Schalke - Turbulente Tage liegen hinter dem FC Schalke 04. Mit dem Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin am Samstag (ab 18 Uhr im Live-Ticker) startet dann auch ganz offiziell die Ära von Roberto Di Matteo.

Der 44-Jährige weiß, dass eine Menge Arbeit auf ihn wartet. Und er muss sofort anpacken, denn Schalke benötigt den kurzfristigen Erfolg ebenso wie eine langfristige Perspektive. bundesliga.de erklärt, welche fünf Baustellen der Italo-Schweizer dafür schließen muss.

1. Raumdeckung:

Die Schalker Hälfte ist ein Paradies für Offensivspieler. 105-mal kamen die Gegner in den ersten sieben Spielen zum Torschuss, einzig Tabellenschlusslicht Werder Bremen (112) ließ noch mehr Abschlüsse zu. Die Räume zwischen den Reihen und den einzelnen Spielern sind oft zu groß, das Verschieben zu behäbig. Zudem fehlt es in der Innenverteidigung an der nötigen Abstimmung. Schalke kassierte ligaweit die meisten Gegentore durch Stürmer (7) - kein Ruhmesblatt für die Zentrale.

2. Umschaltspiel:

Vier Gegentore durch Konter bedeuten gemeinsam mit dem VfB aus Stuttgart Ligaspitze. Das defensive Umschaltspiel der Schalker funktioniert bislang noch überhaupt nicht. Das Mittelfeld lässt sich viel zu leicht überspielen. Auch die Bereitschaft, hohes Tempo aufzunehmen liegt im unteren Durchschnitt (Rang 13) - nur 202 Sprints setzt die gesamte Elf pro Begegnung an.

Den negativen Höhepunkt für das mangelhafte Abwehrverhalten bei gegnerischen Kontern markierte die Vorstellung am 3. Spieltag beim bitteren . Ob über rechts, links oder durch die Mitte, die Mannschaft von Ex-Coach Jens Keller kam kaum in geschlossene Umschaltbewegungen.

3. Konzentration:

In der ersten halben Stunde ist die Unordnung in der Hintermannschaft besonders eklatant. Siebenmal musste Keeper Ralf Fährmann in den ersten 30 Minuten bereits hinter sich greifen – Ligaspitze. Dem Team fehlt es schlicht und ergreifend an Konzentration und offenbar auch der nötigen Anspannung vor dem Anpfiff eines Bundesligaspiels.

4. Disziplin:

Die generelle Bereitschaft, in die Zweikämpfe zu gehen, kann man den Spielern definitiv nicht absprechen. Die Frage nach der Art und Weise muss jedoch sehr wohl gestellt werden. Von 751 Defensiv-Zweikämpfen konnten die Schalker nur 50 Prozent für sich entscheiden und liegen auch hier unter dem Durchschnitt. Hinzu kommt unnötige Härte und fehlendes Timing in den Duellen. 19-mal mussten die Schiedsrichter bereits zum Karton greifen – Höchstwert.

5. Führungslos:

Jens Keller musste in der laufenden Runde im Endeffekt all seine Führungsspieler ersetzen – aus verschiedenen Gründen. Benedikt Höwedes und Jefferson Farfan spielten verletzungsbeding noch keine Rolle. Julian Draxler und Kevin-Prince Boateng sind komplett außer Form. Bereits vergangene Saison (zwei Tore) brachte Draxler nicht mehr die Leistungen aus der Spielzeit 2012/13 (zehn Tore) auf den Rasen. In der laufenden Runde blieb der 21-Jährige bis auf die Partie gegen Frankfurt jedoch komplett blass. Eine durchschnittliche Passquote von knapp 75 Prozent sind für einen Spieler mit seinen Ambitionen auf dieser Position schlichtweg zu wenig.

Bei Boateng ist die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit sogar noch größer. Nur 47 Prozent gewonnene Zweikämpfe wie in der letzten Saison sind für einen Sechser schon schwach, die 44 Prozent in der laufenden Saison sind absolut ungenügend. Im Vergleich: Joshua Guilavogui, Neuzugang beim VfL Wolfsburg, kommt auf 60,7 Prozent gewonnener Duelle (Bundesliga-Top-11: Zweikämpfe).

Thomas Ziemann

Linksammlung:

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