Ein gebührender Abschied für einen "Kaiser" war es nicht gerade, als Franz Beckenbauer im Mai 1977 dem FC Bayern München nach zwölf Jahren den Rücken kehrte und zu Cosmos New York in die US-amerikanische "Operettenliga" wechselte. Es glich nach privaten und finanziellen Problemen eher einer Flucht.

Seine Ehe war gescheitert, der Fiskus saß ihm im Nacken. Der damalige DFB-Präsident Hermann Neuberger verzieh es Beckenbauer außerdem nicht, dass der in die USA auswanderte. Der Welt- und Europameister wurde nicht mehr in die Nationalmannschaft berufen.

Beckenbauer konnte es verkraften. Schon damals war er der "Kaiser" und die "Lichtgestalt" des deutschen Fußballs, hatte mit den Bayern und der Nationalmannschaft nahezu alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. "New York hat mir die Welt geöffnet. Ein bisserl Fußball gabs noch dazu", sagt der Sohn eines Postlers aus Giesing heute im Rückblick.

Inzwischen ist "Deutschlands Fußballer des Jahrhunderts" über 60 Jahre alt - und in dieser Zeitspanne ist ihm im Grunde nichts missraten. Nicht nur dass Beckenbauer vom Weißbierglas aus die Torwand traf. Zuletzt setzte er sich ein Denkmal, in dem er die WM 2006 fast im Alleingang nach Deutschland holte.

"Wenn Franz erklärt, dass der Ball eckig ist, dann glauben ihm das alle."

"Er ist der Einzige, der es schaffen könnte, der PDS in Bayern ein Direktmandat zu verschaffen", hat Kabarettist Ottfried Fischer einmal gesagt - oder wie es Trainer Otto Rehhagel auszudrücken pflegte: "Wenn Franz erklärt, dass der Ball eckig ist, dann glauben ihm das alle."

Der Mann mit dem bajuwarischen Charme ist allgegenwärtig - ein multi-medialer Multi-Funktionär. Er ist Werbepartner, Kolumnist, TV-Kommentatar, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender beim FC Bayern, Vorsitzender des Organisationskomitees für die WM 2006 in Deutschland. Natürlich war er auch Vorreiter in Sachen Vermarktung: Beckenbauer war der erste Fußballer hierzulande mit eigenem Manager (Robert Schwan) und eigenem Werbevertrag.

Beckenbauer wollte nie Trainer sein

Mit Glück, das Beckenbauer gerne zugeschrieben wird, hat das nicht viel zu tun. Die unumstrittene Position des "Kaisers", der in seiner Jugend eigentlich Fan des Lokalrivalen 1860 war, ist vielmehr Ausdruck von Fleiß, Hartnäckigkeit, Disziplin und Ausdauer. "Ich kann mit Leuten umgehen, bin entscheidungsfreudig, ich scheue mich nicht vor Konzequenzen", beschreibt sich Beckenbauer selbst. Vor allem aber kann Beckenbauer schwer "nein" sagen. Er sagt es zwar oft genug, es muss aber noch lange nichts bedeuten.

So wollte er eigentlich nie Trainer bzw. Teamchef werden - und wurde es bei der Nationalmannschaft, die er 1990 zum WM-Titel führte, beim FC Bayern, den er zum Meister und Uefa-Cup-Sieger machte, und bei Olympique Marseille doch. Er wollte auch nie Präsident bei Bayern werden - und ist es seit 14. November 1994. Eigentlich wollte er auch mit der WM 2006 nichts zu tun haben. Zum Glück konnt er auch in diesem Fall nicht "nein" sagen.

Nur Platz 7 bei Beckenbauer-Abschied vom FCB

1977 hieß die Herausforderung noch USA. Heute sagt Beckenbauer, dass dies wirklich kein schlechtes Leben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewesen sei - bei angeblich umgerechnet 3,5 Millionen Euro Einnahme per annum auch nicht weiter verwunderlich: "Fußball wurde ja nur im Sommer gespielt. Dann folgte eine Weltreise und anschließend drei Monate Urlaub - alles bestens bezahlt." 1980 kehrte er dennoch zum Hamburger SV in die Bundesliga zurück und trat schließlich 1982 mit insgesamt 424 Bundesliga-Spielen (davon 396 für den FC Bayern) vom aktiven Geschehen ab - natürlich mit dem Titel eines Deutschen Meisters.

Beim Abschied 1977 aus München war der "Kaiser" dagegen vollkommen leer ausgegangen. Gladbach wurde zum fünften und bisher auch letzten Mal Meister, die Bayern nur Siebter - ein schlechtes Ende, das im Leben von Beckenbauer die Ausnahme blieb.