Hannover - Didier Ya Konan denkt schon einen, wenn nicht sogar mehrere Schritte weiter. "Ich möchte weit kommen", sagte der Angreifer von Hannover 96 vor der richtungsweisenden Europa-League-Partie beim FC Kopenhagen am Donnerstag (ab 18:45 Uhr im Live-Ticker) voller Selbstvertrauen, "vielleicht holen wir auch den Cup!"

Um weiter vom Finale in Bukarest im kommenden Sommer träumen zu dürfen, müssen die Niedersachsen jedoch erst einmal beim dänischen Meister bestehen. Und das wird schwer genug.

Auf der Suche nach dem Glück

Das hat schon das Hinspiel (2:2) vor zwei Wochen gezeigt, als die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka eine zweimalige Führung leichtfertig aus der Hand gab. "Ich hoffe, wir haben daraus gelernt und können das, was wir oft zuhause zeigen, jetzt auch einmal auswärts bestätigen", sagte Mittelfeldspieler Lars Stindl, "es fehlen ja nur Kleinigkeiten und im Moment vorn auch ein bisschen das Glück."

Gegen die "Löwen", so der Spitzname der Dänen, wollen die "Roten" das Glück wieder mit aller Macht erzwingen. Schließlich hat das Spiel nur drei Tage vor dem Bundesliga-Hit gegen Schalke 04 angesichts der engen Gruppenkonstellation vorentscheidenen Charakter - mit einem Sieg würde Hannover einen Riesenschritt in Richtung K.o.-Runde machen.

96 unter Zugzwang

Mit dann acht Punkten hätte man den direkten Verfolger aus dem Norden um vier Zähler distanziert, bei noch zwei ausstehenden Partien. "Ein Sieg in Kopenhagen und einer zuhause gegen Poltawa, das sind die entscheidenden Schritte", meinte Ron-Robert Zieler.

Der junge Torwart hatte unter der Woche den Zorn seines Trainers zu spüren bekommen. Als Zieler im Training beim Herauslaufen keine gute Figur machte, blaffte Slomka ungewohnt rau: "Ey Ron, was machst du da? Sekundenschlaf, oder was?!" Auch im sonst so beschaulichen Hannover wird der Ton also schärfer - Folge der gestiegenen Ansprüche und des Höhenflugs in den vergangenen Monaten.

Slomka zieht die Zügel an

Und direktes Resultat des erhöhten Drucks nach zwei Pleiten in Folge (0:1 n.V. im Pokal gegen den 1. FSV Mainz 05 und 1:2 bei Borussia Mönchengladbach). "Ist doch völlig klar, dass man nach zwei Niederlagen nicht auf gute Laune macht", sagte Slomka.

Der Trainer kitzelt seine Spieler, um Selbstzufriedenheit im Keim zu ersticken. Denn gerade bei den jüngsten Niederlagen offenbarten die 96er Schwächen in ihrer größten Stärke. Die Angreifer unterstützten nicht mehr so aggressiv beim Verteidigen, die defensiven Spieler ließen beim Einsetzen der Stürmer Zielstrebigkeit und Präzision vermissen.

"Müssen alles mobilisieren"

Und so fehlte es dem berühmten und beim Gegner so gefürchteten blitzschnellen Umschalten an Effektivität. Stindl kündigte mit Blick auf die Partie in der dänischen Hauptstadt, zu der 10.000 Hannover-Fans erwartet werden, an, dass das Team zu seinem erfolgreichen Muster zurückfinden werde. "Wir haben die richtige Strategie und wir müssen alles mobilisieren, sie auf dem Platz umzusetzen", sagte der 23-Jährige.

Den "Roten" dürfte dabei entgegenkommen, dass auch Kopenhagen gehörig unter Zugzwang steht. Die Mannschaft von Trainer Roland Nilsson, Nachfolger des zum 1. FC Köln gewechselten Stale Solbakken, braucht unbedingt einen Sieg, um im Europapokal überwintern zu können. Ein Versteckspiel können sich die Dänen nicht erlauben. Keine schlechte Ausgangslage für die Slomka-Elf und ihre überfallartigen Konter.

Voraussichtliche Aufstellungen:

FC Kopenhagen: Wiland - Thomsen, Ottesen, Sigurdsson, Bengtsson - Bolanos, Grindheim - Claudemir, Delaney - N'Doye, Santin

Hannover 96: Zieler - Chahed, Haggui, Pogatetz, Schulz - Pinto, Schmiedebach - Stindl, Pander - Abdellaoue, Schlaudraff

Schiedsrichter: Braamhaar (Niederlande)