Der 23. August 1994 markiert einen großen Tag in der Geschichte des SC Freiburg. Am 2. Spieltag der Saison 1994/95 besiegten die Breisgauer den FC Bayern München vor 18.000 Zuschauern im heimischen Dreisamstadion sensationell mit 5:1.

Martin Spanring (11.), Ralf Kohl (17.) und Rodolfo Cardoso (18.) schossen den Sport-Club schnell deutlich in Führung. Nachdem Christian Ziege in der 33. Minute verkürzt hatte, sorgten Spielmacher Cardoso (59.) und Jörg Heinrich (68.) mit ihren Toren schließlich für den Endstand.

Für den FC Bayern liefen damals unter anderem Oliver Kahn, Thomas Helmer, Lothar Matthäus, Dietmar Hamann, Jean-Pierre Papin und Mehmet Scholl auf. Auf den Trainerbänken saßen Volker Finke und Giovanni Trapattoni.

Torschütze Martin Spanring erinnert sich bei bundesliga.de an den fulminanten Heimsieg gegen den Rekordmeister:

"Zu dieser Zeit hatten wir beim SC Freiburg eine Truppe, die über eine normale Fußballmannschaft weit hinaus ging. Der Zusammenhalt unter den Spielern war auch abseits des Rasens groß. Selbst vor dem Bayern-Spiel haben wir uns noch in einer großen Gruppe getroffen, um etwas zu unternehmen - da wurden dann auch schon die ersten Witzchen über das Spiel gemacht. Bereits im Jahr vor dem besagten Spiel hatten wir den FC Bayern mit 3:1 geschlagen. Vor dem Heimspiel am 2. Spieltag dachten wir: Eine solche Blöße werden sich die Bayern auf keinen Fall erneut geben, deshalb müssen wir dieses Mal noch eine Schippe drauflegen. Mit dieser Einstellung sind wir ins Spiel gegangen.
Von der individuellen Klasse her waren wir natürlich bei weitem nicht so stark wie der FC Bayern. Jeder der gegen Bayern spielt, hat im ersten Moment unheimlich großen Respekt - so ging es uns auch. Man versucht hinten zu stehen, kein Gegentor zu kassieren. Wir hatten eigentlich nur auf zwei, drei Situationen spekuliert, um ein Tor zu machen. Ich habe dann früh das 1:0 erzielt. Genau erinnere ich mich nicht. Es muss nach einer Standardsituation gewesen sein, denn ansonsten hätte ich so weit vorne nichts verloren gehabt. Wir haben unser Kurzpassspiel zu dieser Zeit perfekt zelebriert. Für den Gegner war es unglaublich schwer, an den Ball zu kommen. Nach dem Führungstreffer war uns klar, dass sich automatisch Torchancen ergeben, wenn wir die Nerven bewahren und unser Spiel durchziehen. Und der Raum dafür war dann natürlich da.
Nach 18 Minuten stand es 3:0. Viele Mannschaften werden dann gegen Bayern nervös. Aber wir wussten genau: Jeder läuft für den anderen, jeder ist für den anderen da - das gibt dir als Spieler unglaublich großes Selbstbewusstsein. Hat einer von uns einen Fehler gemacht, dann wusste er, dass ein Kumpel da ist, der für zwei läuft und den Fehler ausmerzt. Der Schlüssel war die Bereitschaft, einander zu helfen und einander auch Fehler zu verzeihen. Die Fans haben uns von der ersten bis zur 90. Minute angefeuert. Es war damals eine Bindung zwischen Mannschaft und Fans vorhanden, die einmalig war.
Nach dem Spiel waren wir im ersten Moment wie paralysiert. Ich saß in der Kabine und habe gar nicht richtig realisiert, was wir gerade abgezogen hatten. Wir waren voller Emotionen, irgendwie frei - aber trotzdem begriffen wir alles noch nicht richtig. Richtig wahrgenommen habe ich das 5:1 erst ein paar Tage später. Ich erlebe heute noch Situationen, in denen mich Fans auf die damalige Mannschaft ansprechen und darauf, dass wir drei Mal in Folge zuhause gegen den FC Bayern gewonnen haben. Für mich persönlich ist das doppelt schön - ich stand in allen drei Spielen über 90 Minuten auf dem Rasen."

Der ehemalige Verteidiger Martin Spanring ist heute als Beauftragter der Geschäftsleitung für Sport im Europapark in Rust tätig. Spanring bestritt von 1989 bis 2001 insgesamt 172 Bundesliga-Spiele (zehn Tore) für Fortuna Düsseldorf, FC Schalke 04, SC Freiburg und VfB Stuttgart. Mit dem VfB erreichte er 1998 das Finale des Europacups der Pokalsieger, mit dem SC Freiburg wurde er 1995 sensationell Dritter in der Bundesliga. Dem aktuellen Team des SC Freiburg traut er gegen den FC Bayern (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) erneut eine Überraschung zu. "Die Freiburger haben durch die Länderspielpause länger Zeit zur Erholung gehabt. Bei Bayern waren fast alle Spieler mit den Nationalteams unterwegs. Das ist ein psychologischer Vorteil für den SC. Die Spritzigkeit und die gesunde Aggressivität wird ausschlaggebend sein", glaubt der 40-Jährige. Eine Einschränkung macht er aber: "Ein 5:1 wird es wohl nicht mehr werden."

Mit Martin Spanring sprach: Andreas Messmer