München - Setzt man bei einem führenden Wettanbieter zehn Euro auf den Champions-League-Sieg von Bayern München, gewinnt man 50 Euro, wenn der Traum des deutschen Rekordmeisters wirklich wahr werden sollte. Setzt man allerdings zehn Euro auf den Champions-League-Sieg von Olympique Marseille, und die Franzosen würden am 19. Mai den Pokal in den Münchner Nachthimmel recken, stünde man mit sagenhaften 10.000 Euro da.

Die Favoritenrolle vor dem Viertelfinal-Rückspiel (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) könnte also kaum klarer sein. Bayern hat das 2:0 im Rücken, die Allianz Arena ist nicht erst seit dieser Saison eine Festung - in der "Königsklasse" gewannen die Münchner dort zwölf der letzten 13 Partien - und letztlich sprechen auch die Form und die individuelle Qualität für die Münchner. Der Traum vom großen Coup, vom Finale in München mit dem Umweg über Madrid, ist zum Greifen nah. Aber eben noch nicht ganz erreicht - 90 Minuten "Hausaufgaben" warten auf den FCB.

"Marseille ist auch in Dortmund zurückgekommen"



Die größte Gefahr bei den Münchnern: Die angeschlagenen Franzosen vor den möglichen Schlagerspielen gegen Real und den BVB zu unterschätzen. Nicht aber mit Trainer Jupp Heynckes: "Wir wollen nichts mehr anbrennen lassen, werden sehr seriös ins Spiel gehen und genauso auf Sieg spielen, als wenn wir 1:1 gespielt hätten." Marseille soll kein Stolperstein mehr sein - und die Franzosen haben ja auch schon bewiesen, dass sie dazu durchaus in der Lage sind. "Man sollte sich daran erinnern, dass Marseille nach einem 0:2-Rückstand in Dortmund zurückgekommen ist und 3:2 gewonnen hat", mahnt der Coach. Und seine Botschaft scheint in der Mannschaft angekommen zu sein: "Wir dürfen nicht glauben, dass es von alleine geht", sagt Stürmer Mario Gomez.

Olympique hat am Wochenende sogar das Ligaspiel verlegen lassen, um ideal vorbereitet in die Partie zu gehen. Dennoch lief die Anreise alles andere als glatt: Wegen des Fluglotsenstreiks in Frankreich musste das Team sechs Stunden auf seine Maschine warten. Doch noch hat Übungsleiter Didier Deschamps nicht aufgegeben. "Wir glauben an das Unmögliche", sagte der Weltmeister von 1998, muss aber auch zugeben: "Die Chancen sind minimal. Denn gewinnen alleine reicht ja nicht."

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Statistik:

- In der Geschichte der Champions League ist noch keine Mannschaft ausgeschieden, die das Hinspiel auswärts mit 2:0 gewonnen hatte. Der FC Bayern gewann bislang viermal ein Hinspiel auswärts mit 2:0 - in den anschließenden Heimspielen gab es drei Unentschieden und einen Sieg.

- Es sind bisher erst zwei Teams ausgeschieden, die das Hinspiel auswärts gewonnen hatten - zuletzt der FC Bayern. In der vergangenen Saison gewannen die Münchner im Achtelfinale das Hinspiel bei Inter Mailand mit 1:0, unterlagen aber im Rückspiel mit 2:3.

- Der FC Bayern hat zwölf seiner letzten 13 Heimspiele in der Champions League gewonnen - die letzte Niederlage war das ebenjenes 2:3 gegen Inter.

- Olympique und der FC Bayern trafen im Hinspiel erstmals in einem Pflichtspiel aufeinander.

- Marseille erzielte in den vergangenen sieben Champions-League-Spielen gerade einmal fünf Tore, die Bayern im letzten CL-Heimspiel gegen Basel sieben.

Form:

Die glanzvollen Wochen von 21 Toren in drei Spielen sind vorbei, die Siege sind geblieben: Zuletzt gelangen den Bayern in der Bundesliga zwei hart erkämpfte Arbeitssiege gegen Hannover (2:1) und in Nürnberg (1:0). Auch beim 2:0 im Hinspiel in Marseille wurde der FCB seiner klaren Favoritenstellung gerecht, ohne zu glänzen. Heynckes scheint endgültig die richtigen Mittel gefunden zu haben, sein Team an guten Tagen zu klaren Torfestivals, genauso aber bei engen Partien zu knappen Siegen führen zu können. Zumal in Nürnberg auch drei Stammspieler lange geschont wurden.

Seit dem Sieg im Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Inter Mailand Ende Februar wartet "OM" schon auf einen Sieg. Es folgten sieben Niederlagen und der Absturz auf Platz 9 in der Ligue 1 - mit dabei ein blamables Pokalaus beim Drittligisten US Quevilly. Nach einem 1:1 in Nizza und der Hinspielpleite gegen die Bayern wird die Luft immer dünner für Deschamps. Eine Generalprobe vor dem Rückspiel gab es nicht: Für Marseille wurde extra das Ligaspiel am Wochenende verlegt, um eine optimale Vorbereitung zu gewährleisten.

Personal:

Die wichtigste Personalie bei Marseille ist der Keeper: Steve Mandanda ist nach seiner Rotsperre zurück und rückt für Ersatzmann Elinton Andrade, der im Hinspiel maßgeblich am 0:1 von Mario Gomez beteiligt war, in die Mannschaft. Sechser Alou Diarra ist gelbgesperrt, für ihn beginnt der 24-jährige Burkiner Charles Kabore. Ansonsten dürfte bei Olympique dieselbe Elf wie im Hinspiel starten (Diashow: Schlüsselspieler-Vergleich vor dem Hinspiel). Es fehlt weiterhin Innenverteidiger Souleymane Diawara (Kreuzbandriss).

Auf Seiten der Münchner sind alle fit - lediglich die Langzeitausfälle Daniel van Buyten und Breno sind nicht dabei. Bastian Schweinsteiger ist nach seiner dritten Gelben Karte aus dem Hinspiel gesperrt. Im Vergleich zum letzten Bundesligaspiel in Nürnberg wird Heynckes höchstwahrscheinlich wieder David Alaba, Franck Ribery und Luiz Gustavo in die Mannschaft rotieren und somit auf die Erfolgself der letzten Wochen bauen.

Stimmen:

Jupp Heynckes: Die Ausgangslage ist hervorragend. Das Hinspiel haben wir 2:0 gewonnen. Das ist ein psychologischer Vorteil, mehr nicht. Der Tenor der Mannschaft ist: Wir wollen nichts mehr anbrennen lassen. Wir werden genauso auf Sieg spielen, als wenn wir 1:1 gespielt hätten. Da werden wir keinen Unterschied machen. Dass Marseille sein Ligaspiel am Wochenende verlegt hat, soll uns eine Warnung sein. Das ist ein Indiz, dass die Mannschaft in der Allianz Arena noch einmal alles versuchen wird.

Mario Gomez:Es wird sicherlich kein Spaziergang. Man kann im Viertelfinale nicht erwarten, dass der Gegner zurücksteckt und uns vorbei lässt. Es wird noch einmal ein sehr hitziges Spiel werden. Da müssen wir dagegenhalten und genau so eine Leistung abrufen wie im Hinspiel. Wir sind nicht die Mannschaft, die versuchen wird, dieses Ergebnis zu halten - wir werden versuchen, auch morgen zu gewinnen.

Philipp Lahm: Wir wollen unter die vier besten Mannschaften Europas. Wenn wir konzentriert Fußball spielen, brennt nichts an

Didier Deschamps:Die Chancen sind minimal. Denn gewinnen alleine reicht ja nicht. Ich erwarte aber eine würdevolle Leistung auf hohem Niveau. Wir haben hier eine historische Gelegenheit. Wir glauben an das Unmögliche! Wir haben eine Chance, auch wenn sie klein ist.

Alou Diarra: Es ist keine "Mission Impossible".

Vorraussichtliche Aufstellungen:

FC Bayern: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Kroos - Robben, Müller, Ribery - Gomez

Marseille: Mandanda - Azpilicueta, Fanni, Nkoulou, Morel - Kabore, Mbia - Amalfitano, Valbuena, A. Ayew - Remy

Schiedsrichter: Svein Oddvar Moen (Norwegen)

Zusammengestellt von Christoph Gschoßmann