Am 9. Spieltag im Fokus: Bochum, Dortmund und Gladbach - © imago (2), DFL/Getty Images (1)
Am 9. Spieltag im Fokus: Bochum, Dortmund und Gladbach - © imago (2), DFL/Getty Images (1)
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9. Spieltag im Fokus: Darüber spricht die Bundesliga

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Borussia Dortmund feiert das 2:2 gegen die Bayern wie einen Sieg, Bochum gelingt der erste Saisonsieg in der Bundesliga und Borussia Mönchengladbach darf sich endlich wieder Derbysieger nennen - die Themen des 9. Spieltags.

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1) 2:2 im Klassiker nach 0:2: Modeste sorgt für gefühlten BVB-Sieg

In buchstäblich letzter Sekunde rettet Anthony Modeste Borussia Dortmund im Klassiker gegen den FC Bayern München ein 2:2-Remis, nachdem der BVB nach Toren von Leon Goretzka (33.) und Leroy Sane (53.) bereits mit 0:2 zurückgelegen hatten. Doch mit der Einwechslung des ehemaligen Kölners drehte sich die Partie noch wundersamerweise zugunsten der Schwarzgelben: Erst legte Modeste den Anschlusstreffer durch Youssoufa Moukoko auf (74.), dann setzte der Franzose, der zuvor bereits eine Großchance vergeben hatte, in der fünften Minute der Nachspielzeit den Schlusspunkt in einem turbulenten Prestigeduell zwischen den beiden Bundesliga-Schwergewichten.

"Am Ende hätte ich zwei Tore schießen können, das ist klar. Dass ich noch das 2:2 gemacht habe, das ist das Wichtigste. Ich habe einfach weiter an mich geglaubt – wenn ich das nicht mache, wer soll das dann für mich tun? Und so habe ich mich noch belohnt. Ich habe viel auf den Deckel gekriegt, aber ich habe im Fußball schon alles gesehen. Ich muss positiv bleiben und immer an mich glauben“, betonte Modeste, der angesichts des gefühlten BVB-Sieges ein wenig als Matchwinner für die Dortmunder galt. Für den Angreifer dürfte es Balsam auf die geschundene Stürmerseele gewesen sein, stand er doch nach schwachen Leistungen im Anschluss an seinen Wechsel gewaltig in der Kritik. Im Klassiker saß Modeste dann zunächst auch nur auf der Bank.

Dortmund steht nach dem 2:2 im Klassiker gegen den FC Bayern Kopf

Und drehte dann die Stimmung im Signal-Iduna-Park innerhalb kürzester Zeit. Zuvor hatte der FC Bayern eine vermeintlich komfortable Führung herausgeschossen und die Partie im Grunde im Griff – der dritte Münchener Treffer schien deutlich näher zu sein als ein Anschlusstor der Gastgeber. Doch dann biss sich der BVB noch einmal zurück. In der Schlussphase konnte der BVB nach einer Gelb-Roten Karte gegen Kingsley Coman (90.) in Überzahl spielen und hatte am Ende das letzte Wort. "Mit wahnsinnig viel Engagement und toller Moral haben wir uns belohnt für ein gutes Spiel. Der Punkt ist mehr als gerecht. Wenn man in der 95. Minute das 2:2 gegen Bayern München schießt, kann es nicht emotionaler werden. Das gibt uns sehr viel Kraft", sah auch Dortmunds Sportdirektor Kehl die Schwarzgelben als moralischen Sieger. Auf den BVB wartet nun gleich das nächste Topspiel, denn weil der 1. FC Union Berlin 1:0 in Stuttgart gewann, tritt der Tabellenvierte BVB nächste Woche beim Spitzenreiter an.

2) Gladbach siegt endlich wieder in einem torreichen Derby

Borussia Mönchengladbach ist endlich wieder ein Sieg im rheinischen Derby gelungen. Nach drei Niederlagen in Folge gewannen die Fohlen zuhause 5:2 gegen den 1. FC Köln. Dabei profitierten die Gladbacher auch davon, dass Florian Kainz Ende der ersten Hälfte mit Gelb-Rot vom Platz flog. Kainz war bis dahin einer der besten Kölner auf de Platz gewesen, hatte mit einem eiskalt verwandelten Elfmeter sogar die Führung der Gastgeber durch Marvin Friedrich (27.) nur wenige Minuten später egalisiert (31.). Doch er wurde noch vor dem Pausenpfiff zum Pechvogel der Partie, verschuldete seinerseits einen Strafstoß und wurde schließlich zum Duschen geschickt (45.+1).

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Diese Chance ließen sich die Fohlen dann nicht nehmen. Zunächst verwandelte Ramy Bensebaini seinen sechsten Elfmeter in der Bundesliga (45.+2), dann legte Lars Stindl mit einem schnellen Tor in der zweiten Hälfte nach (47.) Gladbach drängte auf den vierten Treffer, der in der 76. Minute durch den Doppelpack Bensebainis endlich gelang. Zwar kam Köln durch einen Treffer von Denis Huseinbasic noch einmal heran (83.), in Gefahr war der Erfolg aber zu keiner Zeit. Marcus Thuram sorgte in den Schlussminuten mit dem 5:2 für den erfreulichen Abschluss der Elf von Daniel Farke (90.+1), die damit auch die Schmach von Bremen in der Vorwoche, als es ein 1:5 an der Weser gab, vergessen machen konnten.

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Zum ersten Mal nach 43 Jahren fielen wieder so viele Tore im rheinischen Derby. Damals endete die Partie in Köln mit einem spektakulären 4:4. Nach dem 4. Saisonsieg (alle zu Hause) zog die Borussia in der Tabelle am Rheinrivalen vorbei. Gegen keinen anderen Klub siegte Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga so oft (52 Mal, bei 27 Niederlagen) und schoss so viele Tore (188) wie gegen den 1. FC Köln.

Ramy Bensebaini ist Gladbachs Held im Derby gegen Köln - IMAGO / Revierfoto

3) 4:0 gegen S04: Leverkusen meldet sich beim Alonso-Debüt zurück

Vier Spiele musste das hoch ambitionierte Bayer 04 Leverkusen auf einen Sieg in der Bundesliga warten. Nach der Freistellung von Gerardo Seoane sollte der neue Cheftrainer Xabi Alonso, dem gerade mal zwei Tage zur Spielvorbereitung blieben, unbedingt die Wende einleiten. Nach dem absolut verdienten 4:0 gegen den FC Schalke 04 im Kellerduell kann diese Mission als geglückt bezeichnet werden. Leverkusen ließ unter dem Spanier nichts anbrennen und verwertete vorne im Stile einer Spitzenmannschaft seine Großchancen.

Historisches Alonso-Debüt

"In der ersten Halbzeit hätten wir sogar das eine oder andere Tor mehr schießen können. Das war auf jeden Fall heute verbessert. Wir hatten eine bessere Zuordnung und haben die Räume, die Schalke uns gegeben hat, auch gut bespielt." Im neuen 3-4-3-System hatte Alonso die Qualitäten seines Teams zur Entfaltung gebracht und die Schwachstellen des S04 gnadenlos offengelegt - insbesondere über die Außenbahnen mit den Torschützen Moussa Diaby und Doppelpacker Jeremie Frimpong. "Er hat ja alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Das wissen die Spieler. Aber auch, dass er richtig was drauf hat - fachlicher Natur, aber auch die Leidenschaft für den Job. Das war schon sehr gut", lobt Bayers Geschäftsführer Sport den neuen Coach. Der zweifache Champions-League-Sieger Alonso scheint der Werkself mit seiner Aura erst mal neues Leben eingehaucht zu haben.

4) Förster-Gala sichert Bochums ersten Saisonsieg

Wenn nichts geht, geht oft was über Standards. Und beim VfL Bochum war wenig gegangen, bis zu diesem 9. Spieltag. Sieglos ging der VfL in das Duell mit Champions-League-Starter Eintracht Frankfurt. Und dann waren es eben zwei Standards, die dem Revierclub den Weg zum ersehnten ersten Dreier in dieser Spielzeit ebneten. Die 44. VfL-Ecke 2022/23 zirkelte ein Philipp - Förster - dem anderen Philipp - Hofmann - auf den Scheitel, der bezwang Kevin Trapp mit seinem zweiten Saisontor zur 1:0-Führung.

Die Trainerstimmen zum 9. Spieltag

Eine Viertelstunde später verlängerte Frankfurts Evan Ndicka Försters nächste Standardflanke ins eigene Tor. Bochums Nummer 10 veredelte einen überragenden Auftritt in der Nachspielzeit mit einem eigenen Treffer zum 3:0-Endstand. Nach dem Spiel gab sich der Mann des Tages zurückhaltend: "Am Ende ist es egal, wer die Tore schießt, Hauptsache, wir gewinnen." Das tat der VfL in der Bundesliga nun zum ersten Mal seit dem 6. Mai, damals gegen den designierten Absteiger Bielefeld. An Tabellenplatz 18 änderte der Sieg zwar nichts, dafür gab er dem VfL die Blaupause, um aus dem Keller zu klettern. Förster: "Wenn wir so auftreten, glaube ich, dass wir unsere Ziele erreichen werden."

Bochum feiert am 9. Spieltag den ersten Saisonsieg in der Bundesliga - IMAGO/Jan Huebner/IMAGO/Jan Huebner

5) Das neue Bremer Selbstverständnis

Werder Bremen steht derzeit auf einem Europapokal-Platz. Wer sich aber nur die Interviews nach dem Bremer 2:1-Auswärtssieg in Hoffenheim angehört hat, der konnte sich gar nicht so sicher sein, wer dieses Spiel eigentlich gewonnen hatte. "Wir haben nicht das gespielt, was wir uns vorgenommen haben", erklärte Torschütze Marvin Ducksch nach der Partie – und fasste damit die Bremer Stimmungslage gut zusammen. Es herrscht ein neues Selbstverständnis an der Weser. Es reicht Ole Werner und Co. nicht, bei gestandenen Bundesliga-Mannschaften wie der TSG Hoffenheim einigermaßen mitzuhalten, sondern man will jeder Partie auch den eigenen Stempel aufdrücken.

Das ist Werder im Kraichgau zwar nicht gelungen, aber die Hanseaten waren trotzdem immer im Spiel und als Team hellwach. Das Siegtor wurde im Prinzip demokratisch beschlossen. "Wir haben uns bei einem Standard gesagt: Männer, wir kriegen heute noch unsere Chance", verriet Ducksch nach der Partie. Und diese Chance nutzte Top-Torjäger Niclas Füllkrug vor den Augen von Bundestrainer Hansi Flick zum Siegtor. Mit acht Toren und zehn Scorerpunkten führt er jeweils die Bundesliga an. Die Chancen auf eine WM-Teilnahme steigen. "Alles, was er macht, hat Hand und Fuß. Er könnte uns auch Elemente geben, die uns aktuell noch fehlen in einem 26er-Kader", lobte Flick Füllkrug am Samstag.

Teamkollege Mitchell Weiser, der den entscheidenden Elfmeter mit einem seiner 40 Sprints (Topwert der Partie) herausholte, führt in einer Bilanz sogar die fünf europäischen Top-Ligen an: Kein Spieler hat in dieser Spielzeit schon so viele Beinschüsse verteilt, wie der Bremer Fügelspieler (acht). Neymar folgt mit sieben auf Rang 2. Auch in der Tabelle befinden sich die Bremer mittlerweile in prominenter Gesellschaft. Es ist das Ergebnis eines neuen Geistes an der Weser.