Die Frage wurde nicht nur in Hoffenheim rauf und runter diskutiert: Was wäre gewesen, wenn sich Vedad Ibisevic im Januar nicht das Kreuzband gerissen hätte? Die 18 Tore des Bosniers in der Hinrunde der Saison 2008/09 bedeuteten die halbe Miete auf dem Weg zur Hoffenheimer Herbstmeisterschaft.

42 Tore schoss 1899 bis zur Winterpause, Hoffenheims Auftritte galten als ein Offensiv-Spektakel. Ohne Ibisevic standen am Saisonende "nur" 63 Treffer auf dem Konto.

Ein halbes Jahr nach ausgeheiltem Ibisevic-Kreuzbandriss und wenige Tage vor Bundesliga-Beginn drängt sich also die Frage auf, ob von der Mannschaft des Cheftrainers Ralf Rangnick wieder ähnlich offensive und torreiche Spiele zu erwarten sind.

Konzept wird nicht geändert

Im Prinzip ja. Dafür spricht nicht nur die Rückkehr von Ibisevic. Sondern vor allem das Konzept von Rangnick. "Es ist wichtig, dass wir wieder den Fußball spielen, der uns so erfolgreich und stark gemacht hat", betonte der 1899-Cheftrainer noch im Trainingslager in Leogang. Bedeutet: ein schnelles und schnörkelloses Spiel nach vorne nach aggressiver Balleroberung.

Die Spieler, die dieses laufintensive und taktisch beanspruchende System umsetzen müssen, stehen Rangnick zur Verfügung. Und die Auswahl ist durch die vielversprechenden Neuzugänge größer geworden. Jede Position ist praktisch doppelt gut auf ähnlich hohem Niveau besetzt. "Wir haben 24 Spieler, zwischen denen kein großer Unterschied besteht", hat der Neu-Hoffenheimer Josip Simunic schnell festgestellt.

Acht Stürmer im Kader

Dass Vedad Ibisevic sofort mit Saisonstart die Tormaschine anwirft, darf natürlich niemand erwarten. Aber der zentrale Stürmer hat den Anschluss an seine alte Form schneller gefunden als erwartet. "Wenn jemand 18 Tore in 17 Spielen schießt, muss man nicht darüber diskutieren, wie wichtig er für die Mannschaft ist. So wie er sich jetzt wieder präsentiert, kann man darüber nachdenken, ihn schon in den ersten Saisonspielen zu bringen – natürlich mit Augenmaß", überlegt Rangnick.

Neben Ibisevic zählen noch sieben (!) weitere Stürmer zum Kader von 1899. Demba Ba und Chinedu Obasi, die zusammen mit Ibisevic ein unwiderstehliches Angriffs-Trio bildeten, haben in dem Brasilianer Maicosuel oder dem Ghanaer Prince Tagoe starke Konkurrenten bekommen. Zehn Tore hat sich allein der forsche und pfeilschnelle Maicosuel für seine Premierensaison in der Bundesliga zum Ziel gesetzt.

Salihovic peilt zehn Tore an

Aber nicht allein von den Stürmern dürfen die Fans des letzten Herbstmeisters Tore erwarten. Spielgestalter Carlos Eduardo oder Freistoß-Spezialist Sejad Salihovic haben überdurchschnittliche Qualität vor des Gegners Tor. Auch Salihovic peilt in der kommenden Spielzeit die 10-Tore-Marke an.

Eine erfahrenere Defensive soll dafür sorgen, dass die Offensivspieler möglichst von unnötigen Abwehraufgaben entlastet werden. Simunic und der Ex-Karlsruher Christian Eichner vor einem immer stärker werdenden Torhüter Timo Hildebrand haben ihre große Qualität schon in den Testspielen unter Beweis gestellt.

"Gegen Bayern auf Sieg spielen"

24:0 gewann Hoffenheim sein erstes Testspiel der Vorbereitung gegen den Kreisligisten Altendiez. Am 1. Bundesliga-Spieltag im Heimspiel gegen den FC Bayern werden garantiert weniger Tore fallen. Aber auf ein Offensiv-Spektakel dürfen die Fans schon hoffen. "Wir werden gegen die Bayern auf Sieg spielen", macht Rangnick Appetit auf einen torreichen Saisonstart.

Stefan Kusche