Stuttgart - Das Schlechteste am Auftreten der Wolfsburger in Stuttgart war das Ergebnis. Nur ein Punkt war dem neuen Trainer Felix Magath dann auch entschieden zu wenig, zumal die Kicker aus der "Autostadt" sich im Schwabenland deutlich formverbessert präsentierten.

Magath scheint in Wolfsburg angekommen zu sein. Nachdem er unter der Woche bereits seine grüne Meisterkrawatte medienwirksam zur Schau stellte, schlürfte er nach dem 1:1-Unentschieden beim VfB Stuttgart auf der anschließenden Pressekonferenz seinen heißgeliebten Pfefferminztee aus einer hellgrünen Tasse, die er während seiner Analysen belustigt zur Schau stellte.

Magath: "Der Zustand der Mannschaft ist körperlich schlecht"

Dabei dürfte sich die gute Laune des in der vergangenen Woche so heftig kritisierten Trainers nach der Partie in Stuttgart in Grenzen gehalten haben. Nicht, weil seine Mannschaft eine enttäuschende Vorstellung geboten hatte, sondern weil der Stuttgarter Ausgleich quasi in allerletzter Sekunde gefallen war.

Bis zu vierten Minute der Nachspielzeit hatten Magaths Wolfsburger das Spiel in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena bestens im Griff, dann aber entdeckte VfB-Verteidiger Georg Niedermeier seine Stürmer-Gene. Einen langen Ball von Christian Genter verwandelte er in herrlicher Manier eiskalt und verdarb so Magaths Einstand. "Der Zustand der Mannschaft ist körperlich schlecht", sagte Magath zornig und kündigte gleich einmal das Konditionstraining an, das ihn in der Bundesliga so berüchtigt gemacht hat.

Ulreich verhindert die Vorentscheidung

In der Tat hätten es sich die Wolfsburger, angeführt von einem als Anführer überzeugenden Diego, im Schwabenland deutlicher einfacher machen können. Besonders in der zweiten Halbzeit wurden von den Niedersachen zahlreiche Konterchancen vergeben, besonders der ansonsten starke Torschütze Grafite tat sich dabei hervor. Allerdings muss man sagen, dass auf Stuttgarter Seite Torhüter Sven Ulreich, seit seiner Degradierung vor einigen Wochen in bester Form, einen echten Sahnetag erwischt hatte und mindestens zwei schier Unhaltbare aus den Ecken fischte.

Magath wäre aber nicht Magath, wenn er in seiner Analyse nicht schonungslos die Schwächen seiner Mannschaft aufzudecken versuchen würde. Das tat er auch in Stuttgart und hatte mit mürrischem Gesichtsausdruck vor allem an der Einstellung seiner Spieler zu mäkeln: "Bei meinen Spielern ist es noch nicht in den Köpfen angekommen, dass sie mitten im Abstiegskampf stecken. Sie denken immer noch, sie seien etwas Besseres. Das muss sich schnellstens ändern.

Auch Magaths Kapitän Marcel Schäfer übte Kritik: "Die Art und Weise, wie wir den Ausgleich kassiert haben, ist sehr bitter. Das darf uns so nicht passieren. Zudem haben wir unsere Konter nicht gut zu Ende gespielt, sonst hätten wir das Spiel früher entscheiden können."

Schwerpunkt auf Kompaktheit und Defensive

Magath bewies in Stuttgart auch, dass er in der Lage ist, seinen Mannschaften bei der taktischen Ausrichtung Stabilität zu vermitteln. Mit Routinier Andre Lenz, Marcel Schäfer, Josué, Makoto Hasebe, Sascha Riether und Grafite standen beim VfB gleich sechs Akteure in der Startelf, auf die sich Magath schon in der Meistersaison verlassen konnte.

Der 57-Jährige setzt also auf ein kompaktes Auftreten und eine sichere Defensive. Beides gelang den Wolfsburgern in Stuttgart schon recht gut, besonders die beiden routinierten Innenverteidiger Arne Friedrich und Simon Kjaer zeigten grundsolide Vorstellungen und ließen die Stuttgarter Angreifer nicht zur Entfaltung kommen.

So gab es bei Magaths erstem Auftritt als Wolfsburg-Trainer einige Aspekte, die Hoffnung machen, den drohenden Abstieg doch noch verhindern zu können. Eines jedenfalls weiß Magath genau: "Die Leute freuen sich, das ich zurück bin." Das bewiesen auch die Handvoll Wolfsburger Fans am Sonntagabend in Stuttgart. Winkend rannten sie dem Wolfsburger Mannschaftsbus hinterher in die dunkle Nacht. Auf sie kann sich Magath jedenfalls verlassen. Und das ist ja schon mal was.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer