Sinsheim/München - Der Glanz und die gute Stimmung bei 1899 Hoffenheim sind wieder da. "Um so zu spielen, müssen im Team wieder einige Dinge richtig laufen", sagte Trainer Ralf Rangnick, dessen Mannschaft beim 4:1 (4:1) zum Saisonstart gegen Werder Bremen furios wie in alten Zeiten gespielt hat.

Und obendrein kam diese bärenstarken Offensiv-Leistung auch ohne Carlos Eduardo zustande, der in der Debüt-Saison im "Oberhaus" 2008/09 auf dem Weg zur Herbstmeisterschaft oftmals brillant Regie beim damaligen Aufsteiger geführt hatte.

Der brasilianische Nationalspieler wird die Kraichgauer verlassen. "Wir sind uns mit einem anderen Club über einen Transfer einig", so 1899-Manager Ernst Tanner, der zu weiteren Inhalten im Moment aber noch Stillschweigen bewahren möchte.

"Marke 1899 Hoffenheim" neu beleben

"Man hat ja gesehen, dass es keine Spuren hinterlassen hat, dass er nicht dabei war", meinte Mittelfeldspieler Tobias Weis mit Blick auf Eduardo. Die Mannschaft konzentriert sich nicht mehr auf Nebenkriegsschauplätze wie in der vergangenen Saison, sondern voll auf die Leistung. "Wir wollen wieder den Fußball zeigen, der 1899 Hoffenheim zu einer Marke gemacht hat", sagte Trainer Ralf Rangnick.

Und gegen Bremen setzte sein Team diese Vorgabe in beeindruckender Art und Weise um. Nachdem Kapitän Torsten Frings die Gäste mit einem verwandelten Elfmeter nach einem Handspiel des Brasilianers Luiz Gustavo in Führung gebracht (3.) hatte, stürmten die Hoffenheimer munter drauf los und demontierte Werder vor begeisterten Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena. Der Senegalese Demba Ba (20.) glich aus, und dann ging es innerhalb von wenigen Minuten blitzschnell: Neuzugang Peniel Mlapa (37.), Vedad Ibisevic (41.) und Sejad Salihovic (43.) stellten noch vor dem Wechsel auf den Endstand.

Verteidiger Marvin Compper betonte nach Abpfiff ebenfalls den neuen alten Mannschaftsgeist: "Die Laufbereitschaft und Aggressivität hat gepasst. Einfach auch die Art und Weise, wie wir uns als Team präsentiert haben."

Werder vor wichtigem Rückspiel in Genua

Für Werder hatte es zuvor Erfolge im DFB-Pokal und der Champions-League-Qualifikation gegeben. Im Gegensatz zu Hoffenheim sah die Bremer Welt nach dem ersten Dämpfer natürlich ganz anders aus. "Wir haben ein verdammt schlechtes Spiel gemacht, so wie wir uns das nicht vorgestellt haben. Wir haben heute nur drei Minuten gut ausgesehen. Danach ging es rapide bergab", analysierte Thomas Schaaf, der durchaus Verstärkungen in Betracht zog. "Natürlich müssen wir schauen, was machbar ist und was im Defensivbereich noch geht", erklärte der ernüchtert wirkende Coach, dessen Club kurz vor Saisonstart die Verpflichtung des Brasilianers Wesley als Nachfolger von Mesut Özil perfekt gemacht hatte.

Geschäftsführer Klaus Allofs weigerte sich jedoch, den Saisonstart nach dem 1. Spieltag gleich schlecht zu reden. "Ich weiß nicht, ob das eine Standortbestimmung war. Gegen Genua waren wir gut, heute ging nichts. Es ist einfach zu früh zu sagen: Wir stehen jetzt da und da."

Im Playoff-Rückspiel zur "Königsklasse" am Dienstag beim italienischen Serie-A-Verein Sampdoria Genua wird möglicherweise Hugo Almeida fehlen. Der portugiesische Nationalstürmer erlitt eine Oberschenkelverletzung. "Ich habe ein Ziehen im Oberschenkel gespürt. Jetzt müssen wir sehen, was es genau ist", sagte Almeida. Nach der Landung in Bremen ging es für den Angreifer direkt in eine Bremer Klinik zur Computertomographie. Sein Einsatz in Genua ist gefährdet.