Sinsheim - Drei Spiele, drei Siege - der überraschende Spitzenreiter der noch jungen Bundesligasaison heißt 1899 Hoffenheim. Durch die Treffer von Isaac Vorsah (37.) und Sejad Salihovic (90.+2) gewannen die Badener gegen den FC Schalke 04 auch ihr zweites Heimspiel der Saison. "Dass wir nach drei Spieltagen oben stehen, hätte sich bei dem Programm vor der Saison keiner träumen lassen", freut sich Hoffenheims neuer Manager Ernst Tanner.

Die Gründe für den erfolgreichen Start macht Tanner in der wieder gewonnenen Harmonie in der Mannschaft fest: "Wir treten geschlossen als Mannschaft auf, damit kann man viel kompensieren." Letzte Saison ging es in Hoffenheim ja nicht immer harmisch zu. Nun bestätigt aber auch Trainer Ralf Rangnick: "Wir haben weitestgehend die richtigen Schlüsse aus der letzten Saison gezogen."

Rangnick will nicht vergleichen

Wie es ist, oben zu stehen, wissen sie ja in Hoffenheim. Als Herbstmeister beschlossen sie die Vorrunde der Saison 2008/09. Was danach folgte, war der große Absturz des damaligen Aufsteigers. Vergleiche mit der himmelstürmenden Premiere in die Bundesliga will Rangnick aber nicht ziehen. Nicht nur, weil die Hoffenheimer damals nur sechs Punkte aus den ersten drei Spielen holten, wie er mit feiner Ironie anmerkte.

Ohne Ablenkung wollen die Hoffenheimer von Spiel zu Spiel denken, darauf schwörte Rangnick die Mannschaft Freitagabend direkt nach dem Abpfiff noch auf dem Platz ein. Er rief seine Spieler zu einem großen Kreis zusammen und redete eindringlich auf sie ein. "Ich habe den Jungs gesagt, dass sie auf diesem Weg weitergehen müssen", erzählte Rangnick hinterher.

Endlich daheim erfolgreich

Besonders ein Aspekt des neuen Erfolges freut ihn: Endlich spielt seine Mannschaft auch in der Rhein-Neckar-Arena erfolgreich und besiegte nach Bremen nun auch mit Schalke mit einer starken Leistung. "Vielleicht gelingt es uns ja, unser neues Stadion endlich zu einer Heimfestung auszubauen", hofft Rangnick.

Ein wichtiger Baustein für den Höhenflug ist die neue zentrale Innenverteidigung mit Josip Simunic und Isaac Vorsah. Erst ein Gegentor ließen die Hoffenheimer bislang zu, und Simunics neuem Partner Vorsah gelang am Freitagabend bereits sein zweiter Saisontreffer. Schon in der Vorwoche in St. Pauli hatte der Ghanaer den Siegtreffer beim 1:0-erfolg markiert. Nun legte sein wuchtiger Kopfballtreffer die Basis für den Sieg gegen Schalke.

Vorsah hat "an Profil gewonnen"

"Isaac hat im letzten Jahr deutlich an Profil gewonnen, auch weil er jetzt bei uns und in Ghana Stammspieler ist", analysiert Rangnick. Der schnelle und kopfballstarke Vorsah spiele jetzt außerdem auf seiner Idealposition in der Innenverteidigung. Früher musste der 1,92 Meter große Nationalspieler Ghanas oft im zentralen, defensiven Mittelfeld aushelfen. Die Tore widmet Vorsah seinem Bruder Josua, der nach der WM unter dubiosen Umständen ums leben kam, "vergiftet" worden sei der, sagt Vorsah.

In Hoffenheim versucht er, durch gute Leistungen den Schicksalsschlag besser zu verkraften. Auch das Lob der Mitspieler baut ihn auf. "Das Paar mit Isaac und Jo spielt derzeit unglaublich gut, man fühlt sich mit den beiden da hinten unheimlich sicher", sagt der neue Kapitän Andreas Beck. Doch auch der ist mit Leistungen wie gegen Schalke vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw wieder auf dem Weg, sich für einen Einsatz bei der Nationalmannschaft zu empfehlen.

Beck bewirbt sich für das Nationalteam

Zuletzt wurde Beck ja aus dem WM-Kader gestrichen und für die EM-Qualifikationsspiele nicht nominiert. Mit Hoffenheim aber will er den eingeschlagenen Weg weiter gehen. "Wir fahren am nächsten Spieltag zum 1. FC Kaiserslautern, um dort zu gewinnen", sagt Beck. Er klingt dabei nicht überheblich. Zu gewinnen, sei Woche für Woche eben das höchste Ziel, sagt er. Und Beck ist sich sicher: "Die Mannschaft weiß allgemein, worauf es ankommt."

Tobias Schächter