Am Tag der Arbeit war sein Job als Fußball-Profi endgültig zu Ende. Uwe Seeler verabschiedete sich vor 60.000 Zuschauern im natürlich ausverkauften Volksparkstadion mit einem Spiel gegen eine Weltauswahl von seinen Fans. Es war der 1. Mai 1972, und nach der Partie haben sie ihn auf den Schultern vom Platz getragen.

Das Foto davon hängt heute riesig groß im Empfangsraum der HSH Nordbank Arena. Seeler ist immer noch und wahrscheinlich für alle Zeiten das größte Hamburger Fußballidol.

Immer noch HSV-Rekordtorschütze

Sein letztes Bundesliga-Spiel bestritt er mit 35 Jahren am 22. April 1972 gegen den VfB Stuttgart. Die Schwaben erwiesen sich dabei als völlig humorlos und gewannen in der Hansestadt mit 2:1. Seeler schoss kein Tor. Sein letzter Bundesliga-Treffer datiert vom 18. März beim 1:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. Es war das 137. Tor in der deutschen Eliteklasse, natürlich alle für seinen HSV.

Immer noch ist er damit Rekordtorschütze der Norddeutschen. Platz 10 belegte der HSV in Seelers letzter Saison. Im hohen Fußball-Alter ackerte und kämpfte er wie während seiner gesamten Laufbahn, traf elf Mal und führte die folgende "große" HSV-Generation bei ihren ersten Schritten in der Bundesliga an.

Es begann auf der Straße

Manfred Kaltz, Rudi Kargus, Caspar Memering, sie alle haben noch mit Seeler zusammengespielt und von ihm gelernt. Im Jahr eins nach "Uns Uwe" aber schwebte der HSV in höchster Abstiegsnot.

Der Junge aus Hamburg-Eppendorf machte seine ersten fußballerischen Erfahrungen in einer Straßenmannschaft. Und bekam zu Hause regelmäßig den Hintern versohlt, weil die teuren Schuhe wieder kaputt waren. Sein Vater Erwin hatte sich durch den Fußball bereits vom Ewerführer im Hafen in die Welt des Mittelstandes hochgekickt.

Seeler lehnte Millionen-Offerte ab

Als Erwin 1932 vom Arbeiterverein Lorbeer Rothenburgsort zum großbürgerlichen SC Victoria wechselte, war die Presse entsetzt: "Erwin Seeler geht zum Kapital." Uwe hat das nie getan. 1961 lehnte er gar ein Millionen-Angebot vom AC Mailand ab.

Er wusste stets, wo seine Wurzeln waren, und mag geahnt haben, dass er eine Verpflanzung nicht ohne Probleme überstehen würde. Ein Glücksfall für den HSV, für den er 239 Bundesliga-Spiele bestritt. 307 Mal war er für seinen Verein schon vor der Bundesliga-Gründung in der Oberliga Nord und Meisterschaftsendrunden tätig.

Deutscher Meister aber wurde er nur ein Mal, 1960. In der Bundesliga hat es dafür nie gereicht. Die beste Platzierung des HSV mit ihm in der Eliteliga war 1971 der fünfte Rang. Immer war er treffsicherster Spieler des Teams, nur 1966 und 1971 nicht. 30 Mal traf er in der ersten Bundesliga-Saison ins Schwarze und war damit sofort Torschützenkönig. Fußballer des Jahres wurde Seeler 1960, 1964 und 1970.