Dortmund klettert, Schalke feiert Terodde - © /
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7. Spieltag im Fokus: Darüber spricht die Bundesliga

Eintracht Frankfurt hat mit einem Sieg beim FC Bayern München überrascht, Borussia Dortmund klettert weiter und Simon Terodde trifft historisch in der 2. Bundesliga - die Themen des Bundesliga-Wochenendes.

1) Trapp weltklasse - Frankfurt bezwingt den FC Bayern

Als Schiedsrichter Florian Badstübner zum Abpfiff in seine Pfeife blies, stürmte die komplette Frankfurter Bank auf Kevin Trapp zu. Der Torhüter der Hessen war am überraschenden Eintracht-Sieg gegen den FC Bayern München maßgeblich beteiligt und parierte mehrfach glänzend. "Es war sehr viel Arbeit, wir haben sehr gut verteidigt. Nicht viele haben geglaubt, dass wir hier etwas holen können. Am Ende war natürlich auch etwas Spielglück dabei, es war sehr intensiv", erklärte Trapp nach der Partie, der mit zehn abgewehrten Torschüssen seinen persönlichen Bundesliga-Rekord einstellte, und fügte hinzu: "Wir hatten am Donnerstag ein sehr schweres Spiel und haben gegen einen starken FC Bayern mutig gespielt und an uns geglaubt."

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Den ersten Saisonsieg feierte Eintracht Frankfurt also ausgerechnet beim FC Bayern – wo die Adlerträger erstmals seit fast 21 Jahren wieder ein Auswärtsspiel gewinnen konnten. Im November 2000 hatte Jan-Aage Fjörtoft den 2:1-Siegtreffer im Olympiastadion erzielt.

"Wir fahren nach München, um dort zu gewinnen. Das möchte ich in den Augen der Spieler sehen“, hatte Cheftrainer Oliver Glasner noch vor der Partie gesagt. Diesen Wunsch konnte die Mannschaft in die Tat umsetzen und überzeugte durch Kampfgeist und schnellen Konterfußball. Martin Hinteregger (1:1, 32.) antwortete auf Leon Goretzkas Führungstreffer aus der 29. Minute mit einem Kopfball, Filip Kostic erzielte den Siegtreffer in der 83. Minute.

"Bayern hat uns keine Luft zum Atmen gegeben, es war sehr schwer für uns. Zum Glück konnten wir unsere seltenen Chancen nutzen. Vor allem Filip hat es sehr gut auf seiner neuen Position gemacht und hat uns zum Erfolg verholfen. Der erste Sieg ist sehr wichtig für uns, da wir sehr oft hinterhergelaufen sind", so Hinteregger.

Im elften Pflichtspiel unter Julian Nagelsmann kassierte der FC Bayern erstmals eine Niederlage (zuvor ein Remis und neun Siege). Außerdem hat der Rekordmeister erstmals seit November 2019 (1:2 gegen Leverkusen) wieder ein Bundesliga-Heimspiel verloren. Dazwischen lagen 30 ungeschlagene Bundesliga-Heimspiele in Folge. Die Eintracht kann nun etwas entspannter in die Länderspielpause gehen. Seit acht Spielen sind die Hessen nun ungeschlagen (sechs Remis, zwei Siege) und wollen laut Hinteregger "endlich eine Serie starten".

2) Furiose Fohlen schlagen bissige Wölfe

Borussia Mönchengladbach kommt so langsam aber sicher ins Rollen: Die Elf von Coach Adi Hütter überrollte den VfL Wolfsburg förmlich in den ersten Minuten: Bereits nach fünf Minuten stand es 1:0 als Breel Embolo mit einem artistischen Fallrückzieher aus kurzer Distanz verwandelte. Keine 120 Sekunden später erhöhte Jonas Hofmann auf Zuspiel des am Samstag überragenden Schweizers zum 2:0. Luca Waldschmidt konnte zwar noch verkürzen (25.), doch Joe Scally erzielte das wohl verdiente 3:1 in der fünften Minute der Nachspielzeit.

Die Gladbacher holten damit den ersten Auswärtssieg der Saison und auch den zweiten Dreier in Serie: Nachdem sie in der vergangenen Woche schon mit Borussia Dortmund ein regelrechtes Schwergewicht der Bundesliga niederrangen, schlugen sie nun den zweiten deutschen Champions-League-Starter. Das Besondere an diesem Erfolg: Die Mannschaft Hütters konnte den ersten Sieg bei den Niedersachsen seit 2003 einfahren. Zudem schickte der Coach die jüngste Gladbacher Startelf seit zwei Jahren aufs Feld.

Die Neuzugänge Kouadio Kone (20 Jahre alt) und Luca Netz (18) wurden ebenso von Beginn an auf den Rasen geschickt wie Jordan Beyer (21) und Torschütze Scally (18). Die Mannen von Hütter bestachen durch ihr schnelles und flüssiges Angriffsspiel, setzten durch Konter immer wieder Nadelstiche gegen die physisch starken Wölfe. Die kommenden Gegner der Borussia in der Bundesliga sind der VfB Stuttgart, Hertha BSC, der VfL Bochum, Mainz 05 und Fürth. Bis zum Derby gegen den formstarken 1. FC Köln können sich die Gladbacher oben festsetzen.

3) Kölner Powerfußball begeistert die Fans

Der 1. FC Köln macht in dieser Saison wieder Spaß und begeistert seine Fans mit Kampfgeist und Siegeswille. Die "Geißböcke" drehten zum Auftakt des 7. Spieltags einen 0:1-Rückstand gegen die SpVgg Greuther Fürth und siegten am Ende verdient 3:1 im eigenen Stadion. Besonders Ellyes Skhiri beeindruckte mit seine hohen Laufbereitschaft und dem Sprint in der 89. Minute, der mit dem Tor im Anschluss alles klar machen sollte. "Ellyes ist der größte Profi, den ich kenne", setzte Rafael Czichos nach der Partie zu einer mehr als verdienten Lobeshymne auf Skhiri an. "Er arbeitet jeden Tag so unglaublich viel, doppelt so viel wie alle anderen", sagte er bei DAZN. "Der schmeißt sich in jeden Zweikampf rein. Dazu kann er auch noch übertrieben gut Fußball spielen."

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In der ersten Halbzeit lief der FC noch seiner bisher so starken Form hinterher und hatte Glück, nicht noch höher in Rückstand zu geraten. Die Halbzeitansprache von Steffen Baumgart schien aber mal wieder Wunder bewirkt zu haben, denn die Mannschaft übernahm im zweiten Durchgang prompt die Spielkontrolle und drehte durch Sebastian Andersson (1:1, 50.), und Ellyes Skhiri (2:1, 55. und 3:1, 89.) das Spiel. Nicht umsonst skandierten die 40000 zugelassenen Fans "Steffen Baumgart wird Kanzler!" im Stadion. Trotz dieser Euphorie will der FC-Trainer die Gemüter immer wieder beruhigen, damit die Mannschaft nicht zu sehr abhebt: "Es ist wichtig, dass du dich in schwierigen Phasen rein arbeitest. Dennoch wissen wir, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben", sagte Baumgart. Als Belohnung gab er der Mannschaft bis Dienstag frei, um sich dann erholt auf die TSG Hoffenheim vorzubereiten, die nach der Länderspielpause auf den FC wartet.

4) Dortmund klettert

Borussia Dortmund hat die Englische Woche ohne Top-Stürmer Erling Haaland erfolgreich gemeistert. Der BVB gewann sowohl am Dienstag in der Champions League gegen Sporting Lissabon (1:0) als auch am 7. Bundesliga-Spieltag zuhause gegen den FC Augsburg (2:1) und sammelte dadurch wichtige Punkte für die oberen Ränge. Auch wenn die Schwarz-Gelben unter den Augen von Haaland, der angeschlagen auf der Tribüne saß, unnötig lange zittern mussten, feierten sie am Ende einen verdienten Sieg gegen kämpfende Fuggerstädter. Raphael Guerreiro schoss den BVB per Elfmeter in Führung (1:0, 10.) und baute damit seinen persönlichen Rekord von drei Treffern nach sieben Spieltagen aus. Andi Zeqiri glich zwar zwischenzeitlich für den FCA aus (1:1, 35.), Julian Brandt machte aber mit einem schönen Fernschuss in der 51. Spielminute den Siegtreffer (2:1, 51.).

"Ich persönlich habe mich sogar noch ein bisschen geärgert, dass wir das dritte Tor nicht gemacht haben. Ein bisschen fehlte zwischendurch die Sauberkeit. Thorgan Hazard und Marco Reus hatten noch gute Chancen, meine ich. Wenn die ihre Buden machen, sieht es gut aus und wir haben nicht bis zur 90. Minute den Stress“, so Torschütze Brandt nach dem Spiel. Der 25-Jährige erzielte in seinen letzten sechs Bundesliga-Spielen gegen Augsburg vier Tore (davon drei für Dortmund). Der Matchwinner fügte nach der anstrengenden Partie hinzu: "Natürlich war das ein intensives Spiel. Bei den Spielern hat man auch noch die Partie gegen Lissabon gemerkt. Es war ein Kraftakt, aber wir haben es gut durchgezogen.“

Das komplette Team belohnt sich damit für die perfekte BVB-Woche und den dadurch gewonnenen Zählern. Nun kann man sich nach der Länderspielpause auf den nächsten Gegner aus Mainz vorbereiten. Die 05er werden es den Dortmundern aber keineswegs leichter machen, aber vielleicht mischt ja dann auch wieder Top-Stürmer Haaland auf dem Platz mit.

5) Terodde stellt den Schatzschneider-Rekord

Der FC Schalke 04 hatte am Sonntagnachmittag genau zwei Ziele: erstens die Pflichtaufgabe gegen den FC Ingolstadt 04 erledigen und zweitens seinen Torjäger Simon Terodde in Szene setzen. Denn dieser verfolgte die Mission, den Zweitliga-Torrekord (153 Treffer) von Dieter Schatzschneider einzustellen. Beides gelang den Königsblauen. S04 siegte gegen harmlose Schanzer mit 3:0 und die "Lebensversicherung“ Terodde egalisierte den Torrekord, zog mit dem 153. Zweitligator mit Schatzschneider gleich.

>>> 153 Treffer: Simon Terodde knackt Torrekord der 2. Bundesliga

Hilfreich waren da womöglich die "Simon Terodde“-Sprechchöre der anwesenden Schalke-Anhänger, die ihren Mittelstürmer bis zur 77. Spielminute dazu aufforderten, den Rekord zu knacken. Denn da war es soweit: Teamkollege Dominick Drexler legte uneigennützig quer, Terodde sagte Danke und machte den Sack zu. Der gebürtige Bocholter erhielt von allen Seiten Lob, sein Team stand sogar für ihn Spalier. "Ich habe schon ein paar Spiele mit Domme zusammen gemacht und wenn er so frei ist, weiß ich, dass ich mich absetzen muss, da er immer noch den Blick für den Mitspieler hat. Ich konnte mich schon ein paar Sekunden früher freuen, weil ich wusste, dass er den Ball zu mir spielen wird“, so der Top-Stürmer nach dem Spiel.

Hinsichtlich des Ergebnisses und des Torrekordes von Terodde war es ein gelungener Nachmittag für die "Knappen“. Youngster Mehmet Can Aydin erzielte ein Traumtor per Scherenschlag. In Hälfte eins ebnete Marius Bülter mit seinem äußerst präzisen Fernschuss den Weg zum Schalker Heimdreier. S04 steht auf Rang vier und schnuppert an den Aufstiegsrängen. Mit Terodde (elf Saisontore) und Bülter (drei) hat S04 ein gefährliches Sturmduo. Erster trifft 2021/22 alle 72 Minuten ins gegnerische Netz, für unfassbare 69 Prozent der Schalker Tore ist der 33-Jährige in dieser Saison verantwortlich. Auch wenn Königsblau gegen den FCI nicht die Sterne vom Himmel spielte, reicht derzeit die individuelle Klasse, um sich an die obere Tabellenregion, wo Schalke in der 2. Bundesliga auch hingehört, vorzuschieben.