Rudi Völler hat ein gutes Gedächtnis. An seine Premiere in der Bundesliga kann sich der heutige Sportdirektor von Bayer Leverkusen noch gut erinnern. "Gegen den VfL Bochum, ich glaube wir haben unentschieden gespielt", sagte "Tante Käthe" und hat damit Recht.

Denn am 16. August 1980 bestritt der für 700.000 Mark von den Kickers Offenbach aus der 2. Bundesliga gekommene Nachwuchsstürmer für 1860 München sein erstes Bundesliga-Match beim 2:2 gegen den VfL Bochum.

Lang ist's her

Der damalige "Löwen"-Coach Carl-Heinz Rühl musste seinen bei der Premiere wenig überzeugenden Neuzugang anschließend aber in Schutz nehmen: "Er hat gute Ansätze gezeigt und wird mit seinem Spielwitz und seinen Dribblings seinen Weg in der Bundesliga gehen".

Das bewies Völler dann schon vier Spieltage später, als er am 6. September beim 2:1 gegen den 1. FC Köln die "Geißböcke" im Alleingang abschoss und seinen ersten Bundesliga-"Doppelpack" erzielte. Daran konnte sich der ehemalige Teamchef der DFB-Elf zwar noch halbwegs erinnern, aber genau konnte er seine Treffer nicht mehr einordnen.

Erstes Bundesliga-Tor am 4. Spieltag

"Am 3. oder 4. Spieltag, ich glaube gegen Köln", antwortete Völler auf die Frage nach seinem ersten Treffer in der deutschen Eliteliga. Da lag er allerdings nur teilweise richtig. Denn sein erstes von insgesamt 132 Toren in 232 Bundesliga-Spielen erzielte der gebürtige Hanauer am 2. September bei der 2:3-Niederlage der "Löwen" am 4. Spieltag beim 2:3 in Kaiserlautern, als er in der 53. Minute zum zwischenzeitlichen 1:1 für die Gäste traf.

"Damals war ich noch ein Leichtgewicht. Es war eine totale Umstellung von der 2. Bundesliga zur Bundesliga, obwohl ich sicherlich damals schon gewisse Qualitäten gehabt habe", berichtet Völler über den Start in eine glänzende Profikarriere, die ursprünglich in Offenbach begonnen hatte.

Geprägt wurde "Rudi Riese" aber zweifelsohne von seinem Vater Kurt, der ihn im Alter von acht Jahren beim TSV 1860 Hanau angemeldet hatte. Völler senior hatte für den Verein in den 1940er Jahren in der Gauliga gespielt und war als Leiter der Jugendabteilung erster Trainer seines Sohnes. 1975 wechselte Völler zu den Offenbacher Kickers, 1978 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag, ehe der damals erst 20-Jährige zu 1860 München in die Bundesliga wechselte.

München - Bremen - Rom

"Im ersten Jahr habe ich schon eine Menge gelernt. Ich bin robuster geworden und habe vor allem an meinem schwachen linken Fuß gearbeitet, den ich zunächst nur hatte, um nicht umzufallen. Mit der Zeit konnte ich aber auch mit links ganz gut schießen", beschreibt Völler im Rückblick sein erstes Lehrjahr.

Am Ende der Saison standen neun Tore, aber auch der bittere Abstieg mit den "Löwen", denen er auch in der 2. Bundesliga treu blieb. Trotz seiner 37 Treffer als Torschützenkönig in der Spielzeit 1981/82 langte es für den in München längst zum Publikumsliebling aufgestiegenen Angreifer aber nicht zum Wiederaufstieg der Sechziger.

Völler selbst kehrte aber nach nur einem Jahr Unterbrechung in die Bundesliga zurück und setzte bei Werder Bremen seine Traumkarriere fort. 1983 wurde Werder Vizemeister, Völler mit 23 Treffern Torschützenkönig, "Fußballer des Jahres" und Nationalspieler. Nach zwei weiteren zweiten Plätzen mit Bremen wechselte "Tante Käthe" 1987 zum AS Rom nach Italien, wo ihm aber zunächst auch ein Titel verwehrt blieb.

Weltmeisterschaft 1990 als Krönung

Den größten aller Titel holte sich Völler ausgerechnet in seiner Wahlheimat Italien, als er 1990 in Rom mit der deutschen Nationalmannschaft durch ein 1:0 gegen Argentinien Weltmeister wurde. Es folgte ein Pokalsieg mit dem AS Rom (1991) sowie Meisterschaft und Europacup-Triumph mit Olympique Marseille (1993).

Nach seinem 90. und letzten Länderspiel bei der WM 1994 in den USA ließ Völler seine Bundesliga-Karriere mit zwei Spielzeiten bei Bayer Leverkusen ausklingen, wo er im Sommer 1996 auch seine neue Karriere begann - zunächst als Sportdirektor, dann als Interims-Coach.

DFB-Teamchef und zurück zu Bayer

Nach der katastrophalen EM-Endrunde 2000 übernahm Völler auf Bitten und Drängen des ehemaligen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder das "Himmelfahrtskommando". Als Interimslösung und Platzhalter für Christoph Daum angedacht wurde der Hesse schließlich auf Grund der Kokain-Affäre Daums zum festen Teamchef. Der gelernte Bürokaufmann wandelte anschließend auf den Spuren von Franz Beckenbauer. Genauso wie der "Kaiser" führte Völler bei seiner ersten WM als Teamchef die DFB-Auswahl gleich zur Vize-Weltmeisterschaft.

Doch nur zwei Jahre später kam das unrühmliche Aus des DFB-Teams in der Vorrunde der EURO 2004 und Völler nahm seinen Hut. Nach einem einmonatigen Gastspiel als Teamchef des AS Rom kehrte Völler nach Leverkusen zurück, wo er seit dem 18. Januar 2005 als Sportdirektor fungiert.