München - Guido Buchwald weiß, wie es geht. Der Schwabe gehörte zu den zentralen Figuren beim deutschen Finalsieg über Argentinien bei der WM 1990 in Italien. Er stellte den damaligen argentinischen Superstar Diego Maradona im Finale kalt - und hatte zuvor bereits im Achtelfinale gegen die Niederlande mit einem Übersteiger-Assist für Aufsehen gesorgt. Der Spitzname "Diego" blieb ihm.

24 Jahre nach der legendären Nacht von Rom und dem finalen Elfmetertor von Andreas Brehme zum 1:0-Sieg der deutschen Elf trifft Deutschland erneut auf Argentinien (Infografik). Wie der Weltmeister von 1990 die Voraussetzungen und die Chancen der Mannschaft von Joachim Löw auf den vierten WM-Titel einschätzt, verrät Buchwald im Interview mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Herr Buchwald, ist die Paarung Deutschland gegen Argentinien ein würdiges Finale für diese WM? Treffen die beiden besten Mannschaften aufeinander?

Guido Buchwald: Wer es in so einem großen und schweren Turnier ins WM-Finale schafft, hat es auch verdient. Wir Deutsche nach dem sensationellen Halbfinalspiel gegen Brasilien sowieso. Wir haben uns in das Turnier reingekniet und reingespielt. Wir waren mit die beste Mannschaft des Turniers. Die Argentinier haben den Einzug ins Finale dank ihrer Zweikampfstärke auch geschafft. Ihre spielerische Leistung sei jetzt einmal dahingestellt. Aber sie haben sich den Einzug ins Endspiel auch verdient.

bundesliga.de: Sehen Sie im aktuellen Turnierverlauf einige Parallelen zum Turnier von 1990, als Deutschland letztmals in einem Finale auf Argentinien traf?

Buchwald: Ja, es gibt viele Parallelen. Die argentinische Mannschaft besteht wieder aus einem Superstar und einer Mannschaft, die für ihn arbeitet. Damals war es Diego Maradona, heute ist es Lionel Messi. Sie haben auch damals nicht geglänzt auf ihrem Weg ins Finale. Sie haben als starkes Team agiert und sind dank einiger genialer Aktionen von Maradona ins Finale gekommen. Wir hatten damals auch eine komplette, tolle Mannschaft, in der jeder seine Leistung abgerufen hat. Heute ist es bei beiden Mannschaften ähnlich. Die Voraussetzungen sind 24 Jahre später ziemlich gleich.

bundesliga.de: Fällt Deutschland wie damals auch wieder die Favoritenrolle zu?

Buchwald: Auf jeden Fall. Nach dem 7:1 gegen Brasilien sind wir der große Favorit. Und wir werden es auch packen.

bundesliga.de: Sie haben damals den Spitznamen "Diego" verpasst bekommen, weil Sie nicht nur Diego Maradona ausgeschaltet haben, sondern auch spielerische Impulse setzen konnten. Wie gefallen Ihnen Ihre Nachfolger im deutschen Mittelfeld im Jahr 2014?

Buchwald: Sehr gut. Es ist für mich bewundernswert, wie schnell Sami Khedira nach seiner schweren Verletzung wieder fit wurde und ein gutes Turnier spielt. Genauso Bastian Schweinsteiger. Er hat sich in das Turnier reingebissen, sich auf seine Leistung konzentriert und alles andere ausgeblendet. Die Mannschaft hat sich im Laufe des Turniers gefunden. Man hat aus dem einen oder anderen Spiel die richtigen Lehren gezogen.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass der Bundestrainer an der siegreichen Elf festhalten wird?

Buchwald: Es gibt keinen Grund, etwas zu ändern. Ich hoffe, dass Mats Hummels fit wird. Er hat sich als absolute Größe in der Nationalmannschaft erwiesen und spielt eine super WM. Aber es sieht ja wohl so aus, dass er spielen kann.

bundesliga.de: Wer ist für Sie bislang aus deutscher Sicht der Spieler des Turniers?

Buchwald: Es gibt einige, die nach einer langen Saison sogar noch über ihren normalen Leistungen spielen. Das fängt bei Manuel Neuer im Tor an, der absolute Weltklasse und der beste Torhüter des Turniers ist. Er hält sensationelle Bälle und hat eine fantastische Ausstrahlung. Mats Hummels, Sami Khedira oder Bastian Schweinstieger sind alles Spieler, die es verdient hätten, sich in der All-Star-Elf des Turniers wiederzufinden. Das gilt auch für Toni Kroos (Personalie) oder einen Andre Schürrle, der als Joker reinkommt und immer sensationell spielt. Es gibt nicht den einen Spieler, sondern viele.

bundesliga.de: Auf was für eine argentinische Mannschaft muss sich die deutsche Elf im Finale einstellen?

Buchwald: Argentinien wird so spielen wie gegen die Niederlande. Sie werden erst einmal auf Sicherheit bedacht sein, defensiv aggressiv spielen, die Räume eng machen. Es wird ein schweres Spiel für uns. Die deutsche Mannschaft muss den Druck ständig hochhalten und die Argentinier zu Fehlern zwingen. Die Südamerikaner haben einen Tag weniger zur Erholung, sie mussten obendrein eine Verlängerung spielen. Die Zeit spricht für uns. Je länger das Spiel unentschieden steht, umso größer werden unsere Chancen.

bundesliga.de: Wie geht das Endspiel aus?

Buchwald: 2:0 für Deutschland.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski