Um gut vorbereitet zu sein, ließ Bundestrainer Joachim Löw seine Kicker in den Abendstunden trainieren
Um gut vorbereitet zu sein, ließ Bundestrainer Joachim Löw seine Kicker in den Abendstunden trainieren

90-minütiger Saunagang zum Pflichtsieg

Die Hitze ist unerträglich, die Bedingungen fast unmenschlich - doch Bundestrainer Joachim Löw kennt vor dem letzten Länderspiel der Saison keine Gnade.

"Ich erwarte, dass die Spieler noch einmal alles mobilisieren und aus sich herausholen. Wir müssen an die Leistungsgrenze gehen", forderte Löw vor der Partie (20 Uhr MESZ/live im ZDF) in Dubai gegen die Vereinigten Arabischen Emirate unmissverständlich.

40 Grad Celsius

Die deutsche Nationalmannschaft muss dabei vor allem den extremen klimatischen Bedingungen trotzen. Sauna-ähnliche Temperaturen von über 40 Grad Celsius und eine ungewohnt hohe Luftfeuchtigkeit sind im Al-Maktoum-Stadion gegen die VAE wohl die größten Gegner der DFB-Auswahl, die zur besseren Vorbereitung auf das Spiel sogar das Abschlusstraining auf 21.30 Uhr Ortszeit verschob.

"Das trifft dich wie ein Hammer", beschrieb Teammanager Oliver Bierhoff den Hitze-Schock. "Mein erster Gedanke war: Oh Gott, wie soll man da die 90 Minuten überstehen", sagte Ersatz-Kapitän Bastian Schweinsteiger, und Thomas Hitzlsperger fügte an: "Wir müssen da jetzt durch. Wir stehen in der Pflicht."

Versöhnlicher Saison-Abschluss angepeilt

Für den Vize-Europameister geht es nach dem dürftigen 1:1 in Shanghai gegen China auf der zweiten Station der Asienreise in erster Linie darum, Wiedergutmachung zu betreiben und für einen versöhnlichen Saison-Abschluss zu sorgen.

"Das Spiel bei 40 Grad wird noch einmal ein immenser Kraftakt. Diese Hitze und Luftfeuchtigkeit machen uns schon zu schaffen. Aber wir wollen gewinnen, damit wir positiv in den Urlaub gehen können", sagte Löw: "Wir müssen in allen Mannschaftsteilen anders zu Werke gehen und viele Dinge besser machen."

Neuer hütet den deutschen Kasten

Der Bundestrainer kündigte gegen den 120. der Weltrangliste bereits taktische und personelle Veränderungen an. Im Tor wird der Schalker Manuel Neuer den Vorzug vor Robert Enke erhalten und sein Debüt feiern.

"Robert hat gegen China klasse gehalten und einen sehr guten Saison-Abschluss gehabt. Manuel hat seine Chance verdient", sagte Löw zum Torwart-Wechsel und lobte den 23-Jährigen: "Er macht trotz seiner Jugend auf und außerhalb des Spielfelds einen reifen Eindruck. Er hat klare Vorstellungen und einen großen Ehrgeiz."

Mit zwei Spitzen

Von Beginn an werden auch Heiko Westermann und Andreas Hinkel auflaufen. Zudem kehrt der Bundestrainer zu "unserem gewohnten 4-4-2-System" mit zwei Spitzen zurück, nachdem Mario Gomez gegen die Chinesen als einziger Angreifer auf verlorenem Posten gestanden und seine Torflaute fortgesetzt hatte. Seit 795 Minuten wartet der Neu-Münchner, der voraussichtlich zusammen mit Lukas Podolski stürmen wird, mittlerweile auf einen Treffer.

Im Gegensatz zum China-Spiel stehen Löw gegen die VAE alle 17 Spieler zur Verfügung. Auch Bastian Schweinsteiger, der am Sonntag im Training pausieren musste, ist trotz leichter Wadenprobleme einsatzfähig und kann das Team in Abwesenheit von Michael Ballack als Kapitän aufs Feld führen.

Den Ball laufen lassen

Der Münchner forderte seine Kollegen angesichts der Hitze bereits auf, "dass wir den Ball cleverer laufen lassen müssen, um Kräfte zu sparen". Bierhoff sagte: "Wir haben fitte Spieler. Wir müssen weniger Fehler machen, dann müssen wir auch weniger laufen."

Um gut vorbereitet zu sein und die Strapazen einigermaßen gut wegzustecken, verschob Löw das Training am Sonntag, aber vor allem auch das Abschlusstraining in die späten Abendstunden. Am Montag nahm die Mannschaft deshalb erst an einem Empfang des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH teil, um dann anschließend zum Training zu fahren. Geplant war die Einheit vor der Gala.

Anstoß um 22 Uhr Ortszeit

Das Spiel findet auch erst um 22 Uhr Ortszeit statt. Doch selbst um diese Uhrzeit sind für Dienstag noch Temperaturen über 35 Grad angekündigt. DFB-Internist Tim Meyer verordnete den Spielern seit der Ankunft am Samstag aus Shanghai deshalb ein spezielles Anti-Hitze-Programm. Viel trinken, möglichst über drei Liter am Tag, und wenig Sonne lautet das Motto.

Deshalb ist Löw, der am Samstag für die WM-Saison einen Strategie-Wechsel angekündigt hatte und den vorläufigen WM-Kader "stark eingrenzen" will, auch optimistisch, dass die Akklimatisierung bis Dienstagabend weitgehend gelingt. "Der Körper gewöhnt sich ein Stück weit an diese Verhältnisse. Das wird von Tag zu Tag besser."

Träsch und Weis vor Premiere

Beim Spiel selbst will der Bundestrainer "früher wechseln als sonst". Für die Neulinge Christian Träsch und Tobias Weis bedeutet dies, dass sie neben Neuer ebenfalls zu ihrem ersten Länderspiel kommen werden.

Das magere 1:1 in China ist indes längst vergessen. "Das ist abgehakt. Wir müssen es in Dubai besser machen", sagte Podolski, der den angesichts der riesigen Personalprobleme arg dezimierten Vize-Europameister in Shanghai vor einer Blamage bewahrt hatte.

Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung

Neuer - Hinkel, Friedrich, Westermann, Lahm - Schweinsteiger, Gentner, Hitzlsperger, Trochowski - Gomez, Podolski