Die "Bombe" platzte am 20. Oktober 2000: Christoph Daum erhielt vom gerichtsmedizinischen Institut in Köln das positive Ergebnis seiner Haaranalyse. Damit stand endgültig fest: Erfolgstrainer Daum hatte Kokain konsumiert.

Der Befund führte nicht nur zum Rücktritt Daums als Coach von Bayer Leverkusen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) löste seine per Handschlag für den 1. Juni 2001 geltende Vereinbarung mit Daum als künftigem Bundestrainer und Nachfolger von Erich Ribbeck.

Die sensationelle Wende traf Leverkusens Manager und Daum-Freund Reiner Calmund "wie ein Keulenschlag", hinterließ allgemeine Fassungslosigkeit und löste ein Tauziehen um Rudi Völler aus. DFB-Teamchef Völler hatte in einer Blitzaktion interimsweise die Führung der Bayer-Mannschaft übernommen.

Rücktritt bei Bayer

Fünf Stunden vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 21. Oktober 2000 hatte Calmund auf einer Pressekonferenz in der BayArena die Trennung von Daum bekannt gegeben und dessen Erklärung verlesen: "Auf Grund der mir übermittelten Daten, die ich anzweifle und mit einer zweiten Probe widerlegen werde, sehe ich mich nicht mehr in der Lage, meine Tätigkeit bei Bayer Leverkusen fortzusetzen." Daum, der die Haaranalyse am 9. Oktober selbst in Auftrag gegeben hatte ("Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe"), setzte sich zunächst nach Florida ab.

Die Enthüllungen in der Affäre Daum schockten auch den DFB. "Ich bin menschlich sehr betroffen und natürlich enttäuscht. Das ist eine menschliche Tragödie. Ich habe seinen nachträglichen Versicherungen geglaubt, dass an den Drogengerüchten nichts dran ist", erklärte der damals als geschäftsführender DFB-Boss fungierende Daum-Mentor Gerhard Mayer-Vorfelder.

Gerichtliches Nachspiel

Das Nachspiel vor Gericht wurde für Daum zwar zu einem Mammutprozess, führte aber zu einem glimpflichen Ausgang. Am 6. Mai 2002 stellte das Landgericht Koblenz nach fast siebenmonatiger Verhandlungsdauer den Prozess gegen Daum wegen des Kokain-Erwerbs in 63 Fällen und der Anstiftung zum Kauf von weiteren 100 Gramm der Droge ein.

Am 30. Verhandlungstag einigten sich die Staatsanwaltschaft, die Erste Große Strafkammer und die Verteidigung auf die Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 10.000 Euro. Auch der im Raum stehende Entzug der Trainerlizenz durch den DFB war damit ad acta gelegt.

Daum zeigte sich reumütig: 'Ich kann nur versprechen, dass ich aus meinen Fehlern gelernt habe." Zeit heilt bekanntlich alle Wunden. Und so kehrte der Trainer nach mehreren Jahren in der Türkei und Österreich in den deutschen Profi-Fußball zurück. Seit 2006 trainiert er den 1. FC Köln, den er in die Bundesliga zurückführte.