Eigentlich müsste die Bundesliga mittlerweile Bayernliga heißen. Seit 45 Jahren gibt es sie, und allein 20 Mal hat in dieser Zeit Bayern München die Meisterschaft gewonnen.

Und dabei ist Deutschlands erfolgreichster Verein (insgesamt 21 Meistertitel) nicht einmal Gründungsmitglied. Als die Bundesliga 1963 den Spielbetrieb aufnahm, wurde der Deutsche Meister von 1932 nicht berücksichtigt.

Beschwerde wurde nicht erhört

Zur Empörung der Bayern urteilte der Bundesliga-Ausschuss im Gründungsjahr, es sei "nicht ratsam, zwei Vereinen am gleichen Ort eine Lizenz für die Bundesliga zu erteilen".

Ein Protestschreiben, 13 Seiten stark, blieb ohne Wirkung, zugelassen wurde stattdessen nur der Lokalrivale TSV 1860. Ein Jahr später verpassten die Bayern dann auch noch den Aufstieg, erst zur Saison 1965/66 qualifizierten sie sich sportlich.

Der "Kaiser" kommt ins Schwärmen

Der Einstieg mag verspätet gekommen sein, "aber der Aufstieg 1965 hat die Weichen für die Zukunft gestellt", behauptet Präsident Franz Beckenbauer im Rückblick. Denn bereits im letzten Jahr in der Oberliga fand der FC Bayern jene Spieler, die ihn später groß machen sollten. "Wir hatten eine Mannschaft mit Maier, Müller, Brenninger oder Nafziger, die man nur einmal bekommt", sagt der auch nicht so alltägliche Beckenbauer.

Gefördert wurden diese Spieler von Tschik Cajkovski, dem schlitzohrigen, mittlerweile verstorbenen Trainer. Beckenbauer: "Er konnte Talente fördern wie kaum ein anderer. Er hat die Mannschaft aufgebaut." Dabei wollte Cajkovski nicht unbedingt Talentförderer sein. "Der Präsident hat mir keine fertigen Stars gekauft", klagte er vor dem ersten Bundesliga-Jahr - und wurde mit seiner Mannschaft trotzdem nur knapp geschlagen gleich Dritter.

Zebec brachte die Wende in der Liga

Der große Durchbruch ließ allerdings auf sich warten - auch wenn die Bayern nach dem Sieg im DFB-Pokal 1966 und 1967 auch den Europapokal der Pokalsieger gewannen (1967). Nach fünf Jahren mit Cajkovski holte Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker allerdings dessen jugoslawischen Landsmann Branko Zebec. Prompt entwickelte sich unter ihm ein Stil, den die Bayern noch heute pflegen: Möglichst schnell ein Tor vorlegen, und dann das Spiel nach Hause schaukeln.

Zebec war der entscheidende Mann für den Gewinn des ersten Meistertitels in der Bundesliga, glaubt Beckenbauer: "Er hat bei uns einen neuen Stil geprägt. Da war mehr Professionalität, mehr System, mehr Disziplin."

Müller und die Tore

Da war allerdings auch Beckenbauer, schon 1966 als 21-Jähriger zum "Fußballer des Jahres" gewählt, als zentrale Figur der so genannten "Achse" aus Torwart Sepp Maier, Gestalter Beckenbauer und Torjäger Gerd Müller.

Getreu dem Motto von Zebec: "Nur der Erfolg zählt", spielten sich die Bayern erstaunlich abgebrüht durch die Saison, in der Gerd Müller 30 der 61 Tore schoss. "Ohne den Gerd", erklärt Beckenbauer deshalb immer wieder, "würde der FC Bayern nicht dort stehen, wo er heute steht". Nach einem 1:0 bei Borussia Dortmund am 29. Spieltag war die Entscheidung praktisch gefallen, am Ende wurden die Bayern mit acht Punkten Vorsprung Meister vor Alemannia Aachen.

Cajkowski feierte mit "seinen Jungs"

Der Ausbilder der Meistermannschaft ließ es sich allerdings nicht nehmen, ein wenig mitzufeiern. Schon vor dem letzten Spiel - 2:1 gegen Hannover 96 - tauchte Cajkovski in der Kabine der Bayern auf und begrüßte die Spieler als "meine Jungs". Zu Recht. "Die gute Kameradschaft war eine der wichtigsten Voraussetzungen für unseren damaligen Erfolg. Und das war 'Tschiks' Verdienst", sagt Beckenbauer.

Die erste große Bayern-Ära hatte dennoch noch nicht begonnen. In den folgenden beiden Spielzeiten wurde Borussia Mönchengladbach Deutscher Meister.

Hier lesen Sie die weiteren historischen Rückblicke:

1963/64

1964/65

1965/66

1966/67

1967/68