahre alt und habe noch sehr viel zu lernen. Zum Beispiel muss ich an meinem Kopfballspiel arbeiten, das trotz meiner Größe verbesserungswürdig ist. Aber aus der Vergangenheit weiß ich auch, dass ich sehr schnell lerne, wenn ich alles gebe. Und Borussia ist für mich der allerbeste Club, um schnell zu lernen.

bundesliga.de: Vom Sturm über die Abwehr ins Mittelfeld – es hat eine Weile gedauert, bis Sie Ihre Position gefunden hatten...

Zakaria: ...und da, im Mittelfeld, fühle ich mich am wohlsten. Bis zur U17 habe ich tatsächlich im Sturm gespielt und bis zur U18 dann in der Abwehr. Seitdem aber spiele ich im Mittelfeld und ich weiß, dass das meine Position ist. Die Position, auf der ich meiner Mannschaft am besten helfen kann. Dabei ist es für mich gar nicht so wichtig, ob ich diese Rolle eher defensiv oder doch offensiv interpretieren soll. Einerseits liebe ich es den Ball zu erobern, andererseits bereitet es mir aber auch große Freude mit dem Ball am Fuß offensiv und für den Gegner gefährlich zu werden. Allerdings ist das – meine Effizienz – ebenfalls einer der Bereiche, in dem ich mich verbessern und die Quote meiner Tore und Assists steigern muss.

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bundesliga.de: Vor etwa einem Jahr waren Sie mit Ihrem damaligen Team, Young Boys Bern, in der Champions League-Qualifikation Gast im Borussia Park. Abgesehen von der ernüchternden 1:6-Niederlage – was für einen Eindruck hatten Sie damals von Ihrem heutigen Verein?

Zakaria: Das war damals überhaupt erst mein zweites oder drittes internationales Spiel. Einerseits war ich wegen der auch in dieser Höhe verdienten Niederlage natürlich niedergeschlagen. Andererseits aber haben mich das tolle Stadion, die überragenden Fans und überhaupt die großartige Atmosphäre sehr beeindruckt. Das kannte ich aus der Schweiz so nicht.

bundesliga.de: Auf was in der Bundesliga freuen Sie sich nun am meisten?

Zakaria: Ganz besonders fiebere ich natürlich den Spielen gegen Bayern München und Borussia Dortmund entgegen, schließlich sind das zwei der besten Mannschaften Europas. Grundsätzlich freue ich mich aber auf jedes Match, und natürlich möchte ich dabei so oft wie möglich auf dem Rasen stehen.

"Für die Borussia werde ich alles geben. Denis Zakaria

bundesliga.de: Sie sind jetzt Borusse. Ihr großer Traum aber soll der FC Barcelona sein. Warum Barca und nicht Real Madrid, Manchester United oder Juventus Turin?

Zakaria: Ich denke, dass jeder so einen Verein hat, der ihn aufgrund seiner Spielweise fasziniert. Keine andere Mannschaft spielt besser, zelebriert Fußball so, wie der FC Barcelona. Das ist traumhaft, und wenn Barca im Ballbesitz ist, hat man kaum eine Chance selbst an Ball zu kommen. Aber ich möchte gar nicht so viel über Barcelona sprechen. Denn für mich zählt nur Borussia Mönchengladbach. Ich habe einen Fünfjahres-Vertrag unterschrieben und bin jetzt ein Borusse. Und für die Borussia werde ich alles geben.

Das Gespräch führte Andreas Kötter.