Als Hermann Neuberger 1975 im Alter von 55 Jahren von Hermann Gösmann das Amt des DFB-Präsidenten übernahm, ahnte der Saarländer nicht, durch welch bewegte Zeiten er den DFB würde führen müssen.

Gewiss, die Bundesliga war gegründet, der Bundesliga-Skandal überstanden, die Weltmeisterschaft von ihm als Organisationschef perfekt durchgeführt worden. Bayern München und Borussia Mönchengladbach dominierten mit anderen Clubs der Bundesliga den europäischen Vereinsfußball.

Schwierige Zeiten, große Herausforderungen

Trotzdem: Delikate Aufgaben gab es genug, die Meinungen im Verband gingen oft auseinander, und jeder hatte gute Argumente. Neuberger wurde angefeindet, als er die Europameisterschaft 1988 nach Deutschland holte. Politische Kommentatoren warfen ihm vor, Berlin als Spielort auf Druck der DDR und des Ostblocks geopfert zu haben, um sich selbst mit der EM zu profilieren.

Neuberger führte den deutschen Fußball 1989 in ein neues Fernsehzeitalter und ließ dafür geballte Anfeindungen aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk über sich ergehen, als die Erstausstrahlungsrechte von der ARD zu RTL wechselten.

DFB-Chef der Wiedervereinigung

Und er hatte die Wiedervereinigung des deutschen Fußballs zu stemmen, bei dem ein bis dahin als UEFA-Mitglied geführter Verband, der Startrecht in den Europapokalen besaß, zu einem Regionalverband des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) herabgestuft wurde. Das waren langwierige Verhandlungen, ehe sich am 21. November 1990 Hans-Georg Moldenhauer, der letzte Präsident des DDR-Verbandes, und Neuberger über einen Trabi hinweg die Hand reichen konnten.

"Hermann the German", wie Neuberger international nicht nur wegen seiner Organisationskunst (OK-Chef bei fünf Weltmeisterschaften) respektvoll genannt wurde, wusste ungemein viel, kannte viele, und wurde manchmal ungeduldig, wenn er seinen Gesprächspartnern weit voraus war, was ihm oft ungerechterweise als Arroganz ausgelegt wurde.

Der gelernte Journalist, der den DFB wie kaum ein zweiter Präsident geprägt hat, starb am 27. September 1992.