München - Der Appetit kommt bekanntlich beim Essen, und satt ist man bei Hannover 96 trotz der fast sicheren Europa-League-Qualifikation noch lange nicht. Die "Roten" wollen mehr. Im Farbenspiel der Niedersachsen ist Rang 3 und damit die Chance auf die Champions League Trumpf - im Fernduell mit dem entthronten Titelverteidiger FC Bayern, in München ebenfalls die "Roten" genannt.

Bei gerade mal einem Punkt Rückstand auf den Rekordmeister bläst 96-Trainer Mirko Slomka vor der vorgezogenen Partie am Gründonnerstag (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) selbstbewusst zum Angriff: "Wir lassen nicht locker und jagen die Bayern weiter. Ich bin lieber Dritter als Vierter." Der Glaube an die eigene Stärke hat sich bei den Norddeutschen im Verlaufe der erfolgreichsten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte immens verfestigt.

Osterurlaub für die Niedersachsen

Zudem lockt der Coach seine Spieler mit einem ruhigen Osterfest. Nach der Rückkehr aus dem Breisgau am Karfreitag sind Samstag und Sonntag frei. Nur am Ostermontag muss die Mannschaft einen Sponsorentermin auf der Hannoveraner Galopprennbahn wahrnehmen.

Der Kurzurlaub ist längst genehmigt, unabhängig vom Spielausgang in Freiburg. "Das ist eine regenerative Maßnahme, die sich die Mannschaft verdient hat", begründet Slomka seine Entscheidung. Seine Profis sollen noch einmal durchatmen vor dem Saisonfinale, bei dem man zuhause auf Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Nürnberg trifft, unterbrochen von einem Gastspiel beim VfB Stuttgart. Sechs von neun möglichen Punkten holte 96 in der Hinrunde gegen diese Gegner.

Hannover freut sich auf Europa

Hätte man seinerzeit an der Leine noch über die Ausfälle von Mittelfeldspieler Sergio Pinto und Torjäger Didier Ya Konan (beide gelbgesperrt) gejammert, sind solche Töne nun nicht mehr zu vernehmen - vor lauter Stolz, in der kommenden Saison erstmals seit 19 Jahren wieder auf der internationalen Bühne zu spielen.

"Ein guter Gegner, vielleicht Manchester City, das wäre eine tolle Belohnung für uns", sagt Abwehrspieler Emanuel Pogatetz. Denn als deutscher Pokalsieger des Jahres 1992 hatten die Hannoveraner richtiges Pech. Sie trafen in der ersten Runde des nicht mehr existierenden Europapokals der Pokalsieger auf Cup-Verteidiger Werder Bremen, ohne internationale Flair schied man aus (1:3, 2:1).

Nur zehn Jahre liegen die letzten internationalen Einsätze des SC Freiburg zurück, doch mehr als gepflegtes Mittelmaß ist in dieser Saison in der Bundesliga nicht mehr drin. "Aber wir haben bis jetzt eine tolle Saison gespielt, die wollen wir uns nicht noch selbst kaputtmachen", sagt der zu Bayer Leverkusen wechselnde Trainer Robin Dutt. Freiburg muss allerdings ohne Mittelfeldspieler Johannes Flum auskommen. Der Profi leidet an einer Schambeinentzündung. Für Flum könnte Jan Rosenthal gegen sein früheres Team auflaufen.