Der damalige Bundestrainer Jupp Derwall kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. "Bernd Schuster schlägt lange Pässe wie einst Franz Beckenbauer, Schuster ist eines der größten Talente, die ich jemals gesehen habe. Da wächst ein spielerisches Genie heran."

Schuster gilt als einer der herausragenden deutschen Fußballer seit den Glanztagen von Franz Beckenbauer. Aber wie das zweite sich 1980 abzeichnende Genie des deutschen Fußballs, Lothar Matthäus, war der Abstand zwischen Genie und Wahnsinn bei beiden nicht erheblich. Schuster und Matthäus zeigten früh ihren Genius, zählten aber auch von Beginn ihrer Karrieren an zu den heikelsten Problemfällen.

Im Alter von 18 Jahren unterschrieb Schuster gleich drei Verträge: Beim FC Augsburg, bei Borussia Mönchengladbach und beim 1. FC Köln. Schuster ging nach Köln, aber 1981 wollte er nicht mehr: "Ich sehe in Köln keine Chance, meine Vorwärtsentwicklung fortzusetzen. Ich komme in Köln nicht dahin, wo ich hin will." 1980 war der "blonde Engel", eigentlich eher "blonder (B)engel", Europameister geworden, die millionenschweren Clubs in Italien und Spanien warben um das Genie. Und mittendrin immer Schusters Ehefrau Gaby als Beraterin. Kein Tag ohne Schlagzeile.

Schusters große Zeit in Barcelona

1981 dann der Wechsel zum FC Barcelona, sein Trainer war Udo Lattek - geübt im Umgang mit problematischen Charakteren. "Ich kriege den Bernd schon hin." Schuster wuchs zum Führungsspieler und avancierte zusammen mit Diego Maradona zum großen "Barca"-Star, aber er überwarf sich mit Derwall, beendete aus familiären Gründen frühzeitig seine Nationalmannschaftskarriere.

Auf der Zielgeraden seiner Karriere kehrte er nochmals in die Bundesliga zurück und spielte von 1993 bis 1996 für Bayer Leverkusen. Ein Streit mit dem damaligen Bayer-Coach Erich Ribbeck bedeutete das Aus für den Profi Schuster in Deutschland, der noch für kurze Zeit in Mexiko kickte, ehe er Fußball-Lehrer wurde.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

Der Trainer Bernd Schuster konnte anfänglich mit den Erfolgen des Spielers Schuster nicht mithalten. Als Coach bei Fortuna Köln und dem 1. FC Köln konnte er nicht allzu viel bewirken. Es folgten die Stationen Deportivo Xerez, Schachtjor Donezk, UD Levante und FC Getafe, mit dem er das spanische Pokalfinale 2007 erreichte. Anschließend unterschrieb Schuster bei Real Madrid. Die "Königlichen" führte er in seiner ersten Saison gleich zur Spanischen Meisterschaft. Doch nur wenige Monate nach dem Triumph musste Schuster seinen Stuhl räumen.

Lothar Matthäus tauchte 1980 erstmals sensationell im Aufgebot zur Europameisterschaft in Italien auf. 17 Minuten spielte er beim 3:2 gegen die Niederlande, verschuldete unter anderem einen Foulelfmeter und musste anschließend 17 Monate warten, ehe er am 18. November 1981 in Dortmund die nächste Chance in der A-Mannschaft erhielt. "Der Anfang meiner Karriere als Nationalspieler war sehr dornenreich", erinnerte sich der Rekord-Nationalspieler.

Matthäus Highlight bei der WM 1990

Bis 1984 spielte Matthäus auf dem Bökelberg, dann folgte der Wechsel zu Rekordmeister Bayern München, ehe es in die Serie A nach Italien zu Inter Mailand ging. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere führte er die deutsche Nationalmannschaft 1990 als Kapitän zum dritten WM-Triumph nach 1954 und 1974.

1992 kehrte er zu "seinem" FC Bayern zurück. Es folgten nochmals viele Erfolge und 1998 sein Nationalmannschafts-Comeback. Nach dreieinhalb Jahren Zwangspause - Matthäus hatte sich mit dem damaligen Bundestrainer Berti Vogts überworfen - wurde der Bayern-Star kurz vor der WM in Frankreich von Vogts wieder reaktiviert. Mit Matthäus als Abwehrchef schied Deutschland im Viertelfinale in Lyon gegen Kroatien aus.

Wechsel über den großen Teich

Auch der Champions-League-Triumph 1999 mit Bayern gegen Manchester United blieb dem Franken versagt, als die Münchner nach der Auswechslung von Matthäus in der Nachspielzeit noch zwei Gegentore kassierten und 1:2 verloren. Im Jahr 2000 verließ "Loddar" nach 464 Bundesliga-Spielen und 121 -Toren die Bundesliga. Die New York/New Jersey MetroStars verpflichteten den fünfmaligen WM-Teilnehmer. Es wurde allerdings nur ein Kurzgastspiel.

Wie Schuster tat sich auch Matthäus als Trainer in der ersten Zeit schwer. Bei Rapid Wien wurde er nach kurzer Zeit entlassen. Mit Partizan Belgrad erkämpfte sich Matthäus indes in der Saison 2002/2003 die Meisterschaft in Serbien und Montenegro und führte das Team in die Champions League.

Von Anfang 2004 bis Ende 2005 war Matthäus Trainer der ungarischen Nationalmannschaft. Sein größter Sieg: ein 2:0 in einem Freundschaftsspiel gegen die DFB-Elf. Es folgten ein einmonatiges Gastspiel in Brasilien und eine Anstellung als Co-Trainer von Giovanni Trapattoni bei Red Bull Salzburg. Seit April 2008 trainiert Matthäus den israelischen Erstligisten Maccabi Netanya.