Zusammenfassung

  • Roman Bürki sieht die Urasache in der Niederlage nicht in der Taktik.

  • Der Schweizer glaubt trotzdem noch ans Weiterkommen.

  • Trotz der deutlichen Niederlage sieht er den BVB für die Bundesliga gerüstet.

Dortmund - Trotz der 1:3 Niederlage von Borussia Dortmund in der Champions League gegen Real Madrid konnte sich Roman Bürki gleich mehrfach auszeichnen. Mit einer starken Leistung verhinderte der Keeper eine höhere Pleite – mal als mitspielender Libero, mal mit Klassereaktionen auf der Linie. Damit verdiente sich der Schweizer sogar ein Sonderlob von Trainer Peter Bosz: "Roman Bürki hat uns sehr gut geholfen." Im Interview nach der Partie sprach der Gelobte selbst über die Gründe für die Niederlage und die Perspektiven des BVB.

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Frage: Roman Bürki, für die Zuschauer war es ein unterhaltsames Spiel – aber aus Ihrer Sicht wahrscheinlich etwas zu unterhaltsam?

Roman Bürki: Es war sehr schwierig für uns. Wir konnten unser Spiel nicht durchziehen, wie wir es eigentlich aus den letzten Wochen gewohnt sind. Da haben wir uns schwer getan. Real hatte viele Räume im Mittelfeld und hat sich immer gut befreit. Wir haben versucht, unser Pressing zu spielen, aber es hat dieses Mal nicht richtig funktioniert. Auf Seiten von Madrid war dann auch zu viel individuelle Klasse auf dem Feld.

"Bei Gareth Bale ist das kein Glück oder Zufall"

Frage: Etwa beim ersten Treffer, als Gareth Bale den Ball volley über Sie hinweg in die Maschen gehämmert hat?

Bürki: Er hat den Ball perfekt getroffen. Viele haben damit gerechnet, dass er den Ball erst noch annimmt. Aber er trifft ihn wirklich perfekt - das war eben diese individuelle Klasse, die ist unglaublich. Bei Gareth Bale ist das kein Glück oder Zufall, er kann solche Dinge einfach. Daher meine ich, dass diese individuelle Klasse am Ende auch mit entscheidend war.

Video: Die BVB-Gala gegen Mönchengladbach

Frage: Also war der Gegner dieses Mal einfach zu stark für die Borussia?

Bürki: Real Madrid war an diesem Abend einfach besser, das muss man auch so eingestehen. Sie haben viel mehr Chancen herausgespielt. Wir hatten nicht so viele und auch nicht so zwingende Möglichkeiten. Unter diesem Aspekt ist das Resultat am Ende auch so in Ordnung.

Frage: Hat Real den BVB in gewisser Weise auch mit den eigenen Waffen geschlagen? Sie haben die Dortmunder sehr früh zugestellt, zudem fielen zwei Treffer nach schnellen Gegenstößen.

Bürki: Ich fand, sie haben versucht, hoch zu pressen, haben es aber meistens nicht durchgezogen. Wir haben trotzdem die Wege gefunden, Ruhe ins Spiel hineinzubringen. Wir haben dann aber aus unserem Spielaufbau heraus einfach nicht das Tempo nach vorne entwickeln können. Real stand hinten sehr solide und hat fast jeden Zweikampf gewonnen. Bei den Gegentreffern hat man dann gesehen, wie enorm schnell die Spieler sind. Da ging es bei uns nicht mehr ganz auf.

"Wir haben aus Respekt eher zu defensiv agiert"

Frage: Die Taktik der Borussia mit hohem Gegenpressing birgt Risiken. Kann man sie gegen einen derart starken Gegner trotzdem durchziehen oder muss man künftig vielleicht defensiver denken und tiefer stehen?

Bürki: Wir haben unseren Stil, den wir in der Liga auch durchziehen und der dort super aufgeht. Aber gegen Real haben wir unsere Grenzen aufgezeigt bekommen. Bei uns ist da einiges schief gelaufen. Ich glaube, dass wir gar nicht so mutig gespielt haben und nicht so hoch standen wie in der Bundesliga. Mit Bale und Ronaldo standen bei Real sehr schnelle Spieler auf dem Platz. Wir haben dann aus Respekt eher zu defensiv agiert, standen mit unserer Defensivreihe zu weit zurückgezogen. Deswegen haben sich auch die Räume für Madrid im Mittelfeld ergeben. Das war sicher einer der Knackpunkte in diesem Spiel.

Frage: Der BVB hat jetzt nach zwei Partien noch keine Punkte auf dem Konto, Madrid und Tottenham führen die Gruppe mit jeweils sechs Zählern an. Wie schätzen Sie die Situation für die Borussia jetzt ein?

Bürki: Es ist natürlich jetzt noch ein Stück schwieriger geworden. Aber wir glauben weiter an uns. Jetzt müssen in den nächsten Spielen einfach Punkte her, das ist ganz klar. Darauf werden wir hinarbeiten. Aber jetzt gilt es erst einmal, dieses Spiel zwar zu analysieren, sich dann aber auch wieder auf die Bundesliga zu konzentrieren.

Seine starke Leistung gegen Real war für Roman Bürki nur ein schwacher Trost
Seine starke Leistung gegen Real war für Roman Bürki nur ein schwacher Trost © imago / Eibner

Frage: Kann diese Niederlage dem BVB jetzt einen kleinen Knacks geben? Oder glauben Sie, dass man sich am Samstag in Augsburg schon wieder im gewohnten Bundesliga-Rhythmus präsentieren kann?

Bürki: Wir haben auch gegen Tottenham verloren und danach trotzdem den Faden wiedergefunden. Es ist Teil des Geschäftes – wir müssen auch mit Niederlagen umgehen und arbeiten können. Ich bin sicher, das wird der Trainer sehr gut hinbekommen. Und wir natürlich auch. Das war jetzt Real Madrid, der Champions-League-Sieger. Dass wir gegen sie verloren haben, dafür reißt uns niemand den Kopf ab.

Frage: Sie selbst haben ein starkes Spiel gemacht und einige Großchancen vereitelt. Trotzdem mussten Sie drei Gegentore hinnehmen. Ärgert Sie das besonders?

Bürki: Klar ärgert mich das. Ich hätte lieber weniger zu tun gehabt, wenn wir dafür weniger Tore kassiert oder selbst mehr geschossen hätten. So hatte ich zwar viele Möglichkeiten, mich auszuzeichnen, aber ich habe drei Treffer kassiert. Wir haben das Spiel verloren – da kann ich nicht glücklich sein mit diesem Abend. 

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte